Wenn Kinder Kopfweh haben

Fast jeder Erwachsene in Deutschland litt schon einmal an Kopfschmerzen. Viele kennen den Schmerz, der den Kopf zum Dröhnen bringt. Dass aber auch schon Kinder unter Kopfschmerzen leiden, ist für die Meisten unbekannt. Laut aktuellen Erhebungen klagt jedes fünfte Kind im Vorschul- und Grundschulalter über Kopfschmerzen, während im Teenageralter mehr als ein Drittel unter wiederkehrenden Kopfschmerzen leidet. Von diesen Schmerzen geht eine große Gefahr aus, denn wiederkehrende Kopfschmerzen im Jugendalter stellen einen Risikofaktor für chronische Kopfschmerzen im Erwachsenenalter dar.

Ursachen für den Kopfschmerz bei Kindern gibt es viele. Sie können als Begleiterscheinungen anderer Krankheiten auftreten oder die Folge von Sehfehlern und Zahnproblemen sein. Diese Ursachen lassen sich leicht beheben. Leiden Kinder aber schon in jungen Jahren an Migräne oder Spannungskopfschmerzen, ist eine intensive Therapie nötig. Wenn Kinder mehrmals wöchentlich oder täglich Beschwerden aufweisen, muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, der eine eindeutige Diagnose stellt. Während einer Kopfschmerzattacke können Eltern mit kleinen Hausmittelchen helfen, die Schmerzen zu lindern. Meist hilft schon Ruhe oder Schlaf in gut durchlüfteten Räumen. Ätherische Öle, wie Pfefferminz- und Eukalyptusöl, sowie Kühlbeutel und feuchte Lappen auf Stirn und Schläfe blockieren die Weiterleitung des Kopfschmerzsignals. Eltern sollten aber nie ihre Kinder selbst mit Schmerzmittel behandeln. Viele Schmerzmittel sind für Kinder nicht geeignet oder im schlimmsten Fall sogar schädlich. Zudem besteht auch bei Kindern die Gefahr eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes. Oftmals liegen die Ursachen und Auslöser der Kopfschmerzen im Alltag der Kinder. Hier reicht die Palette von Schlafmangel und falscher Körperhaltung über unregelmäßige Ernährung bis hin zur Unverträglichkeit bestimmter Lebensmittel. In vielen Fällen werden Kopfschmerzen bei Kindern auch durch Belastungen wie Stress, Angst und Wut ausgelöst. Ein unstrukturierter Tagesablauf und ein zu hoher Leistungsdruck sind für Kinder eine große Belastung. Sie sind überfordert und wissen nicht, richtig damit umzugehen. Auch hier sind die Eltern gefragt, denn wer die Auslöser kennt und meidet, kann den Schmerzen vorbeugen. Wichtig ist, dass Kinder Strategien lernen, um sich vor Kopfschmerzen zu schützen. Dafür haben Psychologen spezielle Anti-Kopfschmerz-Trainingsprogramme entwickelt. Die Kinder malen in den Sitzungen ihre Gefühle und belastende Situationen, um sie besser zu verstehen und ihre eigenen Auslöser zu erkennen. Gearbeitet wird auch mit Tieren wie einer Stoffschildkröte. Von ihr lernen die Kinder, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, Pausen zu machen, und wenn einem alles zu viel wird, sich wie die Schildkröte zurückzuziehen. In der Hypnotherapie wird den Kindern zudem beigebracht, sich in Trance zu versetzen und mit Bildern die im Körper ablaufenden Prozesse zu verändern. Die Kinder erlangen die Fähigkeit, bei Kopfschmerzen ein Schmerztor in ihrem Kopf zu schließen oder einen Regenschirm aufzuspannen und sich darunter von ihren Schmerzen abzuschirmen. Diese Fähigkeiten können sie im Alltag immer und überall anwenden. Auch Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, bei der Kinder einzelne Muskeln trainieren, oder das 
Biofeedback-Verfahren können Kindern helfen. Beim Biofeedback-Verfahren wird die Anspannung der Schläfen- und Stirnmuskulatur per Elektrode registriert und dem Kind optisch oder akustisch via Computer zurückgeben. Kinder lernen dann diese Signale zu beeinflussen.

Nadine Baumann

Info:

Gemeinschaftspraxis Cherdron, Hecke, Preissler, Kluger
Marktstraße 43, 67487 Maikammer
06321/5680

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
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