An die Wäsche

Die Historie der Lingerie

Die Geschichte der Dessous begann bereits vor 20.000 Jahren. Damals griffen Frauen aus hygienischen Gründen und vor allem zum Schutz vor Kälte zu Korsetts aus Tierhäuten. Heute schwingen diese beiden Aspekte sicherlich am Rande mit, doch dient die Wäsche weit mehr der Unterstreichung der Schönheit und des Wohlfühlens.

Ob bequem oder nicht, Unterwäsche sollte vor allem immer das Schönheitsideal der Zeit verkörpern.

Die moderne Lingerie ist und war immer ein Ausdruck des Lebensgefühls und unterstützte das Schönheitsideal der Zeit. Schaut man auf die Entwicklung der Wäsche im Laufe der Jahrhunderte, so formten die Dessous mit sanfter manchmal jedoch recht nachdrücklicher Gewalt den Körper ihrer Trägerin in das gerade gängige Schema. Bei den Römern war eher der jungenhafte Typ gefragt und so wurde der Busen regelrecht verschnürt. Auch im 15. Jahrhundert drückte ein so genanntes Surcot – eine Art Weste – die Brüste der Frau flach. 200 Jahre später hieß es, Rundungen zu zeigen. Um die Hüfte noch mehr zu betonen, griffen die Frauen zum Reifrock – einem wahrlich gefährlichen Gestell. Um eine schmale Taille zu erhalten und ein verführerisches Dekolleté zu schaffen, trugen sie eine Schnürbrust, den Vorläufer des Korsetts. Von Freiheit und Komfort keine Spur. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurden die Materialien komfortabler. Ab dem 20. Jahrhundert nahm die Menge der benötigten Wäscheteile deutlich ab und die Bewegungsfreiheit der Damen wurde wieder größer. Auf der Weltausstellung von 1900 kann man bereits Büstenhalter sehen.

Entwicklung der modernen Wäsche, wie wir sie kennen

Um 1920 ist die Zeit der schweren Unterwäsche vorbei. Die Wäsche soll nicht mehr auftragen, sondern wie eine zweite Haut sein. Elastische Stoffe werden entwickelt, Mieder gewähren mehr Beweglichkeit. Die ersten Metallbügel zur Stütze großer Busen werden in die BHs eingearbeitet. Nach dem Ersten Weltkrieg war der knabenhafte Frauentyp wieder gefragt und weibliche Rundungen wurden kaschiert. Mit Christian Dior kam 1947 der so genannte New Look auf, ein Trend, der ein elastisches, gut gearbeitetes Korsett, nun meist Mieder oder Korselett genannt, unentbehrlich macht. Wespentaille und ausladendes Dekolleté sind ein Muss. Die Korsett-Industrie erlebt einen noch nie da gewesenen Aufschwung. Miederhosen sind heiß begehrt. Statt eines Hemdes trägt man von nun an Unterkleider über den Miederwaren. Das Beinkleid wird von eng anliegenden Schlüpfern abgelöst. Damit ist die Damenunterwäsche nun vollständig. Die junge Frau der 60er Jahre ist leicht bekleidet und zieht wesentlich weniger Dessous an als ihre Mutter. Die Panty erobert den Markt, ein neuer Typ Miederhöschen ist geboren. BH und Panty mit Bauch-Weg-Effekt sind im Set aufeinander abgestimmt. Der noch heute übliche BH mit Schlüpfer entstammt den 60er Jahren.

Neue Herausforderung für die Industrie: Emanzipation und Sportwelle

Die Kunstfaser Lycra revolutionierte die Wäscheindustrie. Die ersten nahtlosen Strumpfhosen kamen auf den Markt. 1961 erscheint der erste Push-up-BH. Die Emanzipationswelle von 1968 macht es der Wäscheindustrie schwer. Das Verbrennen von BHs wird als Zeichen der Emanzipation gewertet. Die Industrie ist zum Handeln gezwungen und entwickelt weiche und leichte Unterwäsche aus Tüll und Nylon. Während die Joggingwelle durch Amerika rollt und Frauen auch in der Welt des Sports immer weiter vordringen, wird der erste Sport-BH entwickelt. Die Trikotware wird Basismaterial für Unterwäsche, weil es sich besser der Körperform anpasst. Baumwollstoffe sind besonders bei sehr jungen Frauen beliebt.

Mut zur Spitze - aber bitte komfortabel!

1994 kommt der Wonderbra auf den Markt. Seine Berühmtheit erklärt sich vor allem durch die Entstehung eines neuen Frauenbildes: Während in den 60er und 70er Jahren eher kleine Brüste im Trend waren, sind seit den 90ern wieder Rundungen erlaubt – und die müssen richtig in Szene gesetzt werden. Heute greifen die Hersteller von schöner Wäsche auf regelrechte High-tech Materialien, die mit Leichtigkeit die Vorzüge der Frau herausstellen und sich dabei mit der Formvollendung, schöner Spitze, attraktiven Trägern hübsch oder auch verführerisch präsentieren. Dabei wird Unterwäsche durchaus nicht nur verschämt versteckt. Sehr gewollt blitzen Träger, feine Spitzen und Farben unter der Kleidung hervor und werden gekonnt als Accessoire in Szene gesetzt. Der hohe Tragekomfort steht unbedingt an erster Stelle, der nur mit der richtigen Passform wirklich zu erhalten ist. Freiheit geben Dessous auch damit, dass die Mode, die über ihr getragen wird, einfach besser sitzt. Kein Zubbeln, Ziehen und wieder Richten der Kleidung sind nötig. Kleine Pölsterchen werden kaschiert, ungewollte Rundungen retuschiert. Im Sinne der gültigen Schönheitsideale unterstützen auch heute noch Dessous die Figur an den richtigen Stellen. Miederhosen werden heute Shaper genannt, Unterkleider sind en vogue, BH's machen ein schönes Dekolleté und nahtlose Höschen erlauben das Tragen von enganliegender Kleidung.

Im Laufe der Geschichte der schönen Wäsche war die Schönheit der Frau immer das Ziel – nur die Mittel sind heute wesentlich komfortabler.

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