Kurzgeschichte

Grippewelle

Später würde er sagen, er habe im Gefühl gehabt, dass er heute mobil sein müsste. Die Wahrheit ist: Er hatte verschlafen. Viel zu spät wachte er auf, erledigte die Bad-Frühstück-Sequenz in Rekordzeit und nahm das Auto statt wie üblich den Bus.

Das kenne ich

Es gibt ja Leute, die einfach in allen Belangen des Lebens, der Wissenschaft, Politik, Sport und Kochkunst bestens Bescheid wissen. Das ist wirklich bewundernswert. Das sind Menschen, die schon alles erlebt haben. Nichts kann sie mehr überraschen oder gar beeindrucken.

Nur Mut

Der Wind pfiff um die Häuser und schwere Wolken zogen tief über den Himmel. Die wenigen Menschen auf der Straße huschten mit hochgezogenen Schultern, dicken Schals und wärmenden Stiefeln durch die unwirtliche Kälte. Es dämmerte bereits gelblich-grau am frühen Nachmittag.

Eigenleben

In der kleinen Straße standen nur wenige Siedlungshäuschen. Einst zeugten sie von bescheidenem Wohlstand, von Arbeit, Aufschwung, Familien und Nachbarschaft. Mittlerweile war eine andere Generation eingezogen. Sie hatten die Häuser renoviert, restauriert und modernisiert.

Der Duft des Sommers

An einem Nachmittag so gegen drei zog mit einem zarten Windhauch der Duft des Sommers in den Garten. Er bestand aus dem süßen Echo von Gräsern und Wildblumen und den wilden Aromen der mediterranen Kräuter. Warm war die Brise, die sanft um die Sinne zog und Empfindungen und Bilder beschwor. 

Dramaqueen

„Wann haben Sie Frederick Eisenstein zum letzten Mal gesehen?“ „Gesehen? Hhm. Das war letzte Woche. Am Dienstag oder Mittwoch. Im Supermarkt habe ich ihn zufällig getroffen.“ „Und gestern? Auf der Feier bei Ihren Freunden, dem Ehepaar Siegrist?“ „Nein. Da haben wir uns verpasst.

Vertraute Gesichter

An einem Nachmittag im Februar hielt der Zug am Hauptbahnhof. Wie jeden Tag. Leute stiegen ein und aus. Vertraute Gesichter. Sie begegneten sich täglich. In diesem Zug, der an jedem Tag der Woche immer wieder die gleichen Passagiere in sich aufnahm, waren sie eine Gemeinschaft.

Gleichgewicht und Vernunft

Schon seit ein paar Tagen lag Schnee in der Luft. Der Himmel hing tief und schwer über einer leisen Welt. Es schien, als ob Mensch und Tier die Köpfe einzogen und nur noch flüsterten.

Das perfekte Paar

Emma und Cedric begegneten sich zum ersten Mal auf einer Vernissage. Sie standen vor dem gleichen Bild, jeder hielt ein Glas Sekt in der Hand und eines jener leckeren kleinen Kanapees, die auf einer Platte herumgereicht wurden.