Wirtschaften in der Pfalz, mal ganz nüchtern

Die Pfalz ist bekannt für Vielerlei. Exzellente Weine, die durch Weinbau geprägte Kulturlandschaft und der Naturpark Pfälzer Wald sind Markenzeichen, die das Etikett Pfalz mit Leben füllen und über die Grenzen der Region hinaus bekannt machen.  Die innere wie äußere Stärke der Region wird, neben den offensichtlichen, meist in ein Gewand landschaftsromantischen Bildern gehüllten Markenzeichen vor allem von zwei Bereichen bestimmt: Wirtschaft und Bevölkerung. Dies lässt sich in Zahlen darstellen. Als Grundlage für die Auswertung der regionalspezifischen Wirtschafts- und Demografiedaten diente die im Jahr 2012 erschienene Veröffentlichung Rheinland-Pfalz Regional des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz. Als Untersuchungsraum wurden die kreisfreien Städte Landau, Neustadt und Speyer, sowie die Landkreise Südliche Weinstraße und Bad Dürkheim festgelegt.
Auf der Suche nach Kriterien zur Beurteilung der allgemeinen Leistungsfähigkeit einer Kommune oder eines Kreises stößt man zwangsläufig auf die Schlagworte Wachstum und Produktivität. Wo viele Menschen wohnen, muss auch ein höheres Wachstum stattfinden, möchte man meinen. Beweisen lässt sich diese Vermutung, wenn man die statistischen Auswertungen zu Grunde legt, nicht. Mit knapp 133.000 Einwohnern sind im Landkreis Bad Dürkheim die meisten Menschen unter einem Dach vereint, dicht gefolgt von der Südlichen Weinstraße mit 109.000 Einwohnern. Die kreisfreien Städte Landau, Neustadt und Speyer beherbergen 44.000 bis 53.000 Einwohner. In jeder Kommune, jedem Kreis sind Frauen mit einem Anteil von circa 51 Prozent an der Gesamtbevölkerung leicht in der Überzahl. 
Will eine Region stabile Bevölkerungszahlen aufweisen, dann ist neben einer positiven natürlichen Bevölkerungsentwicklung vor allem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Fortzügen und Zuzügen, das so genannte Wanderungssaldo, entscheidend. In 2010 wiesen nahezu alle Pfälzer Untersuchungsräume ein positives Wanderungssaldo auf. Landau markiert die Spitze mit einem Wanderungssaldo von plus 700, Bad Dürkheim (plus 293), Südliche Weinstraße (plus 246) und Speyer (plus 181) folgten mit deutlichem Abstand. Neustadt an der Weinstraße musste, als einzige der untersuchten Gemeinden, ein negatives Wanderungssaldo in Höhe von minus 550 erfahren. 
Eine Gemeinde ist nur so leistungsfähig wie die Summe ihrer Leistungsträger. Die Anzahl der Sozialversicherungspflichtigen und geringfügig entlohnten Beschäftigten, die innerhalb der Gemeindegrenzen wohnen, sind ein guter Indikator für die Leistungsfähigkeit der untersuchten Gebietskörperschaft. Die meisten Sozialversicherungspflichtigen sind in Bad Dürkheim (27.582), Südliche Weinstraße (23.958) und Speyer (23.112) beheimatet. Die Anzahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten ist hier ebenfalls höher als in den anderen Gemeinden. Landau und Neustadt folgen, vor allem wegen den geringeren Einwohnerzahlen, mit etwas Abstand auf den Plätzen vier und fünf.
Die Produktivität einer Gebietskörperschaft steigt parallel zum Wachstum der angesiedelten Wirtschaftsbetriebe. Pendlerstatistiken können in diesem Zusammenhang deutlich machen, wie viele Betriebe endogene Potentiale, beispielsweise Beschäftigte aus der eigenen Bevölkerung, nutzen, beziehungsweise wie viele Bürger für ihre Arbeit den Wohnort verlassen müssen und somit nicht aktiv am Wachstum der kommunalen Wirtschaft beteiligt sind. Ein negatives Pendlersaldo bedeutet, dass auf dem Weg zur Arbeit mehr Menschen den Wohnort verlassen, als Beschäftigte in den Wohnort einpendeln. Ein positives Pendlersaldo bedeutet naturgemäß das Gegenteil. Einzig Landau (plus 4.808) und Speyer (plus 5.785) beherbergen mehr berufsbedingte Einpendler wie Auspendler. Die Arbeitnehmer aus dem Kreis Bad Dürkheim sind mit einem Pendlersaldo von minus 17.794 die aktivsten Arbeits-Pendler ins Umland.  Der Landkreis Südliche Weinstraße folgt mit minus 13.688. Minimal negativ ist das Pendlersaldo in Neustadt an der Weinstraße mit minus 1.705.
Im Wettbewerb der Regionen und Länder kann die Unternehmensstruktur einer Region den Unterschied ausmachen. 20.998 Unternehmen (2009) im Untersuchungsbereich wurden in die Branchen Verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe, Handel sowie Gastgewerbe und Dienstleistungen unterteilt. Auffällig ist, dass der Bereich Handel 16 bis 20 Prozent der Gesamtunternehmen betrifft. Gastgewerbe und Dienstleistungen folgen mit neun bis 14 Prozent. Das Baugewerbe mit sieben bis zehn Prozent und das verarbeitende Gewerbe mit sechs bis neun Prozent der Gesamtzahl der Unternehmen im Untersuchungsbereich.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezeichnet den Gesamtwert aller Güter, gleich ob materiell oder immateriell, die innerhalb eines Zeitabschnittes und innerhalb einer Gebietseinheit hergestellt wurden und dem Endverbrauch dienen. Ein hohes BIP kann als Ausdruck einer funktionierenden Wirtschaft gewertet werden. Das höchste BIP des Jahres 2009 hatte der Landkreis Bad Dürkheim mit 2.414.000 Euro, einem BIP pro Einwohner von 18.100 Euro. Das zweithöchste BIP wurde im Landkreis Südliche Weinstraße erwirtschaftet. Ähnlich wie in Bad Dürkheim rangiert das BIP pro Einwohner bei 18.244 Euro. Ein kleineres BIP gesamt, aber dafür wesentlich höhere BIP pro Einwohner, verzeichnen die kreisfreien Städte im Untersuchungsraum. Speyer mit einem BIP von 1.836.000 Euro und einem BIP von 36.826 Euro pro Einwohner nimmt die Spitzenposition ein, Landau folgt mit einem BIP von 1.470.000 Euro und einem BIP pro Einwohner von 34.176 Euro. Neustadt bildet das Schlusslicht mit leichtem Abstand und kann auf ein BIP 1.295.000 Euro und ein BIP pro Einwohner von 24.167 Euro bauen.  
Was exportiert Rheinland Pfalz und wer kauft es?
 
2011 wurden Güter für knapp 45 Milliarden Euro aus Rheinland-Pfalz exportiert. Der Export von Investitionsgütern erhöhte sich 2011 um elf Prozent gegenüber dem Gesamtexportvolumen des Vorjahres. Frankreich mit einem Anteil an der Gesamtausfuhr von 11,5 Prozent und die USA mit 7,4 Prozent sind die wichtigsten Abnehmer rheinland-pfälzischer Waren.
 

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