Skimming

Die Straftaten im Bereich Internet, neue Medien und Techniken nehmen zu. Betrüger nutzen die neuen technischen Möglichkeiten und sind Anwendern ebenso wie Entwicklern immer einen Schritt voraus. So auch im sensiblen Bereich des Einsatzes von Geldkarten. Üblich ist die Nutzung von Geldautomaten nicht nur an Wochenenden und in Abendstunden. Dies wird von den Geldinstituten durchaus auch gefördert und unterstützt, denn das Abheben an den Geldautomaten ist bequem, schnell und spart kostenintensiven Einsatz von Personal.

Etwa 116 Millionen Geldkarten sind deutschlandweit im Umlauf, davon sind 90 Millionen so genannte EC-Karten und 26 Millionen Kreditkarten. Und genau diese Menge und ihr täglicher Einsatz sind attraktiv für kriminelle Kreative. An den Schlitzen des Zahlungsterminals und an den Türöffnungsmodulen werden technische Lesegeräte nahezu unsichtbar angebracht, die die Magnetstreifen der Geldkarten kopieren. Über eine Videokamera, die das Zahlenfeld anvisiert, wird das Eintippen der PIN-Nummer aufgenommen. Die neueste Methode der PIN-Ausspähgeräte wurde im Raum Heidelberg und Hockenheim eingesetzt. Eine passgenaue Zweittastatur, die auf das Originalziffernfeld des Geldautomaten aufgelegt wird, ist mit einem Speicher ausgestattet. So tippt man eigenhändig seine PIN in den Speicherchip der Betrüger. Mit den kopierten Daten aus dem Lesergerätaufsatz wird die Karte dupliziert und kann mithilfe der ausspionierten Geheimnummer zum Schaden der Kunden genutzt werden. Die ausgelesenen Daten des Magnetstreifens werden per Funk zu einem PC übertragen und gespeichert. Von hier geht die Reise der Kartendaten und PIN in der Regel direkt ins Ausland.  Dort werden Kartendupletten erstellt und bis zur Kartensperre an Geldautomaten missbraucht, das heißt die Konten der Geschädigten leergeräumt.

Deutschlandweit hat in 2007 die Manipulation an Geldautomaten zu mehr als 10.000 Fällen von Datenklau geführt. Insgesamt wurden nach Angaben der Gesellschaft Euro-Kartensysteme in Frankfurt am Main 459 Automaten bundesweit präpariert.

Die Pfalz und Baden gelten nicht als Schwerpunkt von Skimming-Betrügern, obwohl auch hier eine Steigerung der Fallzahlen zu beobachten ist. Skimming ist der Begriff für die oben beschriebene Art des Betrugs. Aufsehen erregte der Fall in einem Haus der Globus Handelskette in Wörth, wo Kartendaten unterschiedlicher Banken ausspioniert wurden. Dort allerdings brachen die Betrüger ein und manipulierten eine Kasse, die die Kartendaten ebenfalls per Funk an die vor der Türe wartenden Gauner weiterleitete. Ein weiterer Fall wurde in Bad Dürkheim so rechtzeitig auffällig, dass die Polizei den Täter überführen konnte. Im Februar 2008 wurden Missbrauchsfälle bei der Deutschen Bank in Neustadt registriert. Mehrere 10.000 Euro wurden so im Ausland erbeutet. Auch in Ludwigshafen schlugen die Gauner Mitte April bei der Deutschen Bank und der Commerzbank in neun Fällen zu. Andere Banken und Geldinstitute sind ebenfalls betroffen. Die Kontrollen durch die Mitarbeiter sind hoch und regelmäßig. Der Leiter der Innenrevision der VR Bank Südpfalz, Fritz Bösser, sagt: „Unsere Mitarbeiter prüfen regelmäßig bei Bestückung die Geldautomaten auf Funktionalität und Auffälligkeiten. In den meisten unserer Geldautomaten ist ein Anti-Skimming-Modul eingebaut." So habe man bislang Fälle von Skimming verhindern können.

Allerdings muss der hohe Schutz an Geldautomaten nicht bedeuten, dass Kunden nicht betroffen sind. Wenn sie ihre Karten an Automaten anderer Kreditinstitute verwenden oder an Kassen im Einzelhandel einsetzen, dann sind diese Daten ebenfalls in Gefahr. Bösser sagt dazu: „Bei Manipulationen am Geldausgabeautomaten erstattet die EURO Kartensysteme GmbH in jedem Fall an VR Bank-Kunden zu 100 Prozent." Kunden seien allerdings verpflichtet, umgehend Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Denn nur aufgrund der Anzeige könne die VR Bank Südpfalz den Schaden über die EURO Kartensysteme GmbH regulieren. Doch auch diese Schadenfälle seien im Verhältnis zu den ausgegebenen Bankkarten eher gering, wenngleich immer für den Betroffenen ärgerlich. „Wir hatten in 2007 insgesamt 13 Schadensfälle mit der VR-Bankcard. Bis Mitte April sind uns lediglich drei Schadensfälle angezeigt wurden. Aktuell haben wir 60.690 Bankcards ausgegeben", berichtet Bösser.

Infos:

www.kartensicherheit.de