Elsa Ungeheuer

Die Brüder Lorenz und Karl wachsen in einem kleinen Dorf in der Oberpfalz auf. Sie sind zehn und acht Jahre alt, als sich die Mutter das Leben nimmt. Kurz darauf tritt die zwölfjährige Elsa in das Leben der Jungen. Sie wurde von ihrer Mutter verlassen, die lieber auf Weltreise geht. Aufsässig, unangepasst und renitent versucht das Mädchen, seinem Kummer Herr zu werden. Ihre unorthodoxe Art der Stärke fasziniert die beiden Jungen, die sich auf ihre Weise für Elsa interessieren. 

Der beliebte Lorenz, der von der Sonne geküsst scheint, misst sich an ihr und findet an Elsa eine gleichwertige Gegnerin und Verbündete. Für Karl, der als dickes Kind der Häme der anderen ausgesetzt ist, ist Elsa vollkommen und folgt ihr ohne Widerrede. 

Die Welt der Kinder ist niemals heil, auch wenn die Autorin Astrid Rosenfeld den Leser mit sprachlicher Leichtigkeit ab und an in dem Schein lässt. Der Sommer am See, das liebevolle Bemühen der Haushälterin und des Permanentbewohners des Hotels Herr Murmelstein – genannt Murmeltier – stehen dem Alkoholismus des Vaters der Jungen und dem sexuellen Missbrauch Elsas durch den Onkel entgegen. Die verzweifelte Welt der Erwachsenen führt die Kinder an „das Ende der Welt“. Diese Tiefen hinterlassen Wunden in den Seelen, die niemals heilen werden. 

Dann verschwindet Elsa aus dem Leben der beiden Brüder. Die beiden Jungen gehen auf unterschiedliche Art mit dem weiteren Verlust um. Jahre später versucht Lorenz als Maler die Momente der Ewigkeit zu fangen und will einschneidenden Eindrücke seiner Kindheit zusammenführen und in einem Bild festhalten. Dabei gerät er in die Mühlen der geldgierigen, korrupten und eitlen Kunstszene. Karl versucht seinen Bruder zu schützen, was ihn wiederum seine eigene Lebensgestaltung und alle Kraft kostet. Er – der gute Mensch, der er versucht zu sein - zerbricht beinahe an dieser Aufgabe. Erst als er Elsa in Amerika aufsucht, findet er den Schlüssel zu seiner und seines Bruders Geschichte.

Elsa ungeheuer ist Astrid Rosenfelds zweites Buch. Ihr erstes Buch Adams Erbe kam vor zwei Jahren auf die Longlist des Deutschen Buchpreises, also unter die besten zwanzig deutschsprachigen Bücher. Astrid Rosenfeld wurde 1977 in Köln geboren, hat eine Weile in Kalifornien gelebt, arbeitete in diversen Jobs in der Filmbranche, unter anderem als Casterin. Jetzt ist sie freie Autorin und wohnt in Berlin.

Elsa ungeheuer
Astrid Rosenfeld
Diogenes
ISBN978-3-257-86226-3

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