Keine Lust auf mehr Gebühren

Erst kürzlich bekamen die öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehanstalten von höchster Stelle versichert, dass ihre Leistung einen weiteren Griff in die Gebührenzahlerkassen rechtfertige. Mit den Rundfunkgebühren wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland finanziert – das sind alle Sender und Programme der ARD, des ZDF und des Deutschlandradios. Nicht alle Gebühren landen bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten.

Ein Teil wird auch zur Finanzierung des Verwaltungsapparates der Aufsichtsbehörden für den privaten Rundfunk, der Landesmedienanstalten, verwendet. Ein weiterer Teil wandert in die Filmförderung. Auch die Gebühreneinzugszentrale (GEZ), die die Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender einzieht, wird darüber finanziert. Bereits jetzt kassieren sie über sieben Milliarden Gebührengelder. SIEBEN MILLIARDEN. Oder anders ausgedrückt: 7.000.000.000 Euro. Das gesamte Gebührenaufkommen lag 2006 bei rund 7,2 Milliarden Euro, 163 Millionen Euro mehr als noch 2005.
Für was? Dafür dass Herr Gottschalk mit Herrn Bohlen und Bobbelche Mark Medlock im Gefolge nach Mallorca fahren darf, um dort für einige andere Selbstdarsteller Publicity machen zu dürfen? Auf Kosten der Gebührenzahler. Natürlich. Oder diese unsäglichen Polittalks, die nur von sechs Prozent der unter 49jährigen eingeschaltet werden. In diesen politischen Gesprächsrunden wird nichts geklärt oder sogar erklärt. Dort werben Politiker für sich und ihre Partei.

Zur Erinnerung: Die Kosten für die Werbeshows treibt die GEZ ein. Der finanzielle Produktionsaufwand für die nachmittäglichen Soaps dürfte nicht hoch sein. Das Niveau ist es jedenfalls nicht. Wie hoch liegt der Zuschaueranteil von arte, 3sat, phoenix und kika? Liegt er im Rahmen der Kosten und ist er vertretbar? Nein. In der Summe haben die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten durchschnittlich einen Zuschaueranteil von rund 43 Prozent. Jedoch die Kultur- und Nachrichtensparten arte, 3sat, phoenix und kika verbuchen lediglich jeweils ein Prozent des Zuschaueranteils. Herzlich wenig für den Aufwand, der dort getrieben wird. Hier sollte ein Umdenken stattfinden. Sicherlich ist es keine Lösung, in diesen qualitativ wertvollen Sparten das Niveau zu senken. Aber denkbarer Ansatz muss es sein, Qualität attraktiv zu machen. Natürlich benötigen die Nachrichten, Sondersendungen, Korrespondenten, Licht, Technik, Sportübertragungen Geld. Sehen wir uns doch mal das Programm der Radiosender an. SWR 3 mutiert zum Reisesender. Es vergeht kein Tag, an dem nicht mehrfach Reisen verlost werden. Mit Annetta Polliti nach Griechenland. Gern. Aber auf Kosten der Allgemeinheit? Mit Freudenkreischen inklusive?

Wir alle, die wir Gebühren zahlen, sind sicher nicht geizig, wenn es um die Finanzierung eines guten Programms geht. Aber das, was uns zurzeit geboten wird, steht nicht im gerechten Verhältnis zu dem, was die Kosten erahnen lassen. Denn es ist in der Summe viel zu schlecht, teuer produziert, einfallslos und häufig auch lustlos. Und das macht keine Lust auf ein Mehr an Gebühren.

Aufteilung der Rundfunkgebühren

Von 17,03 Euro pro Monat entfallen auf: 
ARD 11,94 Euro  (5,04 Euro Hörfunk, Fernsehen 6,90 Euro gegenüber 11,42 Euro bislang: 4,81 Euro Hörfunk, Fernsehen 6,61 Euro = Steigerung um 0,52 Euro)
ZDF 4,39 Euro  (gegenüber 4,01 Euro bislang = Steigerung um 0,38 Euro)
DeutschlandRadio 0,37 Euro  (gegenüber 0,40 Euro bislang = Kürzung um 0,03 Euro) 
Landesmedienanstalten 0,32 Euro  (unverändert gegenüber den bislang geltenden Rundfunkgebühren) 
3sat, Phoenix und der Kinderkanal werden direkt aus den Haushalten des ZDF und der Landesrundfunkanstalten der ARD finanziert.

Magazin