Eine Reise ins Roero

Pfirsichbäume, Haselnusssträucher, Reben und Weinberge sind für den Pfälzer alte Bekannte. Stellt man sich diese Pflanzen kreuz und quer auf Hügeln vor, setzt man Backsteinhäuser dazu, verbunden durch enge Sträßchen, hin und wieder ein schönes Café, hier und da ein Schloss, und legt man über das gerade im Kopf entstandene Bild die hellen Strahlen einer starken, wärmenden Sonne, dann ist man im Roero, Piemont, Italien. Benvenuto nel Roero, in Canale!

Pfälzer Besuch ist für Ende Mai angekündigt. Eine Delegation aus Tourismusbeauftragten, Winzern und Köchen aus der Region Neustadt und Deidesheim reisen in die Partnerregion Roero. Nach dem ersten Eindruck der Pfälzer Mannschaft im Roero wurden sie Samstagmittag an den Tisch im Ristorante dall'Enoteca gebeten und von Davide Palluda bekocht, um seine kulinarischen Kunstwerke zu probieren. Mit dem Dessert kam auch Davide Palluda selbst aus der Küche und die Gespräche drehten sich um Wein und die Kunst des Kochens. Stefan Neugebauer, bekannter Koch des Schwarzen Hahns im Deidesheimer Hof ist mit Leib und Seele beim Kosten dabei. Gegenseitige Eindrücke über Roero und Pfalz wurden ausgetauscht – wichtig ist den beiden Köchen, über Grenzen zu schauen und dabei die typischen Gerichte in den jeweiligen Regionen zu lassen. Neue Eindrücke, Erfahrungen, Ideen und Inspiration sollen mitgenommen und zu Hause verarbeitet werden. Dabei spielt die neue Interpretation der traditionellen Küche im Spiel mit dem Wein eine wichtige Rolle, denn er erweckt mit den unterschiedlichsten Aromen die Inspiration für neue Gerichte.
Später kommen die Feinheiten dazu: Gerüche erkennen, Aromen wahrnehmen, riechen, schmecken, mit Augen, Nase und Mund das Gericht, vervollständigt durch den Wein, wahrnehmen, annehmen und dann: genießen. Zelebrieren. Genuss zelebrieren. Anfangs klingt es fremd. Sich aber bewusst machen, was man isst, was man trinkt, dann isst man nicht nur, dann trinkt man nicht nur – man genießt und kostet Geheimnisse.

Die Pfälzer lernten während ihres Besuchs bei den Winzern des Roeros viel über die Weine der Region.

Arneis ist der typische Weißwein des Roeros und eine sehr alte Rebsorte. Der Stil des Nordens war den Winzern hier Vorbild. Sie wollten den Stil kopieren und einen frischen Weißwein schaffen. Das war vor 25 bis 30 Jahren. Mittlerweile haben die Winzer ihre eigene Arneistraube kennengelernt und arbeiten gezielt die Feinheiten und Charakteristiken heraus.
Die Neugier der Italiener auf die Pfalz ist spürbar und genauso wissbegierig sind die Pfälzer auf die Spezialitäten der italienischen Winzer. Mit dem Verkosten der einheimischen Weinen wie Barbera d’Alba, Nebbiolo d’Alba, Roero und andere verstehen und erschmecken die Pfälzer mehr von diesem Gebiet, dem Roero, das der Pfalz so ähnlich ist.

So fällt der Abschied sonntags nicht leicht. Die Zeit der Gespräche, des Erfahrungsaustausch, das genussreiche Essen und Trinken war faszinierend, lehrreich und inspirierend zugleich. Die Ruhe und Gelassenheit der Menschen ist ansteckend. Das Roero begeistert. Die Aussicht präsentiert sich auf jedem Hügel ein bisschen anders und einfach überwältigend. Geografisch und kulinarisch hat das Roero einiges zu bieten – und die nicht weit entfernten Gebiete Barolo und Barbaresco laden zu Tagesausflügen ein. Sicher ist, dass die Gäste wieder kommen werde – denn ein Besuch ins Roero lohnt sich – nicht nur Ende Mai! (Laura Julier)

Für drei Monate ist Laura Julier als Praktikantin Teil der Enoteca Regionale del Roero in Canale. Und ganz nebenbei lernt sie Land, Leute und die Sprache kennen.