Schlaflos mit Schuh

Was meinte es der Wettergott gut mit der Nachtwanderergruppe der Interessengemeinschaft Mountainbike Lambrechter Tal. Bestes Wanderwetter war gemeldet und der Trupp der mutigen Sieben traf sich in Hauenstein, um die Strecke nach Weißenburg zurückzulegen. Die Streckendaten versprachen rund 40 Kilometer und 1.000 Höhenmeter auf dem Weg nach Süden, der schon direkt nach dem Bahnhof über den Schusterpfad auf die ersten Felsen des Dahner Felsenlandes führte. Ein herrlicher Ausblick! Allen wurden jedoch klar: Einfach würde das nicht.

In den vergangenen Jahren war die einmal jährlich stattfindende Wanderung zu Beginn geprägt von der Jagd nach dem Sonnenuntergang. In diesem Jahr konnte sich die Gruppe dahingehend  - leider - entspannen, denn eine Wolkenbank verhinderte das flammende Spiel am Abendhimmel. Stattdessen war der Mond schon bei der Abendrast und in der Nacht ein ständiger Begleiter. Teilweise schien er so hell, dass in offenem Gelände die mitgeführten Stirn- und Taschenlampen ausgeschaltet werden konnten. Eine Überraschung erfuhr eine Kindergartengruppe, die sich auf ihrer Nachtwanderung befand, als eben jene Truppe von bepackten Wanderern inklusive Hund aus der Nacht auftauchte. Ob sie wohl in die Gruselgeschichten der Kinder passten, die zu dieser Gelegenheit gerne erzählt werden?
Einige Kilometer und Höhenmeter weiter wäre es Zeit für eine Pause. Und plötzlich: „Da brennt noch Licht. Ob die noch offen haben?“ Das Gasthaus Zur Krone in Darstein versprach kurz vor Mitternacht ob der Stimmen aus dem Gastraum noch eine Einkehrmöglichkeit. Kurzzeitig wurde es still an der Theke, als die Wandergruppe einläuft, doch der Wirt reagierte prompt und die Rieslingschorle stand schnell auf dem Tisch. Und wie unter Pfälzer üblich, kam man schnell ins Gespräch. Nach der willkommenen kleinen Rast gint es weiter durch die Nacht. Der Guide, der sich in all den Jahren bereits als besonders verlässlich gezeigt hat, fand auch bei dieser Wanderung zielsicher die wichtigen Wegepunkte. Als Rastplatz für einen unruhigen Schlaf musste ein Wartehäuschen an der Bushaltestelle herhalten. Gegenüber machten es sich zwei Mitwanderer auf den leeren Stühlen eines Biergartens bequem. Um vier Uhr morgens ist die fehlende Bedienung kein Wunder.

Der Schlussabschnitt führte zum höchsten Punkt Hohe Derst. Der lange Anstieg vertreibt schnell die Kälte aus den Muskeln. Die Dämmerung bricht an, als die Nachtwanderer den Mundatwald erreichten. Ab jetzt ging es bergab in Richtung Schweigen-Rechtenbach. Füße und Gelenke schmerzten bei dem einen oder anderen, aber die Aussicht auf ein Frühstück in der Morgensonne trieb vorwärts. Der freundliche Empfang im Schweigener Hof und ein Frühstück im Freien in der Sonne läuten fast der Abschluss der Tour ein. Es fehlen lediglich noch 2,5 Kilometer zum Bahnhof nach Weißenburg, um dann per Zug zurück nach Lambrecht zu gelangen. Von der Rückfahrt haben die müden Wanderer nicht so viel mitbekommen. Die Augen waren mindestens so schwer wie die Füße.
 

Magazin