Die Mythenspezialisten

In der Pfalz gibt es einen Ort, an dem Mythen an der Tagesordnung sind: Das Historische Museum der Pfalz in Speyer. Dort wurden in den vergangenen drei Jahren globale Mythen wie Die Piraten, Das alte Ägypten, Die Wikinger oder Idole publikumswirksam dargestellt und gleichzeitig auf ihren Wahrheitsgehalt hin unter die Lupe genommen. Im Wettbewerb der kulturhistorischen Einrichtungen in Deutschland spielen die Sonderausstellungen des in der pfälzischen Provinz ansässigen Museums seit Jahren in der obersten Liga mit.

Eine Sonderausstellung hat laut Direktor Dr. Alexander Koch eine Vorlaufzeit von rund zwölf Monaten. 24 Wissenschaftler und noch einmal so viele Mitarbeiter in der Verwaltung und im laufenden Museumsbetrieb haben alle Hände voll zu tun, damit die nächste Exposition termingerecht eröffnet werden kann. Teil jeder Sonderausstellung ist die Mitmach-Ausstellung für Kinder. Diese sind im Museum gern gesehen. Anfassen und Ausprobieren ist ausdrücklich erwünscht. „Unsere Sonderausstellungen sind wie Filme konzipiert. Sie besitzen eine Dramaturgie und einen Spannungsbogen. Unser Ziel ist es, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu einem bestimmten Thema anschaulich darzustellen, ohne unsere Besucher zu langweilen. Dabei hinterfragen wir gezielt gängige Vorstellungen und Meinungen und unter Umständen entlarven wir diese als Klischees. Wichtig ist uns neben der korrekten wissenschaftlichen Darstellung, dass wir unsere Besucher gut unterhalten“, erläutert Dr. Koch das Konzept des Museumsteams.

200.000 bis 300.000 Besucher hat das Museum pro Jahr im Schnitt. Diese Zahl spricht für sich. Auch die nächste Sonderausstellung, die seit dem 13. September 2009 zu sehen ist, wird ihr Publikum finden. Es geht um Hexen und dieses Thema spricht neben Kindern, die ohnehin ein inniges Verhältnis zu Fabelwesen haben, auch Erwachsene mit Interesse an Medizin, Recht, Geschichte, Naturheilkunde, Religion und Menschenrechten an. „Wir gehen den Ursachen der Hexenverfolgungen vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit genauso wie dem Hexenkult als heidnischer Naturreligion auf den Grund. Wir zeigen Exponate mit angeblich magischen Kräften, historische Dokumente, wie den Hexenhammer als theologische Grundlage der Hexenverfolgungen ab dem 16. Jahrhundert und den juristischen Ablauf einer Hexenbefragung. Das Thema eignet sich wie kaum ein anderes, um die Spannung zwischen Mythos und Wirklichkeit darzustellen und zu erklären, verbindet doch jeder Mensch seit seiner Kindheit mit Hexen starke Emotionen, wie Angst, Abscheu, Hoffnung oder Sehnsucht“, so Dr. Koch zur aktuellen Sonderausstellung. Diese endet am 2. Mai 2010. Kurz vor Schluss feiern große Hexen am 30. April die Walpurgisnacht im Museum in Speyer anstatt auf dem Brocken im Harz.

Sabine Rank-Amendt

Kontakt:

Historisches Museum der Pfalz
Domplatz, 67346 Speyer,
06232- 62 02 22
www.museum.speyer.de
www.hexen.speyer.de

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