Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Arbeiten am Samstag, im Schicht-, oder Nachtdienst- für viele erwerbstätige Eltern der normale Berufsalltag. Eine geregelte Betreuung ihrer Kinder ist zu diesen Zeiten aber oftmals ein Problem. 99 Prozent aller Kindertagesstätten in Deutschland sind samstags geschlossen. 96 Prozent schließen während der Woche spätestens um 18 Uhr und lediglich ein Drittel der Kitas ist in der gesamten Ferienzeit geöffnet. Das geht aus dem Kita-Check 2008 hervor, den der Deutsche Industrie- und Handelskammertag vergangenes Jahr in Auftrag gab.

An der zweiten Befragung dieser Art, deren Ergebnisse im November 2008 in Berlin präsentiert wurden, nahmen deutschlandweit 6.700 Kindertagesstätten teil. Der Fokus der Erhebung liegt auf der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Erwerbstätigkeit von Müttern ist längst Normalität geworden und Eltern sowie auch die Unternehmen sind auf eine verlässliche Kinderbetreuung angewiesen. Aber sind das Angebot und die Struktur der Kitas mit den Bedürfnissen und Notwendigkeiten der Eltern und Unternehmen kompatibel? Diese Frage versucht der Kita-Check zu beantworten. Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, erklärte, die Umfrage mache deutlich, dass für eine flexible Kinderbetreuung in Deutschland dringender Handlungsbedarf bestehe.

Der Kita-Check zeigt deutliche Defizite bei den Öffnungszeiten der meisten Einrichtungen. Fast alle Kitas haben samstags geschlossen und auch in den Ferien gestaltet sich die Kinderbetreuung schwierig. 27 Prozent der Einrichtungen haben während den Ferien vollständig geschlossen. Zeit, die anderweitig überbrückt werden muss. 40 Prozent der Kitas haben Schließzeiten, bieten aber immerhin eine gesicherte Alternativbetreuung. Generell ist es nur bei 31 Prozent der Kitas möglich, Betreuungszeiten individuell festzulegen und abzurechnen. Kooperationen mit Unternehmen sind ebenfalls eine Seltenheit. In sechs Prozent der Kitas findet eine Kooperation in Form der Bereitstellung von Belegplätzen statt und in nur vier Prozent der Kitas wird eine Notfallbetreuung von Unternehmen angeboten.

Im Kita-Check zeigt sich aber deutlich, dass privat-gewerbliche Träger und die Betriebskitas in den meisten Bereichen ein besseres Angebot bieten. Diese Einrichtungen sind bei der Festlegung von Betreuungszeiten viel flexibler. Da sie die Bedürfnisse der Eltern und Unternehmen genau kennen, haben sie oft längere Öffnungszeiten am Abend und an den Wochenenden.

Die im Rahmen der Umfrage gewonnen Ergebnisse sollen nun laut DIHK genutzt werden, um die Weichen in dem Prozess der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stellen. Der Industrie- und Handelskammertag fordert, dass alle Träger von Einrichtungen, auch privat-gewerbliche, die öffentliche Förderung erhalten, wenn sie die vorgeschriebenen Anforderungen erfüllen. Letztendlich solle die Förderung der Kitas bundesweit auf ein Gutscheinsystem umgestellt werden, bei dem alle Kinder unabhängig von der beruflichen Situation der Eltern einen Gutschein in gleichem Umfang erhalten. „Diese konsequente Förderung des einzelnen Kindes statt einzelner Einrichtungen würde die kommunenübergreifende Betreuung enorm erleichtern und zugleich einen starken Einfluss der Eltern auf die Qualität der Kitas sichern“, so Braun. Darüber hinaus sollten die Öffnungszeiten am Samstag und am Abend fester Bestandteil des Betreuungsangebotes werden. An dieser Stelle würden in erster Linie die Träger gemeinsam mit den Jugendämtern aufgefordert, aktiv zu werden. Die DIHK setzt sich dafür ein, dass die Träger und Kommunen den Kitas die nötige Flexibilität und Freiräume ermöglichen, um eine individuelle Betreuung anbieten zu können. Eine Orientierung an den Angeboten der Betriebskindergärten und der privat-gewerblichen Trägern müsse in den Vordergrund rücken, da diese das umfassendste und beste Angebot haben.

Nadine Baumann

Infos:

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