Wanderroute

Ein vielversprechender Klappentext führt zu einer ausgiebigen Wanderung

Auf der Suche nach sagenumwobenen Orten des Pfälzer Waldes fiel uns ein Wanderführer in die Hände mit dem Titel: Wanderungen zu Sagenstätten in der Pfalz von Anton Braun. Dieser versprach, uns auf insgesamt 45 Wanderrouten im Naturpark Pfälzerwald, Donnersberg, Deutsche Weinstraße und Westpfalz zu begleiten und die nötigen Informationen sowohl zu Wanderung als auch zu den Etappenzielen zu geben.

Der Autor selbst habe, so der Klappentext, alle Touren selbst bereist und sorgfältig recherchiert. Kleine Geschichten in durchaus verdaulichen Häppchen machten uns Lust auf unterschiedliche Touren, die abseits ausgetretener Wandertouristenpfade liegen. Mittels einer kleinen Karte wird der Wanderweg – wobei es sich durchweg um Rundtouren handelt – optisch gut dargestellt. Anfahrtswege und Ausgangspunkt, sowie die vorgeschlagenen Stopps an bewirtschafteten Hütten oder Lokale am Weg sind gut beschrieben. Einen dieser Wege, nämlich die Wanderroute Höningen – Hardenburg – Alte Schmelz – Rahnfels – Höningen wollten wir selbst erkunden. Ausgewiesene Gehzeit: zweieinhalb Stunden!

Sonntag, 13 Uhr

In Höningen angekommen parkten wir in einer Seitenstraße und begaben uns zum Ausgangspunkt der Wanderung: dem Höninger Kloster. Dort sollten wir uns laut Wanderführer links halten. Welches Links meinte der Reiseführer? Mit dem Kloster im Rücken oder angesichts des Klosters? Nach einigem Rätseln – und dem Kloster im Rücken - fanden wir den versteckt liegenden Einstieg, der sich wiederum links zwischen den Häusern treppab befindet. Sehr idyllisch: An schön gelegenen Gärten, Pferdekoppeln, einem Bach vorbei, den Pfälzer Wald vor Augen. Wir folgten dem gelben Kreuz als Wanderzeichen. Stutzig wurden wir, als wir das Schild Hardenburg 9,5 Kilometer erblickten. Diese Distanz kollidiert mit der angegebenen Gehzeit ganz offensichtlich. Doch wir ließen uns nicht beirren und wanderten los.
Der erste Teil der Strecke führt bergauf, ist jedoch gut zu bewältigen. Die Strecke wird wenig bewandert und rechts und links rückt der Wald teilweise sehr nahe an den Wanderer heran. Tatsächlich erreichten wir nach einer Stunde und 45 Minuten die Hardenburg. Das dort vorgefundene Schild, das Richtung Höningen weist, informiert die Wanderer über eine sechs Kilometer betragende Distanz. Was nun die tatsächliche Entfernung betrifft, hat sich uns nicht erschlossen. Wir rasteten etwa 30 Minuten auf der Hardenburg, die sich noch in der Renovierung befindet. Das Lokal ist geöffnet und hat einen schönen Freisitz. Die angebotenen Speisen und Getränke sind wie üblich pfälzisch. Gut und ihren Preis wert.

Wir machten uns auf den Weg zur Alten Schmelz, einem Hotel und Gasthof, der seit Generationen in Familienbesitz ist. Die Wanderstrecke beträgt viereinhalb Kilometer, ist durch weiß-blaue Markierung gekennzeichnet, flach und gut zu laufen. Nach 45 Minuten erreichten wir den Gasthof mit dem schönen Garten und einem äußerst freundlichen Servicepersonal. Ein Blick in die Speisekarte lohnt sich.

Der Beginn des Aufstiegs liegt versteckt gegenüber der Alten Schmelz links neben einem Brückengeländer. Den Weg hat sich die Natur ziemlich zurückerobert. Wer Angst vor Zecken hat, sollte lieber mit langen Hosen und Kopfbedeckung antreten. Ab jetzt geht es gewaltig bergauf. Die Alte Schmelz liegt auf 199 Höhenmetern, der Rahnfels – unser nächstes Ziel - auf 516 Meter. Der Weg ist schmal und gewunden, aber man läuft sicher und trittfest, beeindruckend schön. Nach knapp zwei Stunden sind wir oben. Der sensationelle Blick vom Rahnfels in die Ebene Richtung Bad Dürkheim und hinüber zum Weinbiet ist der Lohn des Wanderers. Kurzes Verschnaufen. Auf geht’s nach Höningen. Bergab. Auch hier muss man wieder ein wenig den versteckten Weg erkunden. Kurzes Stück zurück zur Wegkreuzung, durch die Büsche und hinab. Der Abstieg dauerte etwa 30 Minuten.

Um 19 Uhr erreichten wir unser Auto: Nach fünf Stunden Wandern und insgesamt einer Stunde Pause (Hardenburg und Alte Schmelz). Wären wir nicht im Sommer sondern im Spätherbst oder Winter gewandert, wäre es wegen des Tageslichts knapp geworden. Die angegebene Wanderzeit konnten wir auf den etwa 18 Kilometern niemals einhalten. Wie der Autor diese ermittelt hat, ist uns allen ein Rätsel. Vielleicht sogar ein Mythos.

Tipp:

Der Wanderführer, der wirklich schöne Touren beschreibt, sollte nur in Kombination mit einer guten Pfälzer Wald Wanderkarte benutzt werdem. Oder man sollte sich mit Schlafsack, Taschenlampe, Kulturbeutel und reichlich Verpflegung auf den Weg machen. Wer weiß was passiert, wenn die angegebene Gehzeit über drei Stunden liegt. Dann ist man mal weg…

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