Mehr Durchlässigkeit zu höheren Bildungsabschlüssen

Eine neue Chance: Realschule Plus

Als vor einem Jahr die neue Schulform der Realschule Plus an den Start ging, war eines ihrer großen Ziele, durch das neue System Schülern und Schülerinnen bessere Aufstiegsmöglichkeiten und die Chance zu höheren Bildungsabschlüssen zu bieten. In der integrativen Form der Realschule Plus bleiben die Schüler zusammen im Klassenverband und werden nur in einzelnen Fächern in verschiedene Kurse eingeteilt. Somit bleibt lange offen, ob der Abschluss der Berufsreife oder der Mittlere Schulabschluss erworben werden kann.

In der kooperativen Realschule Plus werden die Jugendlichen zwar ab der siebten Klassenstufe in abschlussbezogene Klassen eingeteilt, doch auch hier bleibt die Durchlässigkeit der beiden Bildungsgänge, insbesondere nach oben, lange bestehen. Für das Schuljahr 2011/2012 soll nun mit der Einrichtung von Fachoberschulen an einigen Realschulen Plus ein weiterer Schritt in Richtung größerer Durchlässigkeit zu höheren Bildungsabschlüssen getan werden. Die Fachoberschule ist ein zweijähriger Bildungsgang mit praktischer Orientierung. In Rheinland-Pfalz werden die Fachrichtungen Wirtschaft und Verwaltung, Gesundheit und Technik mit den Schwerpunkten Metalltechnik und Technischer Informatik angeboten. Je nach gewählter Fachrichtung absolvieren die Schüler in der elften Klasse jeweils an drei Tagen der Woche ein Praktikum in einem Betrieb oder in einer sozialen oder öffentlichen Einrichtung. Die restlichen Stunden und das gesamte zwölfte Schuljahr besuchen sie den Unterricht.

Mit dem Erwerb der Fachhochschulreife eröffnen sich nach der zwölften Klasse weitere Perspektiven. Die Schüler können nach dem erfolgreichen Abschluss der Fachoberschule ein Studium an der Fachhochschule beginnen oder eine qualifizierte Berufsausbildung aufnehmen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, auf die Berufsoberschule zu wechseln und in einem weiteren Schuljahr die allgemeine Hochschulreife zu erwerben und somit in 13 Jahren zu einem Abitur zu gelangen, welches dem des Gymnasiums gleichwertig ist. Um die Fachoberschule besuchen zu können, müssen die Schüler einen erfolgreichen Abschluss der zehnten Klasse mit einem Notendurchschnitt von mindestens 3,0 nachweisen. Dabei darf keines der Fächer Deutsch, erste Fremdsprache oder Mathematik schlechter als ausreichend bewertet sein. In der Pfalz ist für einige Realschulen Plus wie in Edenkoben, Bad Bergzabern und Haßloch eine Fachoberschule geplant. An allen drei Standorten soll die Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung angeboten werden. In Bad Bergzabern soll zusätzlich eine Klasse in der Fachrichtung Gesundheit unterrichtet werden, da in der Region viele Betriebe des Gesundheitswesens ansässig sind. An der Berufsbildenden Schule in Annweiler soll zum Schuljahr 2011/2012 der Bildungsgang Sozialassistenz angeboten werden. In zwei Jahren können die Schüler an der Höheren Berufsfachschule den beruflichen Abschluss Staatlich geprüfter Sozialassistent und gleichzeitig die Fachhochschulreife erhalten. Im Jahr 2013 werden die ersten Schülerinnen und Schüler mit dem Fachabitur in der Tasche die Fachoberschulen verlassen. Ob wirklich hinreichend Bedarf an den Fachoberschulen als Alternative zum Gymnasium besteht und wie der Abschluss von Wirtschaft und Gesellschaft angenommen wird, wird sich zeigen.

Nadine Baumann