Zart + Hart - Bon Appétit auf Frankenthaler Porzellan

Ein halbes Jahrhundert lang, von 1755 bis 1800, glänzte Frankenthal mit einer eigenen Porzellanmanufaktur, deren Produkte sich zum Teil noch im Frankenthaler Erkenbertmuseum bestaunen lassen. Kurfürsten und hochwohlgeborene Staatsgäste genossen raffinierte Speisen oder türkischen Mokka vom kunstvoll bemalten Service oder vertieften sich bei Mottofesten in die Betrachtung von Götterfiguren aus Porzellan.

Viel Zeit und Mühe hat es europäische Fürsten gekostet, hinter die Geheimnisse des weißen Goldes zu kommen, die erst durch holländische Händler und den Verrat von Betriebsgeheimnissen ihren Weg nach Dresden oder Straßburg fanden. Im 18. Jahrhundert legte auch Kurfürst Carl Theodor (Mannheim) Wert auf eine eigene Porzellanmanufaktur und gestattete dem Straßburger Fayencefabrikanten Paul Anton Hannong anno 1755, in der damaligen Dritten Hauptstadt der Churpfaltz, Frankenthal, eine zu gründen.

Obwohl vor allem reiche Bürger und Adlige von dem hoch geschätzten Edelgeschirr speisten, stellen Porzellanobjekte auch Motive aus dem Leben des einfachen Volks dar. Offenbar delektierte man sich bei gespicktem Fasan gerne über den unsauberen Koch, der die Eier zu einem Teig direkt im Mehlsack anrührt. Beliebte Mottoparties bestanden darin, zum Dessert Porzellanfiguren zum Thema Jahreszeiten oder griechische Sagen zu präsentieren, sicher auch eine Anregung für die gehobene Konversation.

Anlässlich der Krönungsfeier für Kaiser Leopold II. im Jahre 1790 in Frankfurt beeindruckte Carl Theodor seine Gäste mit einem Krönungsservice der Frankenthaler Porzellanmanufaktur aus 910 Einzelstücken. Doch nach dem Tod des Kurfürsten, Familienquerelen und den politischen Wirren der französischen Revolutionskriege lag die Frankenthaler Porzellanherstellung im Jahre 1800 buchstäblich in Scherben – und wurde geschlossen. Größere Sammlungen Frankenthaler Porzellans finden sich heute im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum, aber auch in Heidelberg, Darmstadt und München.

Die Kunst der Porzellan-Modellierung und -Malerei genoss in Frankenthal laut Museumsleiter Dr. Edgar J. Hürkey hohes Ansehen, wovon noch manches Prunkgeschirr im Erkenbertmuseum zeugt. Etwas Besonderes war zum Beispiel die Frankenthaler Vergoldungsfarbe. Heutige Betrachter mögen die Geschichten hinter manchem Exponat beeindrucken, etwa eine perfekt erhaltene Wöchnerinnenschüssel. Hatte eine Frau ein Kind geboren, so reichte ihr der Ehemann nach altem Brauch in dieser Festtagsschüssel eine kräftige Suppe. Neben solch besonderen Stücken sollte nicht vergessen werden, 200-jährige Eierbecher, Spucknäpfe und Schokoladenkännchen als Zeugen der Alltagsgeschichte zu würdigen.
Informationen zur Herstellung und Modellierung des Porcelains ergänzen die Ausstellung im Erkenbertmuseum. Schon mit dem Namen beginnt das Rätselraten um die zarten, harten Speisegefäße. Porcella heißt auf Italienisch Kaorischnecke, aus deren gemahlener Schale nach einer lange verbreiten Irrmeinung das Zaubergeschirr hergestellt wurde. Richtig ist, dass Hartporzellan zu etwa 50 Prozent aus Kaolin - einer ursprünglich im chinesischen Kao-Ling gefundenen weißen Tonerde – und zu je 25 Prozent aus Feldspat und Quarz besteht. Die gemahlenen und vermischten Zutaten werden in Gussformen mehrmals bei bis zu 1.400 Grad gebrannt, glasiert und bemalt. Feine Teile wie etwa die Blätter eines Baumes werden nachträglich aufgeklebt.

Im Dezember 2009 erhielt das Museum Zuwachs von sieben Figuren durch eine Spende der
Frankenthaler Geschwister Gerd Schiffer und Christel Michallik.

Dr. Regina Urbach


Kontakt:

Erkenbert-Museum,  Rathausplatz, 67227 Frankenthal
06233-89495, erkenbert-museum@frankenthal.de
Geöffnet: Dienstag 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 14 bis 18 Uhr, Montag geschlossen.