Shoppingtour mit Mutter

Meine Mutter und ich, wir verstehen uns eigentlich prima. Nur in einer Sache sind wir uns so gut wie nie einig: Klamotten. Deshalb mag ich es auch nicht, mit meiner Mutter shoppen zu gehen. Doch das versteht sie einfach nicht und manchmal glaube ich, dass sie es gar nicht verstehen will.

Wie zum Beispiel am letzten Samstag. Wir hatten gemeinsam gefrühstückt, als mich meine Mutter gut gelaunt fragte: „Lea, wollen wir nicht zusammen ein bisschen bummeln?“ „Ach nö Mama, lass mal, ich habe heute irgendwie nicht so richtig Lust zum Shoppen und außerdem muss ich noch für die Mathearbeit am Montag lernen“, sagte ich. Doch es half nichts. „Ach komm schon. Du kannst doch auch noch später lernen, du bist doch sowieso so gut in Mathe“, meinte sie. Das stimmte. Damit war meine sowieso schlechte Ausrede dahin und mir blieb wohl nichts anderes übrig. „Na gut“, seufzte ich, „ ich komme mit“. Eine dreiviertel Stunde später befanden wir uns mitten in der Fußgängerzone und meine Mutter hatte schon eine Boutique entdeckt. Wenigstens von außen sah sie mal nicht schlecht aus. Drinnen schauten wir uns um und meine Mutter sagte zu mir: „Schau mal das Oberteil da, das ist doch toll!“ Ich folgte ihrem Blick und sah einen rot, schwarz, weiß gestreiften Rollkragenpulli. Er war schrecklich. „Nee Mama, das gefällt mir nicht, aber schau dir doch mal diesen Pulli an, der gefällt mir.“ Ich deutete auf einen blauen Pullover mit V-Ausschnitt. „Quatsch, mit so einem tiefen Ausschnitt kannst du dich nicht sehen lassen“, meinte meine Mutter. „Ach Mama, so tief ist der doch gar nicht“, protestierte ich. „Doch ich finde schon. Probier doch einfach mal den Rollkragen an.“ Also trottete ich in eine Kabine und zog diesen grauenhaften Pullover an. Ich bereute es wirklich, dass ich nicht zu Hause geblieben war. Wie erwartet, war der Pulli einfach schrecklich. Draußen hörte ich die Stimme meiner Mutter: “Lea, komm mal raus. Ich möchte sehen, wie der Pulli dir steht.“ Ich zog den Vorhang zurück und trat aus der Kabine. „Er steht dir wirklich gut!“, freute sie sich. „Also ich finde nicht, dass er besonders hübsch ist…“, meinte ich. Und das war noch milde ausgedrückt. Doch meine Mutter ignorierte meinen Einwand einfach. So fragte ich hoffnungsvoll: „Und was ist mit dem Blauen?“ „Du hast meine Meinung dazu schon gehört.“ Das hieß also: Nein. War ja klar. „Ach ja Lea, mir ist gerade eingefallen, dass du noch Unterwäsche brauchst. Du hast doch vor ein paar Tagen gesagt, dir passt vieles nicht mehr.“ Oh nein, gerade als meine Mutter den Satz beendet hatte, bemerkte ich ein paar Jungs aus meiner Klasse. Sie standen ein wenig versteckt hinter einem Regal und nach ihren Mienen zu schließen, hatten sie das ganze Gespräch mitbekommen. Na toll, jetzt konnte ich mir am Montag ihre Sticheleinen anhören. Die Jungs grinsten mich doof an und verließen dann lachend den Laden. Wie peinlich, doch jetzt war es zu spät, also antwortete ich meiner Mutter: „Nee Mama, lass mal lieber; ich hab schon noch genug.“ „Sicher ist sicher, wir können ja mal schauen“, meinte sie. Mein Blick fiel auf ein paar normale, schwarze Unterhosen. Jedoch stand meine Mutter vor mir mit einem Paar - wie es aussah - Omaunterhosen. Sie waren lachsfarben und hatten Spitzen. „Sind die nicht süß?“, meinte meine Mutter. „Nein, sowas zieh ich nicht an, das kannst du vergessen! Ich will einfach ein paar normale Unterhosen und keine, die Oma tragen würde!“ Langsam wurde ich echt wütend, verstand sie denn nicht, dass ich sowas nicht anziehe? „Aber…“, setzte sie an. Doch ich unterbrach sie. „Nein Mama, ich bin 13 Jahre alt und habe keine Lust, Omaunterwäsche anzuziehen. „Na gut ich sehe es ein, du willst sie nicht, “ sagte meine Mutter. „Du hast es erfasst. Ich hätte gern einfach dieses ganz normale Paar Unterhosen“, meinte ich. „Okay, dann nehmen wir die und den Rollkragenpulli.“ Ach ja richtig, der Rollkragenpulli. Den hatte ich ja ganz vergessen und daran war nur diese blöde Spitzenunterhose schuld. Doch ich war mir sicher, dass ich den Rollkragenpullover nicht auch noch durch den blauen Pulli ersetzen konnte. Also nickte ich widerwillig und so gingen wir zur Kasse und bezahlten. Meine Mutter fragte mich, ob ich noch in ein anderes Geschäft wolle, aber ich hatte keine Lust mehr auf so eine weitere peinliche Aktion und deshalb verneinte ich. Also fuhren wir zurück und als wir wieder zu Hause angekommen waren, verzog ich mich in mein Zimmer und rief meine beste Freundin Marie an. Als sie sich meldete war mein erster Satz: „Hallo Marie, weißt du was? Ich habe beschlossen nie wieder mit meiner Mutter shoppen zu gehen!“

Paulina Ambs

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