FCK ein Pfälzer Mythos

Der FCK hat in der Pfalz einen besonderen Stellenwert. Fast schon glaubt man an einen Mythos, der die Fußballer aus Kaiserslautern umgibt. Chili sprach mit Stefan Kuntz, dem Präsidenten des FC Kaiserlautern.

Chili: Worin liegt die Faszination, die dieser Verein auf seine Anhänger ausübt?

Stefan Kuntz: Der FCK ist ein wichtiger Beststandteil des deutschen Fußballs und zudem hatte er 1954 beim ersten Gewinn der Weltmeisterschaft mit fünf aktiven Spielern eine besondere Rolle gespielt. Der Gewinn des WM-Titels war damals der Beginn des Wiederaufbaus und die Rolle von Fritz Walter und Co. hat natürlich auch bundesweit ausgestrahlt. Die beiden Meisterschaften etwa zur gleichen Zeit haben ihr Übriges getan. Die Wurzeln der Roten Teufel liegen in der gesamten Region. Hier findet der Verein seinen Halt und hat seine Faszination entfaltet. Die Fans, die zum allergrößten Teil am Spieltag aus der gesamten Pfalz und den angrenzenden Bundesländern anreisen, sind der Faustpfand des Clubs und ohne sie hätte der FCK keine Chance im Profifußball zu bestehen.

Mit namhaften Trainer und Spielern und immer wieder Fußballspektakeln und –debakeln wurde auf dem Betze – wie die Fans das Stadion Betzenberg nennen – Geschichte und Geschichten geschrieben. Die Fans leiden und feiern gemeinsam mit ihren Helden. Nach einer jüngeren turbulenten sportlichen und vereinspolitischen Vergangenheit ist die Treue der Fans sicherlich bemerkenswert.

Chili: Warum bleiben die Anhänger Ihrer Meinung nach bei ihrem FCK?

Stefan Kuntz: Sie haben es eigentlich schon gut beschrieben. Der FCK ist mit dieser Region intensiv verwoben und auf vielfältige Art und Weise mit der Geschichte Deutschlands im Allgemeinen und mit vielen Menschen im Speziellen verbunden. Diese Verpflichtung nehmen wir sehr ernst und sind vergleichsweise häufig zum Beispiel in der Vorbereitung in der Region unterwegs. Wir spielen jährlich beim Fantag gegen eine Auswahl unserer Anhänger und treten zu zahlreichen Testspielen überall in der Pfalz und im Saarland an. Diese Verbundenheit und Nähe merken und honorieren die Fans. Um dieses Gefühle zu unterstützen haben wir im letzten Jahr zum Beispiel den Trainingsplatz der Profis und den Fanshop wieder hoch zum Stadion geholt. Dort auf dem Betze ist der FCK zu Hause und dort spielt sich das Leben des Vereins und der Fans ab.

Chili: Wie passt das Pfälzer Selbstgefühl zum FCK?

Stefan Kuntz: Sehr gut, wie ich finde. Der Pfälzer ist hochemotional, direkt und gerade heraus. Wir wollen leidenschaftlichen und kämpferischen Fußball spielen, alles geben und zielstrebig auftreten. Unser Trainer Marco Kurz hat es schön formuliert: Wir wollen ehrlichen Fußball spielen und eine Mannschaft formen, der man anmerkt, dass sie immer gewinnen will. Das passt zur Region und genau das wollen die Menschen hier auch sehen und spüren.

Wir haben über bewegte und bewegende Momente gesprochen. Das Auf und Ab hat sicherlich nicht nur Vorteile.

Chili: Was tun Sie, um in ein ruhiges Fahrwasser zu kommen?

Stefan Kuntz: Unser Ziel ist es, den FCK nachhaltig professionell und wettbewerbsfähig aufzustellen. Aktuell haben wir unsere Website in Bundesligaqualität neu aufgestellt und in Zusammenarbeit mit unserem Partner Engelhorn auch unseren Onlineshop erstligareif gemacht. Zum Stadionfest haben wir unseren Kinderclub „Teufelsbande“ samt Maskottchen präsentiert und viel positives Feedback erhalten. Mit der „Teufelsbande“ sind nun die Voraussetzungen geschaffen, um unsere jungen Anhänger stärker in den Verein zu integrieren. Darüberhinaus haben wir unsere Medien- und Öffentlichkeitsarbeit neu strukturiert und auf professionelle Beine gestellt, damit unsere Aktivitäten auch adäquat in den Medien und der breiten Öffentlichkeit dargestellt werden. Zudem wurden viele vorher an externe Dienstleister oder Agenturen vergebene Aufgaben wieder zurück in den Verein geholt, damit wir das Knowhow bei uns im Team haben.

Chili: Wie sehen die sportlichen Ziele aus und wie die finanziellen Ziele? Und vor allem: Wie wollen Sie diese erreichen?

Stefan Kuntz: Wir haben wirtschaftlich noch immer unter der Vergangenheit zu leiden und es liegt noch ein langer Weg vor uns. Hierzu haben wir zum Beispiel im Bereich Kostenmanagement alle Ausgaben soweit heruntergedrückt, dass wir keinerlei Spielraum mehr haben. Das Limit ist erreicht. Das wichtigste Thema ist allerdings eine Lösung in der Frage der Stadionmiete und der Betriebskosten. Diesen Nachteil von zwei bis drei Millionen Euro jährlich könnten wir besser in die Mannschaft investieren, um dann mit breiter Brust sagen zu können: Dieses Jahr wollen wir aufsteigen. Dieses sportliche Ziel können wir mit unseren finanziellen Mitteln im Augenblick realistisch nicht ausgeben. Wir wollen eine ähnlich gute Rolle wie in der vergangenen Saison spielen und oben mit dabei sein.

Chili: Was sind Ihre persönlichen Pläne beim Pfälzer Traditionsverein?

Stefan Kuntz: Ich bin beim FCK angetreten, um den Club zurück in die Bundesliga zu führen. Dies ist und bleibt das mittelfristige Ziel und hierzu bündeln wir alle Kräfte.

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