Wie wird unser Abwasser wieder sauber!

Station 28 auf der Route entlang des Rheinhauptdeiches ist die werkseigene Kläranlage von Daimler Chrysler bei Wörth.
Der Automobilhersteller, der 1963 das Werk in Wörth in Betrieb nahm, beschäftigt sich an diesem Standort mit dem Karosserierohbau, mit Lackierungen und der Fahrzeugmontage.

In der werkseigenen Kläranlage wird aber nicht nur das gebrauchte Wasser des Unternehmens bearbeitet, sondern auch das gesamte Abwasser der Stadt Wörth gereinigt. Heutzutage ist sauberes Wasser für jeden eine Selbstverständlichkeit. Wenn man den Wasserhahn aufdreht, fließt kein verschmutztes, sondern gereinigtes, sauberes Wasser hinaus. Das weiß jeder. Doch nur Wenige wissen, wie das Abwasser eigentlich gereinigt wird.

Nach der Nutzung wird das Abwasser, das meist insbesondere anorganische Salze, Bakterien, Farbstoffe, Öl- und Fettreste und grobe Bestandteile enthält, zur Kläranlage gepumpt und dort in drei Reinigungsstufen mit verschiedenen Verfahren gesäubert. Bei der Vorklärung, der mechanischen Abwasserbehandlung, werden ungelöste Stoffe mithilfe von Rechen oder Sandfängen zurückgehalten. Dieses Prinzip basiert auf der physikalischen Eigenschaft, wonach Feststoffe, die schwerer als Wasser sind, auf dem Boden des Reinigungsbeckens absacken. Der Schlamm, der sich dort auf dem Boden angesammelt hat, wird dann abgepumpt und das von Feststoffen gereinigte Abwasser wird in das nächste Reinigungsbecken geleitet.
Dort findet anschließend die biologische Abwasserbehandlung statt, bei der die organischen Inhaltsstoffe des Abwassers, zum Beispiel Lebensmittelreste und Ausscheidungen aus dem Körper, abgebaut werden. Der Abbau dieser Stoffe erfolgt durch das Beisetzten von Mikroorganismen und durch die Zufuhr von Sauerstoff. Es werden Bakterien in das Becken geleitet, die mithilfe des Sauerstoffs im Abwasser enthaltene Verbindungen wie Eiweiß und Harnstoff in andere Bestandteile zerlegen. Die Bakterien siedeln sich im so genannten Belebtschlamm, ein Fachbegriff, der die Ansammlung von Mikroorganismen beschreibt, an und bauen dort die organischen Inhaltsstoffe ab.

Um nach der Reinigung den Belebtschlamm vom Wasser zu trennen, wird das Gemisch durch ein Nachklärbecken geleitet, bei dem sich, ähnlich wie bei der Vorklärung, der Schlamm am Boden des Beckens absetzt. Nachdem das Abwasser nun auch frei von organischen Stoffen ist, wird in einer letzten Stufe, der chemischen Abwasserbehandlung, Phosphor mithilfe von chemischen Reaktionen entfernt. Dies geschieht durch Oxidation oder Flockung mit Fällungsmitteln. Bei der Flockung bewirken die Fällungsmittel, welche Stoffe wie Eisen-und Aluminiumsalze sind, das eine chemische Reaktion stattfindet, bei der ein gelöster Stoff zu einem unlöslichen Feststoff reagiert. Diese Flocken können dann durch Filtration entfernt werden. Nach diesen drei Reinigungsstufen ist das Abwasser soweit gereinigt, dass es ohne irgendwelche Schadstoffe in fließende Gewässer geleitet werden kann. Das Wasser ist zwar dann noch kein Trinkwasser, da es für diese Verwendung erst wieder aus dem fließenden Gewässer entnommen und aufbereitet werden müsste, aber es ist soweit gereinigt, dass es der Umwelt keinerlei Schaden zufügt.

Nadine Baumann