Wandern statt Fahren

Einmal im Jahr ist große Wandernacht für die Gäsbockbiker der Interessengemeinschaft Mountainbike Lambrechter Tal. Bereits zum dritten Mal tüftelt Wolfgang Zeller eine Route aus, die mindestens einen schönen Platz für den Sonnenuntergang und einen ebensolchen für den Sonnenaufgang umfasst. In diesem Jahr startetete die neunköpfige Grupper um 17 Uhr am Ebert-Platz in Lambrecht in Richtung Teufelsfelsen.

Die Hammersteigung wollten alle gleich zu Beginn hinter sich bringen, denn binnen kürzester Zeit wurde jedem das Gewicht des Rucksacks auf den Schultern bewusst. Kurz den Ausblick genießend weiter bergauf zum hinteren Stoppelkopf. Schade, dass hier die beiden Aussichtsportale nur noch einen sehr beschränkten Ausblick in Richtung der Rheinebene erlauben. Hier wäre ein kleiner Freischnitt eine feine Maßnahme, um dem geneigten Wanderer nicht den Lohn der Anstrengung vorzuenthalten. Nun war das Höhenniveau erreicht und die Route führte über Lambertskreuz zum Drachenfels. Vielleicht war es dem Viertelfinale der Europameisterschaft mit deutscher Beteiligung geschuldet, aber wir konnten den Ausblick vom Südfelsen, die Rast an den Steintischen und den anschließenden Sonnenuntergang am Westfelsen in großer Ruhe und Entspannung erleben.

Mit einbrechender Dunkelheit verließen wir das Gipfelplateau und wanderten zunächst noch ohne Zusatzbeleuchtung kurz in Richtung Saupferch, den wir aber nicht erreichten, sondern zuvor im Talgrund in Richtung Jagdstein wieder bergauf abbogen. Nach diesem Buckel, und jetzt schon deutlich in der Nacht unterwegs, war das nächste Zwischenziel der Hammelbrunnen, der aber ob der sehr mäßigen Schüttung der Quelle nicht so richtig zum Auffüllen der Wasservorräte reichte. Was aber kein Problem darstellte, da noch alle gut versorgt waren und hinter dem Weißen Stein in der Nähe des Oppauer Hauses noch eine Überraschung auf die Nachtwanderer wartete. Der Geruch eines Feuers, dann der Schein einer Schwedenfackel. Gibt’s das?

Wolfgangs Sohn Max hatte mit der Unterstützung zweier Nachbarn am Straßenrand eine kleine Rast mit herrlicher Gulaschsuppe und Kaffee aufgebaut. Frisches Mineral- und Trinkwasser in Kanistern hatten sie außerdem mitgebracht, und so konnte die Gruppe frisch gestärkt den Anstieg zum Eckkopfturm in Angriff nehmen. Hier sollte der Sonnenaufgang beobachtet werden. Das Ziel wurde locker rechtzeitig erreicht und es blieb Zeit für eine kleine Ruhepause. Dann hoch auf den Turm und dem Naturschauspiel am Morgenhimmel zugeschaut. Um exakt 5:19 Uhr schob sich die Sonne über den Odenwald. Bilder können das nur unvollständig wieder geben und der Tipp lautet eindeutig: Man muss das selbst mal erlebt haben. Ab dem Eckkopf führte der Pfad dann fast nur noch bergab zum Frühstücksziel Bad Dürkheim. Müde, aber mit einer Vielzahl wunderbarer Eindrücke frühstückten die Männer, eine Frau und ein Hund – der tapfer mitgehalten hatte und stets seine kleine Herde beisammen gehalten hatte - auf der Terrasse des Kurparkhotels, bevor es zurück per Auto oder Bahn nach Lambrecht ging. Im nächsten Jahr, so sind sich die Teilnehmer sicher, sind wieder alle dabei bei Schlaflos mit Schuh.