Du bist, was Du isst! Oder?

Spiegelt sich die eigene Lebenseinstellung, der höchst eigene Wertekompass im allwöchentlichen Speiseplan wider? Nein, wahrscheinlich nicht. Muss ich mich durch das Zurückweisen bestimmter Nahrungsangebote zwangsläufig einer Untergruppierung der Karnivoren und Herbivoren, zu Deutsch: Fleisch- und Pflanzenfresser, angehörig fühlen? Nein, ganz bestimmt nicht.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und Muster, vor allem jene, die uns in Schubladen schieben wollen, meist ohne Wert. Nichts desto trotz dienen einige wenige große Kategorisierungen von Ernährungsstilen dazu, die gastronomische Landschaft zu bereichern. Angebote für jeden Geschmack werden vorgehalten und der Konsument freut sich. Die Wirtschaft auch. Zu den bekanntesten Überbegriffen der populären Esskultur zählen sicherlich die Begriffe vegetarisch und vegan. Doch was verbirgt sich hinter den Begriffen und wie interpretiert man diese für sich? Grob zusammengefasst ist der Unterschied von vegetarisch zu vegan relativ schnell erklärt.

Die spannenden Unterschiede liegen wie in so vielen Bereichen in der Vielschichtigkeit der einzelnen Ausprägungen. Grundsätzlich zeichnen sich Vegetarier dadurch aus, dass sie auf den Verzehr von Fleisch und Fisch verzichten. Die Gründe für diesen Verzicht sind meist mannigfaltig. Von der allgemeinen Kritik an der Haltung und Schlachtung von Tieren, bis hin zur Abkehr von Fleischprodukten aus Gründen einer bewussten und gesunden Ernährung reichen die Verzichtsbegründungen. Veganer gehen noch einen Schritt weiter. Neben dem Verzicht auf Fisch und Fleisch entscheiden sich Veganer auch ganz bewusst gegen tierische Produkte wie beispielsweise Eier und Milch sowie Güter, die Bestandteile tierischer Produkte enthalten.

Medikamente und Kosmetika mit tierischen Inhaltsstoffen stehen ebenso auf dem Index wie Waren aus Wolle und Leder. Die Grenzen zwischen Esskultur und Lebensstil verschwimmen. Weitere interessante Unterschiede finden sich wie erwähnt in der Vielschichtigkeit der individuellen Esskultur. Die Pescetarier beispielsweise folgen in wesentlichen Teilen den Vorgaben des Vegetarismus, streichen aber Fisch und Meeresfrüchte von ihrer Speisekarte. Lacto-Vegetarier sind Vegetarier, die Milch konsumieren, aber auf Eier verzichten. Jede Esskultur findet, so scheint es zumindest, ihr Negativ, denn passend zum Lacto-Vegetarismus streichen die Ovo-Vegetarier Milch von ihrer Speisekarte, möchten aber auf Eier nicht verzichten. Wer hat eigentlich behauptet, dass einzelne Lebensmittel keine Lobby haben können? Die wohl restriktivste Form der modernen Esskultur ist die Form des Frutarismus. Frutarier sind Veganer, die zusätzlich auf Pflanzen und pflanzliche Produkte verzichten, sofern der Produktionsprozess des Nahrungsmittels dazu führt, dass die Pflanze beschädigt wird.

Bevorzugte Nahrungsmittel sind, weil von der Natur freiwillig übergeben, Fallobst, Samen und Nüsse. Die Liste der Einzelausprägungen ließe sich nahezu unendlich weiterführen. Eine Sache wird aber alleine durch die Fülle der Esskulturen klar und verbindet jeden Typ, jede genannte Ausprägung der Esskultur: „Ich ernähre mich vegetarisch/vegan“ muss nicht zwangsläufig auch bedeuten, dass man einer Ernährungsbibel oder einem festen Schema folgen muss. Vielmehr verbindet man seine Essgewohnheiten ganz individuell und nach eigenem Gusto mit seiner Einstellung, seinem persönlichen Lebensstil. Dass sich deshalb die Nachfrager mit Scheuklappen durch die gastronomische Landkarte bewegen, gilt als unwahrscheinlich. Vielmehr steht im Mittelpunkt des Interesses das bewusste Konsumverhalten. Ob das neu gewonnene Bewusstsein bei der Wahl des Mittagstisches einschränkt, ist eine individuelle Entscheidung!

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