Das wird ein bisschen weh tun

Max ist Mitte vierzig, ein eher unauffälliger und etwas chaotischer Redakteur beim Fernsehen, verheiratet mit der resoluten Dorit und Vater von zwei Kindern. Sein Sohn Konrad steht kurz vor dem Abitur und ist gemäß seinem Alter eher lebensfremd. Sozusagen über Nacht zieht Naddi, Konrads erste Freundin, bei der Familie ein und wirft die bürgerlich-heimelige Wertewelt gehörig durcheinander. Sie plappert unaufhörlich, Schüchternheit ist ihr kein Begriff und das gute alte Mein-Dein-System ist an ihr spurlos vorüber gegangen. Sie versaut zum Einstand das Badezimmer, krümelt das elterliche Ehebett mit Chips voll, bringt Konrad den Genuss bunter Pilze bei und schürt bei Max und Dorit die ständige Furcht vor einer Schwangerschaft. In der Redaktion muss Max einen Vertretungsjob übernommen, der alle Voraussetzungen für eine Katastrophe erfüllt, weil Max wenig vorbereitet in eine unmögliche Situation hineinstolpert. Da hilft nur, den durchgeknallten Kollegen aus der Psychiatrie zu holen, der einfach nicht aufhören kann zu moderieren. Nicht zuletzt ist da auch noch Negrez, die attraktive türkische Kollegin. Mit ihr verbindet ihn eine scheinbar wunderbare genetische Übereinstimmung, die jedoch nicht zum Seitensprung reicht. Blöderweise wird Max von einem Unbekannten verfolgt, der sich täglich an seinem Auto zu schaffen macht. Außerdem muss sich Max um seine Eltern kümmern, denn sein Vater kann kaum noch selbständig gehen, will dies jedoch überhaupt nicht wahrhaben und hält stattdessen Reden über sein Funktionärsdasein in der ehemaligen DDR. 
Man könnte jetzt meinen, dass dies doch ein wenig viel für ein Buch sei und man ein typisches Midlife-Crisis-Buch vor sich habe, das mit Slapstick nicht geizt. Und doch ist es eine Geschichte über den ganz normalen Wahnsinn in einer Familie, den es mehr als häufig tatsächlich so oder so ähnlich zu bewältigen gilt. Es kommt plätschernd daher, hat geradezu versehentlich Tiefgang und erarbeitet sich seine Geschichte mit jedem Wort. Dabei ist die Stärke von Autor Stefan Schwarz, dass er schreiben und formulieren kann. Er schafft es, Situationen so darzustellen, wie sie tatsächlich stattfinden – mit aller Komik, Ängsten, Verzweiflung, Ausreden und Schuldzuweisungen. Mit allen Gedanken an die Liebe zur Frau, Tochter, Sohn und Eltern. Mit allen Gefühlen der Wut, des Abstands, der verunglückten Argumentation und des Selbstzweifels. Weil Schwarz dies so ehrlich zu beschreiben vermag, kann man darüber lachen. Der Leser findet sich wieder. In so mancher Situation steckte man selbst fest und nimmt sie  jetzt – und vielleicht auch in Zukunft – mit Humor. Das Buch ist warmherzig, weil der Protagonist Max an seiner Familie festhält und er ihr sichtlich treu bleibt. Auch wenn ihm manchmal durchaus ganz anders zumute wäre.

Das wird ein bisschen weh tun
Stefan Schwarz
Rowohlt Berlin
ISBN 978-3871347153
 

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