Das Beste kommt noch - Best Ager wissen zu genießen

Über die besten Lebensjahre eines Menschen gibt es geteilte Ansichten. Manche meinen, es wäre die Kindheit, was aber nicht jeder so sieht. Denn immerhin hält die Kindheit Erlebnisse parat, die einem den ganzen Lebensabschnitt versauern können: Gerade auf dem Lande ist der Verzehr roher Regenwürmer auch heute noch die einzige Möglichkeit, in die Dorfbande aufgenommen zu werden...

Nur wenig besser ist die Zeit als Twen. Spätestens hier kommt es zu Kontakten mit dem anderen Geschlecht, die manchmal dazu führen, nicht nur einen Regenwurm, sondern gleich die Kröte Liebeskummer schlucken zu müssen. Gar zu schnell münden die Verheißungen der Partnerschaft dann in ein Leben aus Drangsal, Entbehrung und Not.

Das dritte Lebensjahrzehnt ist damit genau die Etappe, die dem Mythos vom Lebensglück die ersten tiefen Schrammen beibringt. Für die jungen Leute sind diese frühen Bekümmernisse oft so einschneidend, dass sie sich nicht länger vor dem Erreichen des 30. Lebensjahres sträuben und seine Ankunft darum sogar feiern. Dass es dann besser würde, weiß allerdings jeder zu verneinen, der die vierte Dekade bereits geschultert hat.

Fußballerisch beispielsweise geht die Leistungskurve nun strack nach unten, was sich durch Tischtennis oder Halma nur unzureichend kompensieren lässt. Diejenigen, die der Versingelung entkommen sind, sitzen abends meist zu Hause und dürfen sich – laut Loriot – bei der Wahl der Blickrichtung oft nur zwischen Fernseher und Lebenspartner entscheiden.

Eine gewisse Eintönigkeit ist der Zeit ab der 30 daher nicht abzusprechen, was viele dazu bringt, die gerade freudig verlassenen 20er zu verklären – oder ihre Hoffnung auf den 40. Geburtstag zu richten. Die aber ist trügerisch. Schon die Party endet oft mit Verstimmungen, weil sich der erhoffte Geschenkeregen auf einen verordneten Fitnesskurs beschränkt. Werden dann noch Bandscheibenvorfälle, Nierensteine und Haarwuchsmittel zum Gesprächsthema, wird klar, dass der Vierziger eben doch nicht in den allerbesten Jahren, sondern vor dem Abgesang einer verbleichenden Jugend steht. 

Doch es wird wieder besser. Ziemlich genau mit der 50 setzt nämlich eine Lebensphase ein, die für die erlittenen Entbehrungen der ersten vier Jahrzehnte mehr als entschädigt. Es ist die Zeit der Ernte, die sich erst jetzt, in den Jahren gewachsener Lebensweisheit, so genießen lässt, wie man es als Twen niemals könnte. Die Generation 50plus hat von dem Marketingfüchsen in den Bürotürmen darum einen gar nicht falschen Namen bekommen: die Best Ager. (rr)

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