Im Zeichen wahrer Wohnkultur

Fernweh packte die Gäste des Hauses Hellriegel Textiles Wohnen im Neustadter Weinstraßenzentrum, als sie Ende Februar die Preview des arte Filmes Persien – das Land der Teppichkultur verfolgten. Die Einladung an ausgesuchte Stammkunden des Hauses begleitete einen Jahrestag.

Firmeninhaber Ralf Hellriegel reiste genau dreißig Jahre zuvor gemeinsam mit seinem Vater Erhard, dem ausgewiesenen Sachverständigen für Orientteppiche, nach Persien auf Einkaufstour. Dort angekommen war Ralf Hellriegel so fasziniert von dem Land und seiner Aufgabe, dass er sich entschied, ein Jahr lang im Land der Teppichknüpfkunst zu bleiben. Dort lernte er die Teppiche, ihre Herkunft, Güte, Herstellung und Weiterverarbeitung kennen. Auch lebte und arbeitete er mit den Menschen zusammen und erfuhr so sehr viel über ihre Kultur, ihre Art zu denken und zu arbeiten.
Im Iran traf er Peter Renz, einen Händler aus dem Schwarzwald, der das Land bereiste auf der Suche nach den besten Teppichen für den deutschen Markt. Heute gilt Renz als Experte für Orientteppiche und wird als vereidigter Sachverständiger herangezogen. Er veröffentlichte mehrere Bücher und tritt als Berater für Filmprojekte auf. So auch bei der arte Produktion über die orientalische Knüpfkunst. Der Film zeigt den heutigen Iran, in dem als Mutterland der Knüpftechnik der Orientteppich einen hohen kulturellen Stellenwert hat und ein Zeichen wahrer Wohnkultur ist. Die Grundidee der Teppichgestaltung sind die uralten Muster, deren Bedeutung sogar teils in Vergessenheit zu geraten drohen und nun mit neuen Farben in spielerischer Kreativität aufleben.

Renz führt den Zuschauer an die Stätten der Entstehung der Teppiche. Immer noch sind die jungen Frauen maßgeblich für die Herstellung der wertvollen Teppiche verantwortlich. Lässt sich die Arbeit doch gut mit der Familie verbinden. Die älteren Frauen verfügen nicht mehr über die notwendige Sehstärke, um so feine Muster in der gefragten Knüpfung schaffen zu können. Kinderarbeit gibt es Renz zufolge im Iran nicht. Der Film zeigt die Bedeutung der Muster, ihre Entstehung vom Entwurf bis zur Umsetzung, dem Einkauf der Händler bei den Frauen in den Dörfern und auch den Handel in den Basaren. Dorthin reisen die deutschen Händler – Deutschland ist Haupthandelspartner des Irans für Teppiche – und kaufen ein. Bei den wirklich wertvollen Stücken ist der Spielraum zum Feilschen sehr gering. Dies hat nichts mit dem weitverbreiteten Gebaren gemein, das Touristen in den Zentren bei ihrem Bummel durch die Basare erfahren.

„Auf der Suche nach den wirklich schönen und exklusiven Teppichen kann es passieren, dass man viele Male vergeblich reist, um einmal Glück zu haben. Wir kaufen heute noch ein wie vor 30 und 40 Jahren, denn dann finden wir auch die notwendige Qualität, die eine anspruchsvolle Kundenklientel erwartet“, weiß Renz. Heute ist der Orientteppich wieder auf dem Vormarsch. Auch die jüngere Generation weiß den Wert und die Wohnkultur eines wertvollen Teppichs wieder zu schätzen.

Ralf Hellriegel und seine Frau Jutta stehen in guter Tradition zu den exklusiven Teppichhändlern, die mit liebevoller Wertschätzung des Objekts nur die wirklich besten Stücke zum Verkauf anbieten. Die Ausstellung in den Räumen von Hellriegel Textiles Wohnen birgt edle Objekte und wahre Raritäten. Nach der Vorstellung des Films zeigte Renz einen Seidenteppich, der in achtjähriger Arbeit damals für den Schah von Persien angefertigt wurde. Ein unglaubliches Meisterwerk, was man selten – die meisten von uns nie – zu Gesicht bekommen.

Der Film entführte in eine andere Welt, die uns fremd ist. Doch mehr als das Trennende wurde das Verbindende in den Vordergrund gerückt: die Liebe zum schönen Wohnen mit Wert und Tradition.