Turmuhrenmuseum Rockenhausen - Zeit erleben

Wir schlagen sie tot und hätten doch gern mehr von ihr, wir verplanen sie und bedauern, wie schnell sie verfliegt. Jeden Tag sprechen wir von ihr, doch niemand kann genau sagen, was sie eigentlich ist: die Zeit. Im Museum für Zeit in Rockenhausen am Donnersberg kann man der Zeit auf den Grund gehen. Hier sind über 50 große Turmuhren aus fünf Jahrhunderten sowie verschiedene Sand-, Sonnen- und Standuhren berühmter Uhrmacher ausgestellt.

Beim Blick auf die komplexen Zahnradwerke mit Gewichten, Pendeln, Hebeln und Schlaghämmern wird uns bewusst, dass wir hier vor der Mutter aller modernen Maschinen stehen.
In einem denkmalgeschützten Gehöft beherbergt das pfälzische Turmuhrenmuseum eine der bedeutendsten Sammlungen Europas, doch will es nicht mit Superlativen punkten. Vielmehr erklärt es die Messung der Zeit. Einsteins Relativitätstheorie hat erkannt: Zeit ist nichts Objektives. Doch ist uns das bewusst, wenn wir uns zwischen Wecker und Tagesschau den ganzen Tag von der Uhr hetzen lassen? Wozu hat uns die exakte Zeitmessung eigentlich geführt?

Jahrhundertelang genügte den Menschen der behagliche Stundenschlag der Turmuhren, die ab und zu an einer Sonnenuhr gestellt wurden. Und die kommt bekanntlich an jedem Ort zu einem anderen Ergebnis. Erst mit dem Eisenbahnzeitalter mussten Züge zu verlässlichen Zeiten abfahren. Um 1900 wurde die Mitteleuropäische Zeit eingeführt. Die alten Räderuhren, jahrhunderte-lang im Dienst, wurden gegen exaktere elektrische und Funkuhren ausgetauscht.

Zeitmesser als Meisterwerke

Zeitmessung hat mit Pflicht und Arbeit zu tun. Die alten Ägypter und Griechen nutzten austropfendes Wasser als Maß. In vielen Kulturen gab es Sonnenuhren, von denen viele im Museum zu bestaunen sind. Sanduhren dienten bis in die Neuzeit zur Einteilung der Wachdienste auf See. Die Meisterwerke der berühmten Uhrmacher Möllinger (Neustadt), Schwilgué (Straßburg) und Ungerer zeigen, welche Kunst in Uhrwerken steckt. Das Größte stammt aus Speyer und ist über drei Meter breit. Deckenböden sind durchbrochen, Glocken im Dachstuhl aufgehängt, um Platz für die Wunderwerke zu schaffen. Das Schönste ist aus poliertem Messing, das Unterhaltsamste eine hochempfindliche Kugellaufuhr. Überall tickt und rappelt es leise, irgendwo tönt eine Glocke. Kleine Ausstellungen betten die Uhren in ihre Zeit ein. Ein Planetenmodell macht Schülern den Sonnenumlauf verständlich.

Das auf eine private Sammlung zurückgehende Museum nimmt sich bereits seit über 30 Jahren Zeit für die Zeit. Man sollte es ihm nachtun.

Dr. Regina Urbach

Info:

Museum für Zeit - Pfälzisches Turmuhrenmuseum
Schloßstraße 10, 67806 Rockenhausen
06361/3430 oder  Touristinfo 06361/451-214
kontakt@museum-fuer-zeit.de, www.museum-fuer-zeit.de

Geöffnet ab März Donnerstag bis Sonntag 15 bis 17 Uhr.
Für Gruppen auch nach Vereinbarung.
Eintritt: Führung: 2,50 Euro pro Person.
Von Einzelbesuchern wird eine Spende erbeten.

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