Die klebrige Süße aus der Pfalz

Ein gewaltiges Summen und Brummen erfüllt die Luft an diesem frühen Nachmittag. Reger Flugverkehr herrscht am Waldrand von Neustadt-Gimmeldingen. In der Nähe der Start- und Landebahn legen wir die entsprechende Schutzkleidung an. Obwohl es sich um friedliche Völker handelt und wir auch nichts Böses im Schilde führen, sind wir lieber gewappnet. Sicher ist sicher. Man weiß ja nie. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Blick durch das schützende Netz des Imkerhutes schon.

Der Hobbyimker Dr. Matthias Frey beruhigt uns und weist darauf hin, dass eines der Zuchtkriterien die Friedfertigkeit und Sanftmut der Bienen sei. Schließlich sei dies wichtig, wenn die Bienen innerhalb von Wohngebieten gezüchtet würden. „Heute scheint etwas Interessantes zu blühen", sagt Frey und schaut den emsigen Arbeiterinnen bei ihrem Tanz zu. Dieser Tanz zeigt den Kolleginnen die Futterstelle an, die für die Aufregung sorgt. Frey, der auch den Vorsitz des rheinland-pfälzischen Imkerverbandes inne hat, betreut mit 40 Völkern überdurchschnittlich viele Bienen. Hobbyimkern gehören meist zwischen fünf und zehn Völker. In Rheinland-Pfalz leben nur zwei Imker ausschließlich von der Honigproduktion. Anders als in den USA und in Ansätzen auch in den Niederlanden spielt der Bereich Bestäubungsimkerei in Deutschland nahezu keine Rolle. In den USA werden Imker angeheuert, damit ihre Bienen auf großen Plantagen die Bestäubung des angebauten Obstes übernehmen. Deshalb bereitet auch dort das geheimnisvolle Ausbleiben der Bienenvölker sowohl den Imkern als auch den Landwirten sorgenvolles Kopfzerbrechen. Eine Ursache des Verschwindens jener geflügelten Nutztiere ist bislang bei aller Bemühung nicht erkennbar, da keine toten Bienen gefunden werden und somit keine effektive Untersuchung der Gründe stattfinden kann. „Gott sei Dank sind wir in Deutschland davon nicht betroffen", sagt Frey. „Seit über zwanzig Jahren kämpfen wir mit der Milbe Varroa." Diese mache den Immen wohl auch zu schaffen, doch gebe es Mittel und Wege, den Milben durch organische Säurezugabe auf biologischem Wege beizukommen.

Frey zeigt uns stolz ein paar der alten Strohkörbe, die früher den Bienen als zu Hause dienten, und die er neben den modernen Bienenunterkünften hält. „Diese Strohkörbe sind für den Imker wie der Holzfasskeller für den Winzer." Darin eingelassen sind die Holzrahmen, in denen die Bienen ihre Waben bauen, sie mit Honig füllen und mit Wachs abdecken. „Die Erfindung der Konservendose", nennt Frey die perfekte Technik der Insekten. Farbe, Duft und Geschmack des Honigs geben dem Imker Auskunft über seine Sorte. Eine wahrlich besondere Spezialität aus der Pfalz ist der Edelkastanienhonig. Um diesen zu erlangen, reisen die Imker aus ganz Deutschland zur Kastanienblüte mit ihren Völkern an und lassen sie den wertvollen Nektar heimbringen. Dunkel, malzig und intensiv beschreibt Frey die klebrige Süße der Kastanie. Eine Geschmacksprobe bestätigt das angenehm kräftige Aroma des edlen Honigs. Man sage ihm eine positive Wirkung für Magen und Darm nach, so Frey. Seinen Einsatz fände der Edelkastanienhonig natürlich auf dem täglichen Brot, jedoch auch im besonderen Maße in der Weihnachtsbäckerei. Als typisches Mitbringsel aus der Pfalz sei er ebenfalls bei Touristen willkommen.

Frey muss schnell sein, wenn die Blüte einer Pflanzsorte vorüber ist, um einen sortenreinen Honig zu sichern. „Wenn ich meine Bienen lasse, dann bekomme ich sozusagen Cuvée." Der Qualitätsanspruch an den Honig ist nach den Vorgaben der Honigverordnung hoch. Die Anforderungen des Deutschen Imkerbundes sind jedoch höher. „Wir legen Wert auf ein reines Naturprodukt, dem nichts entnommen und nichts zugesetzt wird", bekräftigt Frey.

Na, dann

So Süß - Die Pfalz

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