Schüler diskutieren über Afghanistan-Einsatz

Afghanistan – sinnvoller Einsatz oder endloses Fiasko? Darüber diskutierten Schüler, Erwachsene und zwei hochkarätige Referenten am 28. Januar 2010 in der Aula des Neustadter Leibniz-Gymnasiums. Es war die erste Veranstaltung der Politik-AG des Gymnasiums, die gleich souverän gelang.

Die Arbeitsgemeinschaft besteht erst seit Sommer 2009 und setzt sich aus circa 20 Schülern zusammen unter der Leitung von Studienrat Marc Weigel. Zu der öffentlichen Veranstaltung kamen rund 160 Interessierte. Erfreulicherweise waren zwei Drittel davon Schüler. Hans-Günther Albrecht, Kriminalhauptkommissar bei der Kripo Neustadt und Hauptmann Thomas Möbius vom 1. Spezialpionierbataillon 464 in Speyer stellten sich als Referenten und Diskussionspartner zur Verfügung. Die Moderation, die Technik und Logistik des Abends übernahmen Schüler der AG. Mit einem kurzen Abriss zur jüngeren Geschichte Afghanistans und der heutigen Sicherheits- wie auch Wirtschaftslage leiteten die Schüler das Thema ein.

Hauptmann Möbius war mehrfach zu längeren Einsätzen im Auftrag der Bundeswehr in Afghanistan. In seinem Vortrag schilderte er anschaulich die Aufgaben, die an seine Kompanie gestellt sind. Er und seine Soldaten sind verantwortlich für die so genannten Hausmeisterarbeiten eines Lagers, angefangen bei der Lagerarchitektur über den Aufbau und der technischen Instandhaltung. Die Einheit Speyer wechselt sich bei der Erfüllung dieser wichtigen Arbeit mit einer weiteren Einheit in Husum ab. Sowohl die Hygienevorschriften als auch die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser gehören zu den wichtigen Aufgabenbereichen der Einheit. Und das ist keine leichte Aufgabe, wie Möbius darlegte. Die Wasserversorgung in Afghanistan ist sehr schlecht. Nahezu das gesamte Trinkwasser muss eingeflogen werden. Nur über Brunnen und Wasseraufbereitungsanlagen gelangen die stationierten Kräfte an einen kleinen Teil des notwendigen Wassers. Zum Thema Sicherheit der Lager zeigte der Hauptmann einige Fotos und referierte erstaunlich emotionslos über die Gefahren, mit denen sich die Soldaten täglich auseinandersetzen müssen. Möbius verschaffte den Anwesenden einen realistischen Einblick in das Leben eines Soldaten.

Hans-Günther Albrecht ist seit 34 Jahre Polizist, davon 13 Jahre bei der Kriminalpolizei Neustadt. Albrecht arbeitete sechs Jahre für die GSG9, eine Sondereinheit, die zur Terrorbekämpfung in den 70er Jahren in Deutschland gegründet wurde. Albrecht verfügt über eine große Auslandserfahrung in Krisengebieten. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre verbrachte er 16 Monate in Afghanistan. In seinem Vortrag berichtete er hauptsächlich über das Land an sich und über die heutige Situation. Dazu zeigte er eine Vielzahl von sehr eindrücklichen Fotografien. Seine Tätigkeit dort war vor allem das Ausbilden afghanischer Polizeikräfte, was sich oftmals als sehr schwierig erwies, da circa 70 Prozent der Afghanen Analphabeten sind. Albrecht erzählte mit großem Respekt von den Menschen, die er in dem Land antraf. Er war sichtlich beeindruckt von der Lebensfreude der Menschen, die trotz wirtschaftlicher Not mit einem Lächeln Gastfreundschaft gewähren. Mit schockierenden Bildern verdeutlichte er die prekäre Gefahrenlage, die er auch selbst erfahren musste. Ein Dilemma in der Präsenz ausländischer Kräfte liegt nach Meinung Albrechts darin, dass die ausländischen Helfer nicht auf die wirklichen Bedürfnisse der Afghanen eingehen, sondern ihre Hilfe am Bedarf der Einheimischen vorbeiplanen.

Als Fazit betonten beide Referenten: „Wir stehen noch relativ am Anfang und der Einsatz wird noch Jahre nötig sein!“
Marvin Brand

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