Lol! oder :-) ? … das Internet spricht in Rätseln

Kryptische Kürzel in E-Mails und SMS sind heute weit verbreitet. Ein angehängtes :-I beispielsweise soll Gleichgültigkeit ausdrücken, ;-) steht für ein Augenzwinkern. Schwierig macht die putzigen Bildchen, dass man nicht immer weiß, was sie bedeuten sollen. Noch dazu zwingen sie manchen Computernutzer zu seltsamen Verrenkungen…

Ungeübten bleibt beim Entziffern der Smilies oder auch Emoticons genannten Satzanhängsel oft nichts anderes übrig, als den Kopf auf die linke Schulter zu legen. Bedingt durch unsere von links nach rechts verlaufende Schriftsprache kommen nämlich auch die lustigen Zeichen in der Horizontalen daher, weshalb die kleine Nackenübung beim Lesen unausweichlich wird. Gerade auf der Arbeitsstelle sorgt dies zuweilen für Besorgnis, wenn der gegenübersitzende Kollege augenscheinlich immer wieder unter linksseitiger Nackenstarre zu leiden scheint. Hierfür gibt es freilich einen Ausweg: Seine privaten E-Mails kann man ja auch auf dem Smartphone lesen, das sich infolge seiner filigranen Größe leicht in den Händen drehen lässt – während der Kopf bequem in der Vertikalen verbleibt.

Ungewollte Nackengymnastik lässt sich mit solch einem handlichen Gerät also vermeiden, wohingegen ein anders Problem noch immer nicht gelöst ist: Die Phantasie der Absender ist häufig so groß, dass sich die Bedeutung eines Emoticons selbst dann nicht erschließt, wenn man es mit zusammengekniffenen Lidern zu entziffern versucht. @>-->-- beispielsweise könnte für die einen durchaus ein geheimnisvolles Straßenschild darstellen. Was aber nicht zutrifft: Den Experten des Genres zufolge soll es sich hierbei um eine liegende Rose handeln…

Entrinnen können wir dem um sich greifenden Trend wohl nicht. Stattdessen sollten wir uns darauf einstellen, dass die neue Form der Stenographie noch weitere Blüten treibt. So könnten schon in wenigen Jahren Bewerbungsschreiben völlig anders aussehen. „§-) pp T+ vg rumian“ beispielsweise ist nicht etwa das Ergebnis einer auf die Tastatur gefallenen Kaffeetasse, sondern der Geschäftsbrief von morgen: Ich habe mein Jurastudium abgeschlossen „(§-)“, hatte danach persönliches Pech („pp“), denke aber weiterhin positiv („T+“). Viele Grüße („vg“), bitte rufen Sie mich an („rumian“).

Lachen im Internet heißt übrigens „lol“. Das steht für „laughing out loud“ und könnte, bedingt durch tagtägliche Hektik und allgemeine Zeitnot, auch im analogen Kontakt mit Menschen Bedeutung gewinnen. Statt unsere kostbare Zeit durch Kichern zu verschwenden, würde ein kurz ausgerufenes lol ! dem Partner auch ohne Zeitverlust anzeigen, dass man den Witz mit der Kuh und der Scheune richtig gut findet… (rr)

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