Vorsätze (genial)

Sicherlich wurden in der Sylvesternacht eine ganze Menge sagenhaft guter Vorsätze getroffen, die unser Leben nachhaltig zum Positiven wenden werden. Ab jetzt werden wir weder rauchen noch trinken, wir werden ordentlicher, besser organisiert. Und gestritten wird auch nicht mehr. In diesem Jahr sind wir sensationell geduldig mit den pubertierenden Kleinen, die ja gar nicht für ihre hormonell bedingte Nervensägerei verantwortlich sind. Und mit dem Gongschlag treiben wir Sport, essen nur noch Bio, Fett ade. Kulturell sind wir auf der Höhe und das Theaterabo steckt schon in der Tasche.
Nun, nachdem bereits einige Wochen des neuen, glücklichen Lebens ins Land gezogen sind, stellen wir fest, dass das so eine Sache ist mit den guten Vorsätzen. Keine neue Erkenntnis, wie wir aus der Erfahrung der letzten Jahre nur allzu gut wissen. Woran liegt es aber, dass wir nur selten in der Lage sind, unsere Vorsätze langfristig in die Tat umzusetzen und Schwierigkeiten haben, am neuen Lebensstil festzuhalten?

Unter den professionellen Beratern herrscht in einem Punkt gänzliche Einigkeit: unsere Ziele sind zu schwammig formuliert und auch noch viel zu hoch gesteckt. Meistens haben sie mit uns auch gar nichts zu tun. Wer joggen einfach nicht mag, weil es nun mal nicht sein Sport ist, muss sich nicht vornehmen, ab sofort – das heißt im Winter, wenn es dunkel, kalt, regnerisch oder gar glatt ist – täglich eine Stunde zu joggen. Dieser Vorsatz ist zum Scheitern verurteilt. Auch sollte man sich ausgerechnet dann nicht das lieb gewonnene Glas Rotwein am Abend versagen, wenn die süßen Kleinen die Jugendrevolution gerade in eine neue Dimension treiben. Denn wir haben uns ja schon vorgenommen, geduldig zu sein. Siehe oben. Vom vielen Lächeln bilden sich bereits Verspannungen, physisch wie psychisch. Außerdem können wir so globale Vorsätze wie nie-mehr-mit-dem-Partner-streiten nicht einhalten, weil wir nun mal nicht zum Ja-Sager geboren wurden und der Partner von unserem neuen Lebensstil keine Ahnung hat und somit nicht per se teilnimmt am innerfamiliären Friedensprogramm. Er – oder sie - wird im Zweifelsfall sogar misstrauisch, weil die gewohnten Reaktionen ausbleiben. Also ist dieser Vorsatz in der langfristigen Umsetzung auch als eher schwierig einzustufen. Weit zielführender ist es, ein gut geplantes und erwünschtes Ergebnis seines Vorsatzes genau zu definieren. Dabei müssen kleine Steps eventuell in Zeiteinheiten zur Erfolgskontrolle eingebaut werden. Nehmen wir mal den Sport als Beispiel. Es macht keinen Sinn, die Versäumnisse mehrerer Jahre in einem Drei-Monats-Programm ausbügeln zu wollen. Günstiger ist es, in kleinen Schritten die Steigerung der Kondition zu sehen. Auch die Oberschenkelstraffung ist vielleicht nach zwei Wochen nicht sichtbar. Ein erster Erfolg stellt sich vielleicht nach einem halben Jahr ein. Denn der Körper wehrt sich erst einmal und die Dellen zeigen sich nicht kooperativ. Wahrscheinlich liegt der Erfolg zunächst darin, dass man sich nach dem Sport besser fühlt, wacher und aktiver. Das ist der Erfolg, der angestrebt werden sollte. Es ist realistisch, zweimal pro Woche eine halbe Stunde sportliche Aktivität anzupeilen. Wer mehr schafft, freut sich und ist motiviert.

Ebenso ist es bei der Gewichtsreduktion. Innerhalb von zwei Wochen sollte ein Kilo verschwinden. Das hat mit hungern nichts zu tun, ist machbar und das somit erreichte Wunschgewicht bleibt beständig. Ohne auf und ab.

Andere Ziele sind, obwohl erwünscht, vielleicht einfach nicht erreichbar. Wer nun mal kein Theaterfreund ist, der soll doch einfach ins Kino gehen. Ist nun mal so. Es geht auch ohne Stress.

So, damit es dann doch klappt mit den Vorsätzen, haben wir uns diesmal mit einigen Zielen auseinandergesetzt und dabei beleuchtet, wie sinnvoll oder individuell diese Ziele sind beziehungsweise sein sollten.
Spannend ist außerdem der Blick in kommunal-politische Köpfe, die ebenfalls so manch guten Vorsatz auf den Weg gebracht  haben.