Die Pfalz – der schöne Teil der Metropolregion Rhein-Neckar

Die Metropolregion Rhein-Neckar ist ein noch junges Kind, das mit hervorragenden Erfolgsaussichten 2005 seine Laufbahn begonnen hat. Mit unterschiedlichen Strukturen sortieren sich die beteiligten Regionen und suchen und finden ihre Funktion, ihre Stärken und Schwächen im Verbund der miteinander arbeitenden und auch konkurrierenden Aktiven. Chili sprach mit den Wirtschaftsförderern der Stadt Landau (Martin Messemer), des Landkreises Südliche Weinstraße (Klaus Müller), des Großdorfs Haßloch (Sabine Hacker), und der Stadt Neustadt an der Weinstraße (Thomas Hammann).

Chili: Seit 2005 gehört die Pfalz zur Metropolregion Rhein-Neckar. Welche Ziele hatten Sie sich gesteckt? Was konnten Sie erreichen und welche Ziele werden Sie in Zukunft umsetzen?

Martin Messemer: Wirtschaftlich betrachtet gehört das gesamte Rhein-Neckar-Gebiet zu den zukunftsfähigsten Regionen weltweit. Schon von daher musste Landau ein vitales Interesse daran haben, offiziell in die Metropolregion einbezogen zu werden. Für Landau und die Südpfalz bestanden aber schon vor Bildung der Metropolregion Rhein-Neckar, wesentlich bedingt durch die räumliche und wirtschaftliche Verflechtung im Oberrheingraben, enge Verbindungen in das damalige Rhein-Neckar-Dreieck. Gleichzeitig bildet die Südpfalz den Verzahnungsbereich zur rechtsrheinischen Technologieregion Karlsruhe. Durch die Einbeziehung der Südpfalz in die Metropolregion wurde formell das vollzogen, was faktisch schon gegeben war. Ziel der Zusammenarbeit in der Metropolregion ist eine grenzüberschreitende Wahrnehmung von Aufgaben der Raumordnung, Regionalplanung und Regionalentwicklung und insbesondere auch die Stärkung des Wirtschaftsstandortes durch Förderung des Bekanntheitsgrades. Starke Wirtschaftsstandorte spiegeln sich heute wesentlich in starken regionalen Strukturen wider.
Es wurden in den vergangenen Jahren viele gemeinsame Aktivitäten ergriffen und Maßnahmen umgesetzt, wie zum Beispiel die Förderung des Bekanntheitsgrades und Bewerbung des Standortes Südpfalz durch gemeinsame Messeauftritte (ExpoReal in München), gemeinsames Außenmarketing und Werbemaßnahmen über die Region hinaus sowie redaktionelle Beiträge und Erhebung von Marktdaten im Immobilienmarktbericht. Landau wirkte mit bei Projekten wie INTAKT, das ist die interaktive Auftrags- und Kooperationsbörse Rhein-Neckar, ebenso bei der Einführung eines einheitlichen Handwerkerparkausweises und der Gewerbeimmobilienbörse.

Klaus Müller: Der Landkreis Südliche Weinstraße hatte sich als Ziel gesetzt, ein Baustein im großen Puzzle einer einmaligen Kooperation zu sein, einer Metropolregion, die Europa- und weltweit ein sichtbares Gewicht hat. Die Vision ist natürlich eine Fusion von Metropolregionen, also als naheliegendes die der Metropolregion Rhein-Neckar und der Technologieregion Karlsruhe (hierzu wurden ja auch bereits Schritte von beiden Seiten eingeleitet, wie die Unterzeichnung eines Vertrages 2008). Grenznah befindet sich auch die Region PAMINA (Pfalz, Mittlerer Oberrhein, Nord-elsass), bei der der Landkreis Südliche Weinstraße ebenfalls Mitglied ist.
Im Rahmen der allgemeinen Globalisierung sind dies die Schritte, die peu à peu vorgenommen werden müssen, um gemeinsam und mit gebündelter Kraft, die Region wirtschaftlich, technisch und dadurch politisch und kulturell international bekannter zu machen. Ein aktives Regionalmarketing ist dabei sehr förderlich.

Sabine Hacker: Manche Themen sind nur gemeinsam umsetzbar und können auf Messen oder in der Fachpresse im Verbund besser kommuniziert werden. Die Vernetzung wesentlicher Themen der Wirt-schaftsförderung Haßloch wurden von uns installiert, so zum Beispiel die Teilnahme am Leerflächenmanagement durch die Gewerbeimmobilienbörse der Metropolregion im Internet und die Standortpräsentationen, speziell Immobilien. Als nächste Zielsetzung wird in Kooperation mit der MRN die Clusterbildung für Wertschöpfungsketten zur Ansiedlung von Unternehmen der Bereiche Energie und Umwelt in Haßloch angestrebt.

Thomas Hammann:  Die Stadt Neustadt an der Weinstraße ist von Anfang an aktives Mitglied in den Bestrebungen, den Wirtschaftsraum des ehemaligen Rhein-Neckar-Dreiecks, wie es vorher hieß, als Einheit zu gestalten. Dabei kommt jedem Mitglied eine bestimmte Funktion zu. Neustadt an der Weinstraße möchte neben der bedeutenden Weinmetropole die attraktivste Wohnstadt der MRN werden. Darauf hat Oberbürgermeister Hans Georg Löffler immer wieder hingewiesen. Die Stadtkonzeption definiert dabei unsere Ziele. Mit den hierzu passenden Wirtschaftsansiedlungen und dem beispielgebenden großen 2,1 MW-Solarkraftwerk stellt sich unsere Stadt hervorragend dar. In diese Richtung wollen wir weiter arbeiten.

Chili: Was ist für Sie der wesentliche Vorteil für die Menschen und für die Unternehmen in Ihrer Region durch die Teilnahme an der MRN?

Thomas Hammann:  Hier gilt es, sowohl eine positive Wirkung nach innen als auch nach außen zu erzeugen. Nach innen, indem allen Beteiligten bewusst wird, in einem gemeinsamen Wirtschaftraum zu leben, dessen Erfolg allen zugute kommt. Damit wird jeder selbst zum Erfolgsfaktor. Nach außen wird der ohnehin als Einheit empfundene Raum nicht von Verwaltungsgrenzen unterbrochen.

Klaus Müller: Die Menschen bekommen hiermit eine leistungsfähige Infrastruktur, die die Basis einer gut funktionierenden Gesellschaft darstellt. Infrastrukturelle und administrative Gliederungen fördern unisono wissenschaftliche, kulturelle und technische Leistungen, wobei die Forschung einen hohen Stellenwert einnimmt. Der Wohnwert steigt natürlich selbstredend hier für den Menschen. Auch ist die Interessensvertretung gegenüber Land, Bund und Europa gewichtiger.

Martin Messemer:  Unternehmen profitieren bei Standortentscheidungen von einer hohen Verfügbarkeit an Gewerbeflächen, einer besseren Positionierung, der Bündelung von Ressourcen und Schaffung von Synergien, einer zielgerichteten Vernetzung, den Clustern, aller regional ausgerichteten Aktivitäten (Netzwerkarbeit), der Förderung der wechselseitigen Kommunikation und des Zusammenwirkens von Firmen sowie der steten Verbesserung des regionalen Umfeldes.
Auch in puncto Lebensqualität ist in der Metropolregion alles vorhanden, was das Leben für die Menschen so sehr lebens- und liebenswert macht und gleichzeitig Investoren und Fach- und Führungskräfte anspricht: UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten, Naturparks, Burgen, Dome, Schlösser sowie zahlreiche landschaftliche, kulturelle, kulinarische und sportliche Highlights.

Sabine Hacker: Wichtiges Ziel der Wirtschaftsförderung war und bleibt die feste Verankerung der Gemeinde Haßloch als Bestandteil der MRN, um von der Standortentwicklung im Ballungsgebiet zu partizipieren. Die 2006 im Marketingprozess herausgearbeiteten Standortstärken Haßlochs stehen in Wechselwirkung mit der MRN, die Zusammenarbeit gewinnt stetig an Bedeutung.

Chili: Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Bündelung von Kräften: Das strategische Netzwerken. Wie gut sind diese Netzwerke und welche Erfolge können sie vorweisen – insbesondere im Hinblick auf die Wirtschaftskrise?

Martin Messemer:  Das ist in der Tat eine der zentralen Aufgaben der MRN. Dazu gehört auch die Information und Koordination aller, in der Metropolregion Rhein-Neckar bereits etablierten Netzwerke, um diesen eine gemeinsame Plattform für eine zielgerichtete Kooperation zu bieten. Besonders in Krisenzeiten können sich Kooperationen, die Bündelung gemeinsamer Interessen und die Einbindung in eine starke Wirtschaftsregion als wertvoll erweisen.

Sabine Hacker: Es gibt konkrete Vereinbarungen zwischen Haßloch und der MRN bezüglich Energie und Umwelt. Außerdem nutzt die Gemeinde Haßloch als Multiplikator, was alleine nicht in der Form zu erreichen wäre.

Klaus Müller: Die Netzwerke sind effizient, da wir konstant auf die vielfältigen Veranstaltungen, Sitzungen, Konferenzen hingewiesen und eingeladen werden.
Die Weltwirtschaftskrise hat natürlich auch unsere Region stark getroffen. Hier helfen auch die besten Netzwerke nur bedingt etwas. Trotzdem kann man sagen, dass durch den guten Branchenmix die Krise nicht die Spuren hinterließ wie in den Industriestandorten Deutschlands. Die immer noch niedrige Arbeitslosenquote ist ein Beweis hierfür.

Thomas Hammann:  In dieser Beziehung haben sich nach den Kooperationen im offiziellen Bereich viele große und kleine Netzwerke gebildet, die aber einer steten Unterstützung und Erneuerung bedürfen. Es gibt zum Beispiel einen so genannten Handwerkerparkausweis, der in allen beteiligten Städten zum Benutzen der Fußgängerzonen berechtigt. Damit konnten Grenzen abgebaut werden. Die Kammern und Innungen sowie die unterschiedlichen Verbände tun ihr Möglichstes, um hier zu weiteren Verbindungen und deren positiven Auswirkungen zu kommen. Leider hat uns die Wirtschaftskrise aufgrund der traditionellen Ausrichtung auf die Automobilindustrie schon stark getroffen. Dennoch sollten die Stärken unserer Region in der Zukunft neuen Ansiedlungen zum Erfolg gereichen.

Chili: Immer noch sieht man den Schwerpunkt der MRN in Mannheim und Heidelberg. Die Pfalz macht jedoch flächenmäßig einen riesigen Teil der Metropolregion aus. Welchen Stellenwert hat sie tatsächlich in der MRN?

Sabine Hacker: Sicher stehen Mannheim und Heidelberg für die Schwerpunkte in der MRN, die Begründung ergibt sich zweifelsfrei bereits aus den vorhandenen Strukturen. Deshalb ist es wichtig, dass sich kleinere Kommunen um Kooperationen innerhalb der Region bemühen und die Potenziale der Oberzentren nutzen. Ich denke dabei insbesondere an den Wissens- und Technologietransfer von den rechtsrheinischen Universitäten in die Pfalz, wovon insbesondere der Mittelstand profitieren kann. 

Thomas Hammann:  Objektiv gesehen stellen die Oberzentren die so genannten Leitwölfe und Orientierungsadressen dar. Daneben bilden die umliegenden Regionen den Rahmen, in dem sich die Oberzentren gerne bewegen und die sie stützen beziehungsweise mit denen sie sich auch gerne schmücken. Die Pfalz gewinnt hierbei als die Urmutter der so genannten Weichen Standortfaktoren immer mehr an Bedeutung. Auch wissen die Oberzentren um diese Tatsache, was deren Engagement innerhalb der MRN beweist. 

Martin Messemer:  Wir betrachten uns als vitales Zentrum der Wirtschaftsregion Süd-pfalz und sehen uns nicht in einer Randfunktion, sondern als Bindeglied oder Schnittstelle zwischen zwei starken Wirtschafts- und Wachstumsregionen: den Großstädten Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg im Norden und der Technologie-Region Karlsruhe im Südosten. Eine Metropolregion orientiert sich zwar immer an den Zentren, braucht jedoch auch ein ausgewogenes Netz von starken Mittelzentren (zum Beispiel Landau, Neustadt, Speyer, Bensheim, Mosbach). Selbstverständlich braucht auch das Zusam-menwachsen in den Köpfen seine Zeit.

Klaus Müller: Der Landkreis Südliche Weinstraße hat sich in den letzten Jahren zu einem modernen Gewerbe- und Industriestandort im Schnittpunkt europäischer Verkehrslinien entwickelt. Die Pfalz und deren Teilregionen werden als gleichwertiges Mitglied der MRN angesehen, da es schon immer so war, dass zu einem Ballungszentrum auch ein Speckgürtel gehört, der das Gleichgewicht einer modernen Wirtschaftsregion darstellt.
Diese zentrale Lage im europäischen Wirtschaftsraum bietet attraktive Voraussetzungen für Unternehmen, die einen Standort suchen, um den süddeutschen aber auch den ostfranzösischen Markt rasch zu erreichen. Die Stärke der hiesigen Wirtschaft ist der vielfältige Branchen-Mix mittelständischer Unternehmen. Die Gewerbe- und Industriegebiete sind geographisch gut gelegen und sind nach modernsten Richtlinien erschlossen. Arbeiten, Wohnen, Leben; dieser Dreiklang prägt den Landkreis Südliche Weinstraße. Vielleicht liegt es an dem milden Klima und der Nähe zu unseren französischen Nachbarn, dass Heimatverbundenheit und Weltoffenheit, Tradition und Moderne, harte Arbeit und Sinn für Gemeinschaft keine Gegensätze sind. Hiermit wird verdeutlicht, dass man innerhalb dieser Kooperationsstrukturen natürlich weiterhin auf seine eigenen Stärken setzen muss, nach dem Motto: Eigenständigkeit, Selbstfindung, Gemeinschaftssinn, kollektive Zukunftspläne.

Chili: Wie können Sie den Einfluss der Pfalz verstärken?

Martin Messemer: Landau und die gesamte Südpfalz können neben einem überdurchschnittlichen Wachstum der Wirtschaftskraft in den vergangenen Jahren mit einer wunderschönen Landschaft und hohen Lebensqualität, einem vielseitigen touristischen und kulturellen Angebot, einer hohen Gewerbeflächenverfügbarkeit und vielem mehr punkten. Die äußerst positive Bewertung der Stadt Landau in einer Studie der Prognos-AG zur Zukunftsfähigkeit von Städten und Landkreisen im Jahr 2007 untermauerte eindrucksvoll, dass die Stadt auf einem guten Weg ist. Landau wurden – wie schon im Jahr 2004 – sehr hohe Zukunftschancen attestiert.

Klaus Müller:  Wir brauchen den Einfluss der Region nicht zu verstärken. Wir sind in der MRN schon gut aufgestellt. Es ist klar, dass wir nicht mit den Ballungszentren Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg mithalten können, aber wie bereits erwähnt, können wir mit unseren weichen Standortvorteilen gegenüber den Ballungszentren punkten.
Die Metropolregion Rhein-Neckar ist daher eine der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Deutschlands und wird durch die Nähe Frankreichs zukünftig noch mehr europäisches Gewicht  erhalten. 

Thomas Hammann: Durch ein gemeinsames Auftreten der pfälzischen Kräfte innerhalb der MRN. Bereits jetzt sind alle Beteiligten aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten. Ich würde mich freuen, wenn wir den Geist der Metropolregion mit allen Vorteilen weiter tragen könnten und damit sowohl die positiven Aspekte und die menschliche Nähe einer landläufig provinziellen Landschaft als auch die umtriebigen und faszinierenden Einflüsse einer Metropole betonen würden. An der Pfalz kommen auch die Oberzentren nicht vorbei.