Subventionen in der Krise

Die Krise auf dem Finanzsektor hat die Menschen eindringlich zum Nachdenken gezwungen. Das System des international agierenden Finanzmarktes kam beträchtlich ins Wanken. Schuld daran sind unter anderem unverantwortliches Handeln, kurzfristiges Denken und übersteigerte Profitorientierung im Management. Allerdings handelten nicht alle Finanzunternehmen nach dieser bedenklichen Philosophie. Die VR Bank Südpfalz stellte Anfang des Jahres 2009 ihre Geschäftsentwicklung des gerade vergangenen Jahres 2008 vor und konnte sehr gute Zahlen präsentieren - und ihre Kunden und Geschäftspartner beruhigen. Chili sprach mit Reinhold Schreck, Vorstandsvorsitzender der VR Bank Südpfalz, und Christoph Ochs, seinem Stellvertreter.

Chili: Sie sprachen von der wohl gravierendsten Finanz- und Wirtschaftskrise seit Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Diese Krise hat wohl ihre Ausschläge erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres gehabt. Zu diesem Zeitpunkt konnte die VR Bank Südpfalz noch ganz gut mit ihrem insgesamt guten Ergebnis die beginnende Krise kompensieren. Was erwarten Sie jedoch für das laufende Jahr?

Reinhold Schreck:  Nun, die Krise wird sich auch in den Bankbilanzen des Jahres 2009 niederschlagen. So hohe Wertkorrekturen bei den Wertpapieren wie in 2008 wird es in 2009 wohl kaum noch geben. Da tritt eine Entspannung ein. Aber die Auswirkungen in der Realwirtschaft – starker Rückgang der Wirtschaftsleistung in Verbindung mit steigenden Arbeitslosenzahlen und Insolvenzen – wird zu einer größeren Risikovorsorge im Kreditgeschäft führen. Wir erwarten - und da sind wir recht optimistisch – dass unsere Bank auch im laufenden Jahr das gute Ergebnis des Jahres 2008 erreichen wird.

Chili: Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?

Reinhold Schreck: Wir setzen den bisherigen Weg der Effizienzsteigerung beziehungsweise der Kostenreduktion fort, um dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben zu können. Im Kreditgeschäft schauen wir natürlich etwas genauer hin. Aber wir ändern nichts an unseren Kreditvergabe-Richtlinien. Und bei den eigenen Wertpapieren der Bank prüfen wir verstärkt die Bonität der Emittenten.

Chili: Warum waren Sie nicht so stark betroffen?

Reinhold Schreck: Natürlich haben auch wir Wertkorrekturen auf unsere Wertpapierbestände vornehmen müssen, aber bei weitem nicht so hohe wie andere Banken. Mit einem vollkommen risikolosen Geschäftsmodell kann man kein Geld verdienen. Schließlich sind Banken da, um Risiken zu übernehmen. Ausschlaggebender Faktor, weshalb wir als Genossenschaftsbank besser als andere Banken durch die Krise kamen und kommen, ist nun mal unser bewährtes Geschäftsmodell – nämlich Geschäfte in der Region zu machen mit Menschen, die man kennt.

Chili: Sind Ihrer Meinung nach durch die eigeleiteten Maßnahmen der Regierungen, sowohl der deutschen, der europäischen als auch der amerikanischen, die gröbsten Gefahren gebannt? Was kann noch auf uns zukommen? Was erwarten Sie?

Reinhold Schreck: Neben den Regierungen leisten ja auch die Notenbanken einen erheblichen Beitrag, in dem sie unter anderem Geld billig machen und für die Liquidität der Banken sorgen. Viele Gefahren sind sicher gebannt, insbesondere der Zusammenbruch systemrelevanter Banken. Wenn man nicht zum Tauschhandel zurückkehren will, braucht man nun einmal die Banken. Weltweit verschulden sich die Staaten ins Unermessliche. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Das ist für mich das Besorgniserregende. Aber manchmal muss man Feuer mit Feuer bekämpfen. Im Moment gilt es, die Deflation zu bekämpfen. Sollte es wie erwartet in 2010 zur Erholung der Wirtschaft kommen, wird man sich schon bald wieder mit der Inflationsbekämpfung auseinandersetzen müssen. Das ist der Zeitpunkt, an dem man die Staatsverschuldung abbauen muss.

Chili: Was sind die geeigneten Maßnahmen, mit denen der Krise begegnet werden kann?

Christoph Ochs: Der Mittelstand gilt als der Motor der Wirtschaft. Nachweislich beschäftigt der Mittelstand die meisten Arbeitnehmer und generiert das höchste Steuervolumen. Wir halten es für sinnvoll, wenn der Staat mehr mittelständische Unternehmen unterstützt. Hier ist vor allem der Bereich der Bürgschaftsübernahme zu nennen. Dies würde der Wirtschaft nachhaltigen Auftrieb geben. Im Übrigen wären die Ausfallrisiken für Banken geringer und der Staat könnte mit deutlich weniger Kapitaleinsatz viel mehr bewegen als in der Großindustrie.

Chili: Sie sprachen während der Präsentation Ihrer Geschäftszahlen unter anderem davon, dass auch die Banken vom Staat unterstützt werden, die durch eigenes – nennen wir es mal - schlechtes Wirtschaften in Schwierigkeiten geraten sind. Und eben jenen Banken, die ihre Hausaufgaben anständig und dauerhaft erledigt haben, durch überzogene Zinsversprechen große Konkurrenz machen. Wie genau sieht diese Konkurrenz aus?

Christoph Ochs: Grundsätzlich muss man verstehen, dass eine Bank von der Differenz zwischen Kreditzins und Einlagezins lebt. Mit dem daraus erwirtschafteten Geld werden die Risiken, die durch das Kreditgeschäft entstehen, gedeckt, die Verwaltung bezahlt und ein vernünftiger Gewinn als Basis zukünftiger Geschäfte erwirtschaftet. Übersteigt aber der Einlagezins allerdings den Kreditzins, dann funktioniert das System, nach dem eine Bank arbeitet, eben nicht. Eine Konkurrenzsituation unter den Banken ist so normal wie in jeder anderen Branche auch. Damit leben wir und damit leben wir auch gut. Wenn jedoch über Subventionen der Markt und die Gesetze des Marktes außer Kraft gesetzt werden, dann führt das zu Problemen.
Im Falle einiger Banken werden zurzeit Zinsangebote unterbreitet, die darauf schließen lassen, dass am Ende des Jahres neue Subventionen fällig werden könnten, weil zum Teil Einlagezinsen angeboten werden, die über den Kreditzinsen liegen. Diese Banken nennen als Argument häufig, dass sie Kunden werben wollen. Wir meinen, dass dies zu kurzfristig gedacht ist. Der Anleger, der sich nur an den Zinsen orientiert, zieht sein Geld schnell ab, wenn die Zinsen auf Normalniveau gesenkt werden müssen. Außerdem handelt es sich bei diesem nicht langfristig tragfähigen Geschäftsmodell mehr um ein Verfahren der Liquiditätsbeschaffung. So kann kein Geld verdient werden und die Finanzspritzen des Bundes nicht zurückgezahlt werden.

Chili: Es zeigen sich jetzt schon findige Geister, die aus der Krise wiederum Profit schlagen. War die überaus schnelle Handlungsweise von Frau Merkel und Kollegen gut und richtig?

Christoph Ochs: So schnell zu handeln war die einzige und damit richtige Möglichkeit. Die Systeme standen buchstäblich vor der Kernschmelze, wie Peer Steinbrück es ausdrückte. Fraglich jedoch ist es, ob die Zusage der Regierung nötig und richtig war, dass wirklich alle Einlagen gleichermaßen abgesichert werden, also auch diejenigen, die die Kunden bei der isländischen Bank beispielsweise getätigt haben. Denn bei diesen Anlagen handelte es sich um risikoreiche Anlagen, die deshalb bei Abschluss mit deutlich höheren Zinsen ausgestattet waren als sichere Anlagen.

Chili: Glauben Sie, dass sich zukünftig eine Krise wie die aktuelle verhindern lässt?

Reinhold Schreck: Eine solche Krise sicherlich – wenn man die richtigen Schlüsse zieht und handelt. Die staatliche Ordnung hat versagt. Entweder gab es falsche Regeln oder keine Regeln. Bankaufsichtsbehörden plus Notenbanken plus Regierungen müssen sich international besser in aufsichtsrechtlichen Angelegenheiten abstimmen. Es ist doch ein Unding, dass Hedgefonds außerhalb jeglicher Regulierung operieren können. Aber es wird irgendwann wieder eine andere Finanzkrise kommen. „Finanzkrisen sind wie Kriege. – Man kann sie nur schwer verhindern.“ 

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