Plädoyer für den eigenen Geschmack

Bei der Planung von neuem Wohnraum oder der Veränderung des Raumes zu den eigenen vier Wänden gibt der Markt alle Möglichkeiten. Und genau das ist für die meisten Bauherren fatal. Die Entscheidung fällt schwer oder wird sogar unmöglich. Am Ende ist nicht selten das Gefühl vorhanden, nicht alles
ausgeschöpft zu haben. Das Angebot im Bereich Ausstatten und Einrichten ist überwältigend – und überwältigt in der Tat häufig die eigenen Wünsche, Bedürfnisse, den eigenen Stil. Falls überhaupt vorhanden.
Ein Stilmix findet statt, der zu einem unübersichtlichen Wirrwarr gerät, Kompromisse werden geschlossen oder das eigene Leben mit all seinen Angewohnheiten in das schöne Haus aus dem Katalog gesteckt. Das ist als Vorlage eins zu eins kopiert worden. Weil es ja schön ist und offensichtlich machbar. Nur nicht eben meines. Auf der Suche nach Perfektion wird das Gefühl der inneren Harmonie allzu oft außer Acht gelassen. Ob etwas stimmig ist, also für den Wohnenden passend, hat selten etwas mit dem fremdbestimmten Begriff der Perfektion zu tun. Aber auf die Harmonie, auf die individuell entsprechende
Genauigkeit kommt es an. Trends, Moden und Designer können nur unterstützend wirken.

Den eigentlichen Bauplan sollte immer der Mensch als Bewohner vorgeben. Und da kommt eine nächste schwere Hürde ins Spiel. Das sind die vielen selbst ernannten Experten aus dem näheren Umfeld des Entscheiders, die die eigenen Vorstellungen zu verwässern drohen. Damit sind nicht die guten Ratschläge
zur Umschiffung von kostenintensiven Pannen gemeint, sondern diejenigen, die dem Planer das
aufzwingen wollen, was sie selbst schön finden, oder als einzig möglich präsentablen Rahmen erachten.
Nicht jeder verfügt über viel Fantasie oder ein ausgeprägtes Vorstellungsvermögen. Hilfreich für den Architekten sind übrigens ganz andere Informationen. Möglichst detailliert sollte aufgeführt werden, wie die Gewohnheiten des Tagesablaufs sind, wer wie viel Raum benötigt, welche Hobbys und Vorlieben zu Hause realisiert werden sollen. 
Wo ist im Allgemeinen der Kommunikationsmittelpunkt der Bewohner des Hauses? Am Kamin, am Küchentisch, vor dem Fernseher? Muss ein separater Essplatz her, wenn ja, für wie viele Personen? Ist Bad gleich Wellnessoase – oder eher Nasszelle? Soll die Gestaltung eher puristisch- spartanisch sein, oder liegt der Schwerpunkt auf verspielt bis Barock? Lichtdurchflutete
große Räume oder verwinkelte Kuschelecken? Aus diesen Informationen und der Bestimmung
des Gestaltungstyps wird ein professioneller Plan entwickelt, der von den Bauherren nach Absprache
mit dem beauftragten Architekten ausgearbeitet wird. In enger Abstimmung wird schlussendlich
für den späteren Bewohner gebaut. Zum Wohlfühlen und Leben nach individuellen Wünschen
 

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