Ein Fall für den Standesbeamten

Ehen werden im Himmel geschlossen. Zunächst.

Rechtlich verbindlich sind jedoch die Eheschließungen erst vor einem Standesbeamten. Wer allerdings glaubt, dass sich ein Standesbeamter nur von Trauzimmer zu Trauzimmer hangelt und dem Brautpaar schöne Worte mit auf den gemeinsamen Weg gibt, der irrt. Lediglich ein geringer Prozentsatz der normalen Tätigkeit werden auf den Akt der Trauung verwendet. Das umfangreiche Aufgabengebiet reicht von Kirchenaustritten über Testamentskartei, Vaterschaftsanerkennungen, Geburts- und Sterbefallbeurkundungen, Erstellung von Ehefähigkeitszeugnissen bis hin zu den verschiedensten Personenstandsurkunden – um nur einige der in den Arbeitsbereich des Standesamts gehörenden Fälle zu nennen, die es zu beurkunden, registrieren und zu bezeugen gilt.

Die Einhaltung dieser höchst komplexen Rechtsvorschriften bedingt, dass alte und neue Rechtsprechung sowie geltendes Recht im Ausland gegebenenfalls bekannt und beachtet werden müssen. Leider existiert eine kaum zu überblickende Zahl von Änderungen, Neuerungen und Ausnahmen zu fast jeder Vorschrift. Diese teils verwirrenden und leider auch auf den ersten Blick nicht immer gänzlich schlüssigen Überlegungen, die den Vorschriften zugrunde liegen, erschließen sich dem Laien nur selten. Deshalb ist es denjenigen dringend anzuraten, die in nächster Zukunft eine Änderung der Lebens- oder Namenssituation planen, eine kostenfreie Beratung bei dem ortsansässigen oder zuständigen Standesamt in Anspruch zu nehmen.

Beratung bei extravaganten Hochzeiten

Umso wichtiger ist die Beratung für alle, deren Vorhaben von üblichen Standards abweichen. Plant man beispielsweise eine Trauung im Ausland, so wird diese in der Regel in Deutschland ohne Weiteres anerkannt – aber eben nicht in allen Fällen. Je nach Ländergruppe ist entweder eine Beglaubigung einer übergeordneten Stelle (Apostille) oder gar der deutschen Botschaft erforderlich (Legalisation). In Ausnahmefällen muss im Amtshilfeverfahren ein Vertrauensanwalt beauftragt werden, der unter Umständen anhand von Zeugen, Hochzeitsbildern oder ähnlichen eindeutigen Dokumenten den Akt der Trauung nachweisen kann. Da das Namensrecht auch im europäischen Ausland unterschiedlich gehandhabt wird, ist eine Anfrage beim Standesamt keine verlorene Zeit. Heiratet beispielsweise eine deutsche Verlobte einen Franzosen im benachbarten Elsass so muss man wissen, dass jeder seinen Familiennamen behält, da das französische Recht keinen Ehenamen kennt. Dort gibt es lediglich einen so genannten nom d’usage – also einen Gebrauchsnamen; jedoch ohne rechtliche Wirkung. Generell können alle Personenstandsfälle in Deutschland nachbeurkundet werden, wenn die Voraussetzungen hierfür erfüllt sind. Ist man sich unsicher, wie die Rechtslage tatsächlich in Deutschland ist, wenn Lebens- und Namensrecht beeinflussende Fälle im Ausland eingetreten sind, sollte Rücksprache gehalten werden. Ähnlich verhält es sich, wenn Ehen im Ausland geschieden werden. Hierbei ist zu beachten, dass auch ausländische Scheidungsurteile nicht immer automatisch anerkannt werden.

Welchen Namen nimmt das gemeinsame Kind an?

Erwartet ein nicht verheiratetes Paar Nachwuchs, so kann bereits vor der Geburt dieses Kindes eine Vaterschaftsanerkennung entweder beim Jugendamt, beim Standesamt oder beim Notar (beim Notar ist es gebührenpflichtig) im Beisein beider Eltern er- und geklärt werden. Ausschließlich das Jugendamt ist darüber hinaus auch für das gemeinsame Sorgerecht zuständig. Sind sich die Eltern einig, was der Idealfall sein sollte, ist dies schnell erledigt. Führen die Eltern keinen gemeinsamen Familiennamen und hat die Mutter das alleinige Sorgerecht, wird automatisch der Familienname der Mutter als Geburtsname des Kindes eingetragen. Ist dies nicht gewünscht, so kann auch der Name des Vaters eingetragen werden (so genannte Namenserteilung). Allerdings gilt es zu beachten, dass der Familienname endgültig und unwiderruflich ist. Auch hier empfiehlt sich eine ausführliche Beratung. Leander Völlinger ist Leiter des Standesamtes in Landau. Er weiß aus langjähriger Amtserfahrung, dass manche Mütter nach einiger Zeit den Familiennamen des Kindes wieder ändern möchten. „Wenn sich die Kindeseltern trennen, bleibt der Familienname des Vaters - oft zum Leidwesen der Mutter. Das ist kein Grund für eine Namensänderung, so sehr die Mutter dies auch wünscht“, sagt er.

Die Bedeutung von Namensgebung und Geburtsurkunde

Selten komme es vor, so Völlinger, dass der Wunsch nach einem ausgefallenen Vornamen einer besonderen Prüfung bedürfe. In 2010 seien insgesamt 408 unterschiedliche Vornamen vergeben worden. Hitlisten gebe es zwar, erzählt der Standesbeamte, die Vielfalt sei hingegen eher beeindruckend. Würden ausländische Vornamen gewünscht, so werde ein wenig genauer hingesehen, da den Standesbeamten nicht Bedeutung oder Geschlecht, auf das der Namen hinweise, gleich geläufig sei. Die außerordentliche Bedeutung der Namensgebung, sowohl Vor- wie auch Zuname, ist immer wieder Thema in den Standesämtern. Wenn Menschen ausländischer Herkunft in Deutschland leben, so werden die in ihren Heimatländern geltenden Vorschriften beim Namensrecht in deutschen Ämtern berücksichtigt und anerkannt. Das ist weltweit einmalig und häufig mit Recherchen verbunden. Die Geburtsurkunde ist das wichtigste Dokument im Leben eines Menschen. Innerhalb Deutschlands und Europas ist es selten ein Problem, gültige und wichtige Unterlagen über eine Person zu bekommen. Um dieses elementare Dokument jedoch aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt zu erhalten und auch beurteilen zu können, bedarf es schon einiger Erfahrung und nicht zuletzt auch Fingerspitzengefühl der Beamten.
Die internationale Zusammenarbeit bezüglich der Weitergabe von Informationen bei Sterbefällen läuft regelmäßig reibungslos. Ein prominentes tragisches Beispiel guter Zusammenarbeit lieferte die Tsunami Katastrophe in Ostasien. Auch Monate später wurden Mitteilungen den zuständigen Behörden übermittelt, wenn Vermisste identifiziert werden konnten.
 

Auf der Internetseite der Stadt Landau können unter Urkunden online diese angefordert und Voranfragen für beabsichtige Ehen eingereicht werden. Diese Formulare stellen eine große Arbeitserleichterung dar. Stellt sich beim Ausfüllen heraus, dass einige Umstände sozusagen aus dem normalen Rahmen fallen, wird ohnehin eine persönliche Beratung fällig.

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