Wegweisend

Die grüne Lunge in Rheinland-Pfalz

Der Pfälzer Wald ist ein Herzstück des touristischen wie auch des heimischen Freizeitangebots. Seine Ausdehnung beträgt, je nach naturräumlicher Abgrenzung, 1589,4 Quadratkilometer. Damit nimmt er ein gutes Drittel der gesamten Pfalz ein, deren zentrale Landschaft er darstellt und von der er seinen Namen hat.

Als größtes zusammenhängendes Waldgebiet Deutschlands bietet der Pfälzer Wald topographisch wie auch botanisch einiges an Reizen, die dem Wanderer wie auch dem Sportler Raum bieten. Dort treffen sich Spaziergänger auf kleineren Rundwegen, Hüttenbesucher, Wanderer mit unterschiedlichem Anspruch an das Streckenprofil und auch Trekkingtouristen mit Rucksack auf Fernwanderwegen. Hier finden Sportbegeisterte ausgewiesene Nordic Walking Parcours in Höhen- und Streckenvarianten, Joggingstrecken, Mountainbike Parcours mit Profil und sogar Wiesen für Tai-Chi. Hier werden Kastanien oder Pilze gesammelt, Vögel beobachtet, der Natur gelauscht und den Gedanken freien Lauf gelassen, während die Alltagssorgen im Tal verweilen.

Instandhaltung und Markierung der Wanderwege

Dass dabei jemand im Wald verloren geht, kommt sehr selten vor. Die Markierungen des weitläufigen Wegesystems sind bemerkenswert, wenngleich in den letzten Jahren unterschiedliche parallel angebrachte Systeme die Waldbesucher schon einmal verwirrten. Zunächst lag die alleinige Markierungsbefugnis in Händen des Pfälzer Wald Vereins. Der Fabrikant Anton Fasig gründete den Verein vor über 100 Jahren. Der Verein unterhält heute rund 100 Wanderhütten in der Pfalz und der Saarpfalz. Eine der Hauptaufgaben des Vereins ist die Wegemarkierung von 12.000 Kilometer Wanderwege im Pfälzer Wald. Dazu gehört auch die Instandhaltung der Wege. Der Verein gliedert sich in Ortsgruppen, deren Mitgliederzahlen und Altersstrukturen jeweils variieren. So ist es nicht jeder Ortsgruppe gleich möglich, der durchaus aufwändigen Markierungsaufgabe in dem gewünschten Maße nachzukommen, wie es erforderlich wäre.

Wo der Wald noch Wald sein darf

Fast die Hälfte der Wälder in Rheinland-Pfalz sind so genannte Körperschaftswälder, was bedeutet, dass die Kommunen die Waldbesitzer sind. Die Verkehrssicherungspflicht obliegt den Waldbesitzern. Ist ein Weg als solcher markiert, so muss er gesichert sein. Allerdings ist diese Sicherheit nicht vergleichbar mit jener von öffentlichen Straßen. Im Wald darf ein Weg Unebenheiten aufweisen. Wurzelwerk, Steine und Blattrutschgefahr gelten als typisch. Die Gefahr durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste, besonders nach Sturm, muss jedoch gebannt sein.

Auf Stock und Stein

Neustadt an der Weinstraße besitzt mit rund 5.000 Hektar das größte zusammenhängende kommunale Waldgebiet in Deutschland. Mit einem weit verzweigten Wegenetz und häufig neu dazukommenden weiteren Premium-, Fernwander- und Rundwegen ist die Aufgabe der Verkehrssicherungspflicht eine gewaltige – alleine in Neustadts Waldgebiet. Daher werden in der Neustadter Verwaltung Überlegungen angestellt, welche dieser zum Teil sehr alten Wege aus dem Markierungssystem entfernt werden könnte. Auf den Prüfstand stehen parallel verlaufende Wege mit einer gewissen Redundanz, deren Verzicht keine Einschränkung für den Wanderer darstellt. Die Wege selbst bleiben erhalten, werden jedoch weder markiert noch fallen sie demzufolge in die Verkehrssicherungspflicht der Kommune. Das bedeutet, dass derjenige, der sie nutzt, auf eigene Gefahr handelt. Dass traditionsreiche Wege aus dem Wegenetz gestrichen werden, trifft nicht immer auf ungeteilte Freude und so manch einer war schon mit dem Farbeimer unterwegs, um die Markierung anzubringen. Tatsächlich muss jede Wegemarkierung durch die Struktur- und Genehmigungsdirektion genehmigt werden. Damit soll dem Wildwuchs und den daraus resultierenden rechtlichen Konsequenzen ein Riegel vorgeschoben werden. Außerdem soll somit eine Vereinheitlichung der Wegemarkierung gewährleistet werden. Denn schließlich machen die Wanderwege nicht vor kommunalen Waldgrenzen halt, die darüber hinaus für den Wanderer nicht ersichtlich sind. Tatsächlich befinden sich die Markierungsarten, die von Schildern bis hin zu Farbmarkierungen mittels Pinselstrich an Bäumen, Steinen oder eigens aufgestellten Schilderpfosten mit und ohne Text und Kilometerangaben reichen, in einem beginnenden Umbruch, der an einigen Stellen eher einem Glaubenskrieg in Paralleluniversen gleicht.

Markieren will gelernt sein!

Laut dem Wanderwege-Leitfaden, herausgegeben von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, soll eine Vereinheitlichung der Wander-Wegweisung in Rheinland-Pfalz erfolgen. Dies sei aufgrund der gestiegenen Anforderungen der Wanderer nach qualitativ hochwertigen Wanderwegen erforderlich. Diese sollen laut Leitfaden neben der klassischen Funktion der Orientierungshilfe auch die touristischen Informationen als wichtigen Inhalt aufnehmen. Zudem ließen Hinweise auf Rundwege, Gastronomie, Kultur- und Naturattraktionen den Wanderer die Region entlang des Wanderweges als Ganzheit erleben. Der Leitfaden der Tourismus GmbH gibt detailliert Auskunft zur Gestaltung der Wegweisungen beginnend beim Pfostenmaterial über die Bodenhülse bis hin zu den Schildern, den Farben mit genauer Farbnummer und Bohrungen zur Anbringung. Sogar die empfohlene Ausrüstung der Wandermarkierer erhält ein eigenes kleines Kapitel.

Welche Farbe zeichnet welchen Weg aus?

Für die Prädikatswanderwege wird die Farbe Blau verwendet. Mit Gelb werden markierte, sonstige Wanderwege wie Zuwege, Alternativrouten, kommunale Rundwanderwege, Wege zu Sehenswürdigkeiten, Wege zu Gastronomie- und Hotelbetriebe gekennzeichnet und die Endpunkt sowie Entfernung der eingeschlagenen Richtung genannt. Und da fängt die Verwirrung an, denn darunter fallen zu viele Wege. Denn bislang waren eben jene Wege mit speziellen Farben auf geometrischen Formen markiert, die in den Wanderkarten aufgeführt wurden. Zudem will der Wanderer wissen, ob er sich noch auf einem Wanderweg oder auf dem Weg zur nächsten Dorfkneipe befindet. An welchen Stellen die neuen Markierungen aufzustellen sind, ist jedoch nicht geregelt. Dem Leitfaden ist zu entnehmen, dass durch eine einheitliche, leicht zu lesende und eindeutige Markierung eine Wanderung auch ohne Karte möglich sein muss.

Man sieht vor lauter Markierungen den Wald kaum

Hierdurch werde die Markierungsvielfalt reduziert und unter anderem das Landschaftsbild von einem „Durcheinander an Markierungen“ geschützt. Diese beiden Ziele sind durchaus ernstzunehmende, denn in der Tat weiß der Wanderer an manchen Stellen vor lauter Beschilderungsvarianten nicht mehr, wohin die Reise gehen soll. Viel schlimmer jedoch ist die Tatsache zu bewerten, dass alte Farbmarkierungen in einigen Fällen schlecht zu lesen und zu entdecken sind. Sie sind verblichen, verwittert oder zugewachsen. Dies ist dem eingangs geschilderten Umstand geschuldet, dass manche Ortsvereine des Pfälzer Wald Vereins die Arbeit personell nicht schultern können. Andere Wege sind in tadellosem Zustand, was dazu führt, dass der Wanderer sich generell auf die Markierungen verlässt. Hier hilft wahrscheinlich die Zeit, in der Traditionalisten und Engagierte mit neuen Ideen zu einem besseren und einheitlichen System zusammenfinden.