Simplifizierung der Kommunikation

Manchmal stellt man Fragen und denkt sich, man hätte es lieber lassen sollen. Nicht, dass es an sich ein Fehler wäre, Fragen zu stellen. Nein, ganz im Gegenteil. Die Erweiterung des Wissens ist immer zu begrüßen. Wenn es denn dazu kommt.

Vielmehr liegt es an der Art der Antwort. Aber manchmal ist die Frage schon die Ursache des Aneinandervorbeiredens, wenn sie nicht präzise gestellt ist und die darauffolgende Replik einfach unbefriedigend ausfällt. Soweit, so klar. Es handelt sich hierbei um die Naturgesetze der Kommunikationslehre: die Diskrepanz zwischen Meinen und Sagen, zwischen Hören, Verstehen und Zustimmen. Im Großen und Ganzen kann man darunter alle Probleme des kommunikativen Austauschs subsummieren.

Heutzutage werden Aussagen und Fragen gerne nicht nur in einer Kurzform, sondern mehr noch in einer rudimentären Version abgeliefert, die meist nicht mehr in der gängigen Subjekt- Prädikat-Objekt-Anhäufung daher kommt. Es sind Ein-Wort-Sätze oder gar Emoticons, die ihren Ursprung in den geläufi gen Kurznachrichten fi nden, derer man sich ursprünglich bediente, um kurze Informationen auszutauschen. Unterhaltungen werden auf diese Art gerne zum Interpretationsfeld oder zu einer Einladung zum vorhersehbaren Missverständnis.

Der Mangel an Vokabular führt zu einer unpräzisen Darstellung des eigentlichen Gedankens, der in Folge vom Kommunikationspartner auch nur unvollständig aufgenommen werden kann. Eine Antwort ähnelt in der Regel maximal einer Annäherung an das originäre Problem. Nurim Glücksfall stimmen Frage und Antwort dem Sinne nach überein. Es gibt aber auch noch ein anderes, sehr weit verbreitetes Phänomen, das dazu führt, dass zwei Menschen zwar reden, aber eben nicht wirklich miteinander.

Es entspringt der mangelnden Bereitschaft, dem anderen vorurteilsfrei zuzuhören, mehr noch, dem mangelnden Willen, den anderen verstehen (nicht gleichzusetzen mit zustimmen) zu wollen. Der unbedingte Drang zur Mission überlagert in der Antwort die Fragestellung im Kern. Wer kennt nicht jene Mitmenschen, die unabhängig vom Thema ihr Lieblingssujet nach kurzem Umweg oder Anlauf referieren. Ähnlich verblüffend ist die Kunst, alles auf sich zu beziehen. Politiker sind auf dem Gebiet der speziellen Kommunikation wahre Kunstschaffende. So wurden im gerade vergangenen Wahlkampf im Programm aller Parteien zu ihren Plänen und Zielen verwirrende und gänzlich unverständliche Satzmonster mit bis zu 67 Wortungetümen und Neuschöpfungen in deutscher Aneinanderreihungsmanier gefunden.

Wenn es hingegen darum ging, den politischen Gegner zu beschimpfen, so konnte man sich durchaus deutlich und klar ausdrücken. Das Wahlergebnis entsprach in vielen Fällen dem mangelnden Kommunikationsvermögen, dem Unverständnis auf beiden Seiten und der daraus resultierenden Unsicherheit. Man wählt, was man versteht. Vielleicht aus Protest. Oder – und das ist eine erstaunliche Erkenntnis – man hört über die Worte hinweg und wählt Authentizität.