Shoppingtour mit Tochter

Es war ein schöner Samstagmorgen und meine Tochter und ich hatten gerade gefrühstückt, als mir die Idee kam, dass wir doch heute in die Stadt gehen könnten. „Lea, wollen wir nicht zusammen ein bisschen bummeln?“, schlug ich vor. Doch meine Tochter meinte: „Ach nö Mama, lass mal, ich habe heute irgendwie nicht so richtig Lust zum Shoppen und außerdem muss ich für die Mathearbeit am Montag lernen.“ „Ach komm schon, du kannst doch auch noch später lernen, du bist doch sowieso gut in Mathe“, meinte ich. Ein Ausflug in die Stadt würde ihr bestimmt ganz gut tun. Das schien sie zu überzeugen: „Na gut, ich komme mit“. So ganz glücklich klang Lea nicht dabei, weil sie wahrscheinlich die Schule im Kopf hatte. Doch wenn wir erst mal ein Boutique betreten haben würden, würde die schlechte Laune schon verfliegen. Für junge Mädchen gibt es doch nichts Schöneres als neue Kleidung.

Eine dreiviertel Stunde später befanden wir uns in der Stadt und ich hatte ein Geschäft gesehen, das von außen nicht schlecht aussah. Drinnen fiel mit sofort ein schöner Rollkragenpulli ins Auge und ich meinte zu Lea: „Schau mal, das Oberteil da, das ist doch toll!“ „Nee Mama, das gefällt mir nicht, aber schau dir doch mal diesen Pulli an, der gefällt mir“. Sie deutete auf einen blauen Pulli mit V-Ausschnitt, der meinem Erachten nach zu tief war. So konnte sie doch nicht rumlaufen: „Quatsch, mit so einem tiefen Ausschnitt kannst du dich nicht sehen lassen.“ Doch Lea protestierte: „Ach Mama, so tief ist der doch gar nicht!“ Manchmal frage ich mich, was in ihr vorgeht. Sie ist doch erst 13 und so etwas kann man doch in dem Alter noch nicht anziehen: „Doch ich finde schon. Probier doch einfach mal den Rollkragen an.“ Sie nahm den Pulli und lief in Richtung Kabine. Warum stellte sie sich immer so stur? Der Pullover ist doch schön. Dann ging ich ebenfalls zu den Kabinen und sagte: „ Lea, komm mal raus. Ich möchte sehen, wie der Pulli dir steht.“ Der Vorhang öffnete sich und meine Tochter kam heraus. „Also er steht dir wirklich gut!“ Doch dieser Meinung war sie anscheinend nicht. Lea sollte sich nicht so anstellen, dachte ich schon leicht genervt. „Aber was ist mit dem Blauen?“, fragte sie hoffnungsvoll. Hatte ich ihr das nicht schon gesagt? „Du hast meine Meinung dazu schon gehört.“ Ich hoffte, dass damit die Diskussion beendet war und versuchte sie abzulenken. „Ach ja Lea, mir ist gerade eingefallen, dass du noch Unterwäsche brauchst. Du hast doch vor ein paar Tagen gesagt, dir passt vieles nicht mehr.“ Doch sie antwortete erst einmal nicht, sondern blickte kurz an mir vorbei und schaute noch mürrischer drein. „Nee Mama, lass mal lieber; ich hab schon noch genug.“ Aber Lea hatte mir doch vor ein paar Tagen erzählt, dass sie neue Unterwäsche bräuchte. Nun verstand ich gar nichts mehr und versuchte die schlechte Laune meiner Tochter zu ignorieren. „Sicher ist sicher, wir können ja mal schauen.“ Ich entdeckte ein paar hübsche lachsfarbene Unterhosen, die mit Spitzen versehen waren und zeigte diese Lea. Doch sie sah mich entsetzt an und brach ihren gerade angefangen Satz „Schau mal, Mama…“ ab. Ich sagte: „Sind die nicht süß?“ Lea schaute mich an, als wäre ich verrückt. „Nein, sowas zieh ich nicht an, das kannst du vergessen! Ich will einfach ein paar normale Unterhosen und keine, die Oma tragen würde!“, schimpfte sie. Ich versuchte sie zu beschwichtigen: „Aber…“, doch Lea unterbrach mich: „ Nein Mama, ich bin 13 Jahre alt und habe keine Lust Omaunterwäsche anzuziehen!“ Anscheinend gefielen ihr die Unterhosen wirklich nicht. Naja, offensichtlich war es tatsächlich nicht in. Bei uns war sowas total in der Mode. „Na gut ich sehe es ein, du willst sie nicht. “ „Du hast es erfasst. Ich hätte gern einfach dieses ganz normale Paar Unterhosen“, meinte sie. „Okay, dann nehmen wir die und den Rollkragenpulli“, schlug ich vor und hoffte, dass ihr dieser Kompromiss entgegenkam. Lea nickte etwas widerwillig und dann gingen wir zur Kasse. Draußen fragte ich, ob sie noch in ein anderes Geschäft wolle, doch sie lehnte ab und so fuhren wir nach Hause. Ich war enttäuscht. Lea verschwand in ihr Zimmer. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Warum muss sie sich immer so stur stellen? Nur um sich von mir abzugrenzen? Ist das so notwendig? Warum sie deshalb so ein Theater veranstalten muss und das noch in der Öffentlichkeit, verstehe ich nicht. Und außerdem: Der Pulli war doch wirklich schön.

Paulina Ambs

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