Volkskrankheit Alzheimer

Als der Nervenarzt Alois Alzheimer am 3. November 1906 auf der 37. Tagung Südwestdeutscher Irrenärzte in Tübingen erstmals „einen eigenartigen schweren Krankheitsprozess der Hirnrinde“ beschrieb, sollen die Kollegen dies mit freundlichem Desinteresse zur Kenntnis genommen haben. Alzheimers vorbildliche Fallstudie wurde archiviert – und verschwand bald 75 Jahre lang aus den medizinischen Gedächtnissen. Inzwischen steht ein Denkmal für Deutschlands berühmtesten Neurologen auf dem Gelände der Universität Frankfurt und sein Geburtshaus in Würzburg wurde zum Museum.

100 Jahre nach der erstmaligen Beschreibung ist die Alzheimer-Krankheit (auch Alzheimer-Demenz oder Morbus Alzheimer genannt) auf dem besten Weg, als Volksleiden anerkannt zu werden. Die Alzheimer-Krankheit ist eine hirnorganische Krankheit, die gekennzeichnet ist durch den langsam fortschreitenden Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten. Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) festzustellen. Neuerdings haben Forschungen ergeben, dass die Gehirne von Alzheimerpatienten von einer übergroßen Zahl an Entzündungen befallen sind.
Der Beginn der Alzheimer-Krankheit kann schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten, doch steigt die Zahl der Erkrankungen mit dem Lebensalter steil an. Die Betroffenen leiden unter Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie Störungen des Denk- und Urteilsvermögens. Diese Störungen machen die Bewältigung des normalen Alltagslebens immer schwieriger. Angst und Verunsicherungen bis zu mehr oder weniger aggressivem Verhalten begleiten den Verlust der kognitiven Fähigkeiten.
Die Patienten sind zunehmend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Die Krankheitsverläufe und die damit verbundenen Anforderungen an Pflege und ärztliche Versorgung sind nicht einheitlich.
Die Alzheimer-Krankheit ist eine Form der Demenz, doch bei weitem nicht die einzige. Unter dem Begriff Demenz versteht man den Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit. Vor allem die Gedächtnisleistung und das Denkvermögen nehmen ab. Betroffene haben Schwierigkeiten, neue gedankliche Inhalte aufzunehmen und wiederzugeben. Allerdings bedeutet eine Vergesslichkeit allein noch keine Demenz.

Etwa acht bis 13 Prozent aller Menschen über 65 Jahren leiden unter einer Demenz. Bei den über 90-Jährigen sind es sogar 40 Prozent. Nach Schätzungen von Patientenverbänden leben in Deutschland weit über eine Million Menschen mit altersbedingten Hirnleistungsstörungen. Die Autoren der europäischen Demenzleitlinien gehen davon aus, dass in Europa mindestens fünf Millionen Menschen unter einer Demenz leiden. Vermutlich werden diese Zahlen noch weiter steigen, weil der Anteil alter Menschen an der Gesamtbevölkerung zunimmt. Schon heute sind Demenzen der häufigste Grund für die Einweisung in ein Pflegeheim.

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