Wie teuer ist mir Bio?

Schöne, heile BIO-Welt? Wer diese Tage Zeitung liest oder den Fernseher anschaltet, wird förmlich mit Talkrunden und Berichterstattungen über das Thema BIO zugeschüttet. Eine vermeintliche Enthüllungsgeschichte folgt der nächsten. Die ultimative Wahrheit scheint nur einen Bericht entfernt. Wer jedoch eine gewisse Portion Skepsis zulässt, der wird bereits vor der neuerlichen Welle der Berichterstattung vermutet haben, dass auch BIO-Lebensmittel, beziehungsweise deren Produktion, nicht unfehlbar sein können. 

Vielleicht sind es die Werbekampagnen der Lebensmittelindustrie, die eine Erwartungshaltung erzeugen, die letztendlich kein Produkt, auch kein BIO-Produkt, der Welt erfüllen kann. Die scheinbar allgegenwärtige Vorstellung BIO sei eine Mischung aus glücklichem Huhn und Bauernhofidyll ist zu plakativ und überzeichnet um wahr zu sein. In erster Linie ist BIO ein Teil der Lebensmittelwirtschaft und ja, BIO ist ein Wachstumsmarkt. Wie in einem normalen Wirtschaftsgefüge zu erwarten, befördert die steigende Nachfrage nach der Marke BIO markwirtschaftliche Prozesse in den Bereichen Ernährungsindustrie und Lebensmittelhandel. Die Nachfrage der Konsumenten muss befriedigt werden. Der Regelkatalog der Marke BIO wird bisweilen, vor dem Hintergrund steigender Nachfrage und nicht proportional zur Nachfrage wachsender Produktionsstätten, ausgereizt. Alles im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften ist erlaubt.
Doch wie geht unsere Gesellschaft mit den BIO-Produkten um? Haben die unzähligen Diskussionen über Nachhaltigkeit zu einem Gesinnungswechsel der Verbraucher geführt? Nur teilweise. Die Form der Wegwerfgesellschaft, in der das Produkt zugunsten der Befriedigung des eigenen Wohlbefindens in den Hintergrund tritt, ist nach wie vor en vogue. Zudem erinnert uns das eigene grüne Gewissen daran, dass nicht nur das Produkt an sich und dessen Herstellung, sondern auch Lieferwege und –arten eine Rolle spielen; Stichwort: ökologischer Fußabdruck/Rucksack. Nicht alles aus der Region ist automatisch BIO. Und noch viel naheliegender: nicht alles was der Verbraucher nachfragt, wächst auch in der eigenen Region. In diesem Zusammenhang kann Knappheit ein wahrer Segen sein. Nur wer Knappheit kennenlernt, lernt Seltenes zu schätzen. Dieses geschärfte Bewusstsein gegenüber Lebensmitteln ist bei aller Diskussion über die Marke BIO zentrale Voraussetzung für einen Paradigmenwechsel in der Lebensmittelbranche, aber vor allem in der Wertschätzung von Lebensmitteln durch den Endverbraucher. 
Jens Wacker
 

Magazin