Das kenne ich

Es gibt ja Leute, die einfach in allen Belangen des Lebens, der Wissenschaft, Politik, Sport und Kochkunst bestens Bescheid wissen. Das ist wirklich bewundernswert. Das sind Menschen, die schon alles erlebt haben. Nichts kann sie mehr überraschen oder gar beeindrucken. Sie scheuen sich auch nicht, ihrer allumfassenden Kenntnis verbal freien Raum zu lassen. Sie lassen ihre Umwelt teilhaben an ihrer Genialität.

Sie sind weit gereist und wo sie noch nicht waren, da ist es eben ähnlich. Sie kennen die Welt und alle Gewohnheiten fremder Kulturen, seien sie noch so skurril und ulkig. Diese Menschen können sich überall verständigen, haben schon alle lukullischen Raffinessen exotischer Küche probiert und sind mit jedem Getränk auf Du und Du. In der Tat konnten sie auf Reisen sämtliche Schwierigkeiten meistern und haben selbstverständlich alle Katastrophen schon mitgemacht oder zur Lösung von verzwicktesten Lebenslagen beigetragen. Natürlich in Supermannblau.

Sie kennen alle menschlichen Schwächen, nichts ist ihnen fremd und geben selbst versierten Psychologen noch gute Ratschläge. Jede Situation wurde von ihnen bereits durchlebt und sowohl souverän als auch selbstverständlich erfolgreich bestritten. Sie sind die ewigen Sieger, die selbst aus einer Niederlage mit dem Victory-Zeichen heraustreten. Sie wissen es eben besser. Und zwar alles!

Genaugenommen sind sie uns Normalsterblichen haushoch überlegen. Und sie möchten, dass wir das wissen. Schließlich kommen ihre Kommentare immer ohne jeglichen Zeitverzug. In selbstloser Art gewähren sie völlig unaufgefordert Einsichten in ihren reichen Erfahrungsschatz, an dem sie uns gerne teilhaben lassen. Und da sie so toll informiert sind, bedarf es ihrerseits nicht desZuhörens. Weiterbildung ist nicht erforderlich. Sicherlich hat jeder von uns schon Bekanntschaft mit einem solchen Universalgenie machen dürfen und sich staunend zurückgezogen. Oder zurückziehen müssen. Denn die Dialoge verwandeln sich in Monologe und der Austausch gleitet über zum Bereich Input. Im direkten Vergleich können Einbahnstraßen als nahezu flexibel in der Richtungsführung genannt werden.

Bemerkenswert wird die Gesprächsführung, wenn man auf die Idee kommt, eine weiterführende Idee oder eine andere Erfahrung zum ureigensten Kompetenzbereich des Allrounders anzumerken. Dann wird aufgemerkt und eifersüchtig über die Wissenshoheit gewacht. So gut wie nie beschenkt das Talent den lediglich als Publikum Angesehenen mit einem anerkennenden Lächeln oder mit neugierigem Interesse. Stattdessen wird mit einer nervtötenden Litanei der Einwurf kleingeredet, ad absurdum mit zweifelhafter Logik geführt oder gar der Lächerlichkeit preisgegeben.

Nichts kann diese erfahrenen Menschen aus der Ruhe bringen, denn schließlich haben sie ihre Prüfungen im Leben bereits mit Bravour bestanden. Neues kann nicht mehr kommen. Sie sind auf der Höhe. Wie langweilig.

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