Zahlen und Fakten

Bereits vor elf Jahren, am 5. September 2001, führte das Bundesverbraucherministerium das BIO-Siegel für Produkte des ökologischen Landbaus ein. Rechtsgrundlage für die Einführung des deutschen BIO-Siegels ist das Öko-Kennzeichengesetz. Das Gesetz formuliert einen Kriterienkatalog für die Verwendung des BIO-Siegels und übernimmt Anforderungen geltender europäischer Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Die Vergabe des Siegels ist somit an strenge rechtliche Rahmenbedingungen geknüpft. Die wichtigsten Vorschriften lauten wie folgt (Quelle: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)
-    Die Produkte müssen entsprechend den Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau produziert und kontrolliert worden sein.
-    Soweit Lebensmittel aus mehreren Zutaten bestehen, müssen von diesen mindestens 95 Prozent aus dem ökologischen Landbau stammen. Die restlichen fünf Prozent dürfen nur dann aus der konventionellen Landwirtschaft stammen, wenn sie in ökologischer Qualität am Markt nicht verfügbar sind.
-    Der Einsatz von Gentechnik ist verboten.
-    Viele ansonsten zugelassene Zusatzstoffe sind nicht erlaubt.
-    Nur Erzeuger sowie Verarbeitungs- und Importeurunternehmen, die den Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau gerecht werden und sich den vorgeschriebenen Kontrollen unterziehen, sind berechtigt, ihre Produkte unter den Bezeichnungen Bio oder Öko zu verkaufen.
-    Bei der Kennzeichnung der Produkte muss die Codenummer der zuständigen Öko-Kontrollstelle angegeben werden. (Beispiel: DE-ÖKO-000)
Seit dem 1. Juli 2012 sind in der EU produzierte und vorverpackte Lebensmittel verpflichtend mit dem EU-Öko-Logo zu kennzeichnen. Zusätzlich zu dem EU-Öko-Logo kann das deutsche Bio-Siegel auf den Produkten aufgebracht werden.
Bis Ende Juni 2012 haben 4.106 Unternehmen die Kennzeichnung von 65.117 Produkten angezeigt. Seit der Einführung des Siegels werden im Schnitt 16 Produkte pro Tag neu mit dem BIO-Siegel gekennzeichnet und etwa ein Unternehmen kommt hinzu. Die Produktpalette der mit dem Siegel gekennzeichneten Waren ist vielfältig. 9,4 Prozent der ausgezeichneten Produkte stammen aus der Warengruppe der Brot und Backwaren, 6,8 Prozent entfallen auf die Gruppe der nichtalkoholischen Getränke. 3.521 Erzeuger, Händler, Verarbeiter und Unternehmer nutzen das staatliche BIO-Siegel für die Vermarktung ihrer Produkte, eine Zahl die in etwa 85,7 Prozent aller registrierten Unternehmen entspricht. Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt lag, laut Angaben des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BOLW), im Jahr 2011 bei 3,7 Prozent. Der Umsatz mit Bio-Produkten wuchs im selben Jahr um neun Prozent. Die meisten jener Unternehmen haben ihren Firmensitz in Bayern (19 Prozent), in Nordrhein-Westfalen (15,6 Prozent), in Baden-Württemberg (15,5 Prozent) und in Niedersachsen (9,8 Prozent). Rheinland-Pfalz rangiert mit 7,24 Prozent und 255 Unternehmen auf dem vierten Platz.
Ist BIO gleich BIO gleich Gesund?
Der wissenschaftliche Vergleich von BIO-Siegel- Lebensmitteln mit in konventioneller Herstellungsweise erzeugten Lebensmitteln ist, vor allem wenn man lebensverändernde  Erkenntnisse über den vermeintlichen gesundheitlichen Mehrwert von BIO-Lebensmitteln erwartet, nicht möglich. Eine wissenschaftliche Studie anhand verschiedener Testgruppen müsste Bedingungen herstellen, die schlicht und ergreifend nicht herstellbar sind. Wer kann schon behaupten, nie im Leben etwas anderes als BIO-Lebensmittel gegessen zu haben oder ausschließlich mit konventionellen Lebensmitteln den Magen gefüllt zu haben? Die Wissenschaft kann in punkto gesundheitlicher Auswirkungen durch den Verzehr von BIO-Nahrung demnach relativ wenig neue Erkenntnisse an den Tag fördern. Über die Lebensmittelqualität und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, kann die Wissenschaft hingegen berichten. So konnte durch Studien festgestellt werden, dass pflanzliche Bioprodukte deutlich weniger Pestizide und Nitrate enthalten wie konventionelle Lebensmittel. Das europäische Forschungsprogramm QualityLowInputFood (QLIF) geht noch weiter und nennt zusätzlich höhere Gehalte an gesundheitsfördernden sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und höhere Mengen an Vitamin C als positive Effekte des ökologischen Landbaus. Eine weitere  Studie des QLIF fand heraus, dass Biomilch 15 bis 80 Prozent mehr fettlösliche Vitamine A und E sowie 40 bis 90 Prozent mehr an mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Omega 3–Fettsäuren enthält. Zusätzlich gesundheitsfördernd dürfte auch der Umstand sein, dass BIO-Lebensmittel nach EU-Öko-Verordnung nur ein Zehntel der in konventionellen Produkten erlaubten Zusatzstoffe enthalten. Der Verzicht von Farb- und Konservierungsstoffen, Geschmacksverstärkern und anderen Zusätzen mindert das Risiko von Unverträglichkeiten wie Allergien.
Ein weiterer Umstand erschwert die Suche der Verbraucher nach dem BIO-Produkt des Vertrauens erheblich. Neben dem bekannten EU-Öko-Siegel und dem bundesdeutschen BIO-Siegel gehen inzwischen verschiedene Branchen und Anbauverbände einen Schritt weiter und verschärfen auf eigenes Risiko die rechtlichen Vorgaben, die den genannten Siegeln zu Grunde liegen. Verbände wie Bioland, Demeter und Ecovin verpflichten sich beispielsweise, ausschließlich im Sinne des ökologischen Landbaus zu produzieren. Das hat zur Folge, dass der komplette Hof ökologisch betrieben werden muss, während EU-Vorgaben auch eine konventionelle Bewirtschaftung neben der Öko-Bewirtschaftung erlauben. So müssen laut der verschärften Anforderungen der Verbände 50 Prozent des Futters für die Viehzucht von dem eigenen Hof stammen, während von Seiten der EU keine eigene Futterproduktion vorgeschrieben wird.
 

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