Wo Raubritter ihr Unwesen trieben

Wie eine Stein gewordene Legende ragt Burg Berwartstein auf einem roten Felsen aus den Wäldern der Südpfalz hervor. Eine Burgführung versetzt uns zurück in die Zeiten der Raubritter, Burgfräulein und Geheimgänge. Schon der Aufgang über die aus dem Fels gehauenen Steinstufen macht uns klar: Das Felsennest gibt sich nicht einfach preis – es will erobert werden. Frühere Besucher mussten gar einzeln im Korb durch einen ausgehöhlten Felstunnel gezogen werden.

Im Innern der Burg werden wir vom Burgführer empfangen. Die Kinder müssen vortreten und zuschauen, wie er ein Glas Wasser in den tiefen Brunnenschacht kippt. Es dauert mehrere Sekunden, bis es in der Tiefe aufklatscht: 104 Meter tief wurde der Brunnen in den Fels gehauen. Kaum vorstellbar mit den damaligen Mitteln. Durch Gänge und Gemächer, Wappensäle und eine Burgküche, in der man Märchenfilme drehen könnte, geht es hinauf auf die windige Dachterrasse.

Hier oben lässt sich wunderbar erzählen vom berüchtigten Burgherrn, dem Ritter Hans Trapp, der noch heute als böser Knecht Ruprecht in der Adventszeit durch die elsässischen Dörfer spukt. Noch immer sollen einige Eltern ihren Kindern mit dem Bösewicht drohen, der schon 500 Jahre tot ist. Der historische Hans Trapp hieß eigentlich Hans von Trotha und erhielt die Burg im Jahre 1480 als Lohn für treue Heeresdienste vom Kurfürsten von der Pfalz. Das Benediktinerkloster zu Weißenburg beschwerte sich jedoch beim Papst, dass die Burg eigentlich dem Kloster gehöre. Den Zwei-Meter-Mann Trapp beeindruckten jedoch weder Kirchenbann noch weltliche Reichsacht, die der Kaiser über ihn verhängte. Damit war er für vogelfrei erklärt. Jeder hätte ihn straflos umbringen können. Doch auf seiner Trutzburg war er sicher.

Um sich an den Weißenburgern zu rächen, staute der Ritter anno 1485 das Wasser des Flüsschens Wieslauter in der Nähe seiner Burg auf. Die arme Stadt litt großen Wassermangel, denn das Flüsschen floss mitten durch die Stadt und war deren Wasserquelle. Weißenburg, damals immerhin freie Reichsstadt, beschwerte sich. Zynisch durchstach Trapp den Staudamm – und setzte damit Weißenburg unter Wasser. Seither galt er als Unhold. Erst zwei Jahre, nachdem er eines natürlichen Todes auf seiner Burg gestorben war, traute man sich zu glauben, dass er tatsächlich tot war.

In den unterirdischen Gängen, die früher einmal angeblich bis ins nahe Dorf Erlenbach führten, tasten wir uns bei unruhigem Kerzenflackern an feuchten Wänden entlang. Werden wir dem weißen Fräulein begegnen, einer armen Burgjungfer, die bei einem Brand in den oberen Kammern eingeschlossen wurde? „Und - haben Sie sie gesehen?“ fragt der Burgführer. „Macht nichts! Ich lebe auch schon 500 Jahre hier und habe sie noch nie gesehen“ dröhnt er – ganz Reinkarnation des berühmten Burgunholds.

Wir sind froh, wieder ans Tageslicht zu gelangen. Von wegen romantisches Burgenleben! Im Winter stank es nach Rauch. Abfälle und die menschliche Notdurft landeten im Burggraben und lockten Ratten an. Ein Menschenleben währte meist nicht länger als 30 Jahre und war stets durch Kriege und Hungersnöte bedroht. Auch die Burg Berwartstein blieb von der Zerstörung durch den Sonnenkönig Ludwig XIV. nicht verschont. Ab 1893 wurde sie wieder aufgebaut und hergerichtet – inklusive Gänsehaut und Burgspuk.

Regina Urbach
Archiv: Südwestpfalz Touristik, Foto: M. Kuntz

Infos:

Burg Berwartstein. 76891 Erlenbach,
06398-210, www.burgberwartstein.de .
Burgführung und Gaststätte bis November täglich geöffnet.

Magazin