Wenn es drückt, dröhnt und sticht

Ein heftig pulsierender Schmerz begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Schleichende dumpfe Schmerzen, die stunden- oder tagelang anhalten oder stechende Schmerzen hinter dem Auge. Kopfschmerz ist eine facettenreiche Krankheit. In der heutigen Medizin unterscheidet man 251 Arten von Kopfschmerzerkrankungen. Ob Migräne, Spannungs- oder Clusterkopfschmerzen, Kopfschmerzen gehören neben Rückenschmerzen zu den häufigsten, gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Fünf Prozent der deutschen Bevölkerung leidet unter täglichen und mehr als die Hälfte der Deutschen unter anfallsweisen oder chronischen Kopfschmerzen. Jede Art des Kopfschmerzes hat individuelle Symptome und Ursachen, und bedarf daher auch einer entsprechenden Behandlung. Denn Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Zunächst sind primäre und sekundäre Kopfschmerzen zu unterscheiden. Ist der Schmerz selbst die Ursache, keine Verletzung oder andere Krankheit erklärt den Schmerz, dann spricht man von primären Kopfschmerzen. Bei sekundären Kopfschmerzen wird der Schmerz durch eine andere Krankheit ausgelöst, zum Beispiel durch einen grippalen Infekt, Gefäßstörungen oder Kopfverletzungen. Weitaus interessanter ist aber eine Unterscheidung nach der Art des Kopfschmerzes. Zu den häufigsten Kopfschmerzerkrankungen gehören Migräne, Spannungs- und Clusterkopfschmerzen sowie der medikamenteninduzierte Kopfschmerz. Bei Migräne ist der Kopfschmerz nur ein Teil der Krankheit. Die Attacken, die von vier Stunden bis zu zwei Tagen dauern können, werden meist angekündigt durch eine Phase, in der Betroffene müde, gereizt, überaktiv und geräusch- und lichtempfindlich sind. Kommt es dann zu den stechenden, meist einseitigen Kopfschmerzen, treten auch Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen auf. Eine Migräneattacke beginnt im Hirnstamm und führt zu einer Entzündungsreaktion von Nerven im Gehirn. Diese Attacken können durch viele Faktoren, wie Lärm, Stress, Schlafstörungen oder Hormonschwankungen ausgelöst werden. Häufig sind Frauen von dieser vererbbaren Kopfschmerzerkrankung betroffen. Harmlos, aber schmerzhaft ist die häufigste Form von Kopfschmerzen, der Spannungskopfschmerz. Die Ursachen für den Spannungskopfschmerz sind weitgehend unbekannt, aber mit Schmerzmitteln in Maßen lässt sich der Kopfschmerz unterdrücken. Die meisten Geplagten, die unter dem drückenden Schmerz an den Schläfen leiden, können ihrer Arbeit und ihrem alltäglichen Leben ohne große Einschränkungen nachgehen. Ganz anders aber bei Clusterkopfschmerzen. Etwa fünf bis zehn von 10.000 Menschen, vor allem Männer zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, müssen mit diesen zwar seltenen aber schlimmsten Kopfschmerzen leben. Die genaue Ursache ist auch hier noch nicht bekannt. Ähnlich wie bei Migräne treten auch beim Clusterkopfschmerz einseitige Attacken auf, die Betroffene mit dem Gefühl eines Messerstichs ins Auge beschreiben. Der Clusterkopfschmerz ist zwar nicht heilbar, kann aber, sobald die richtige Diagnose gestellt wurde, medikamentös behandelt werden. Wichtig ist beim Clusterkopfschmerz sowie auch bei allen anderen Arten von Kopfschmerzen, sich von einem Facharzt behandeln und beraten zu lassen. Denn die falsche Einnahme und Dosierung von frei verkäuflichen Schmerzmitteln kann schwere Folgen haben. Wenn an mehr als 15 Tagen im Monat oder länger als drei Tage in Folge Kopfschmerztabletten eingenommen werden, gewöhnt sich der Körper an diese Gabe. Es entsteht ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz. Der Kopf drückt und dröhnt und im Endstadium leiden die Betroffenen fast den ganzen Tag unter Kopfschmerzen, denn die Tabletten wirken nur noch kurz oder überhaupt nicht mehr. Bei einem durch Medikamente ausgelösten Kopfschmerz hilft nur ein kalter Entzug, also der sofortige totale Verzicht auf die Tabletten.

Nadine Baumann 

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