Der Duft des Sommers

An einem Nachmittag so gegen drei zog mit einem zarten Windhauch der Duft des Sommers in den Garten. Er bestand aus dem süßen Echo von Gräsern und Wildblumen und den wilden Aromen der mediterranen Kräuter. Warm war die Brise, die sanft um die Sinne zog und Empfindungen und Bilder beschwor. 
Da waren Lachen, Farben, Musik, Stille und Zirpen. Sonne und Sterne. Schwüle und Wasser. So war Sommer: voller Glut und Genuss. Noch mehr Gerüche drängten sich auf, die der Erinnerung entsprangen. Ein Parfüm, das Salz des Meeres, der Tanz unter Sternen. Eine Zeitlang verweilte der längst vergangene Moment, die Zeit schien verschoben. Der Raum zerfloss. Eine Musik ertönte, lachende Menschen, wirbelnde Füße, der Geschmack von Sekt, der im Glas perlte. Jugendliches Ungestüm floss durch die Adern, der Blick weit mit geradem Rücken. Lust und Neugier aufs Leben. Es pulsierte und währte intensive Momente, in der Bilder, Geräusche, Düfte und Gedanken ineinander fassten, zu einer Realität verwoben und eine vergangene Ewigkeit beschrieben. 
Dann ein hohles, weit entferntes Murmeln. Die Erinnerung verwirbelt, verblasst, vorbei. Was blieb, war die Terrasse an einem Nachmittag um halb vier. Die Zeit strömte vorbei. Und die Gegenwart zog wieder herein. Der Duft des Sommers – ein Versprechen und eine Aufgabe. Vergangenheit und Verheißung.