Vom Nikolaus zur politischen Karikatur

Seit seiner Kindheit war der Nikolaus für Thomas Nast eine wichtige Figur. Dass er sich auch als Erwachsener noch gerne an die Besuche des alten Pelz-Nickels in der Vorweihnachtszeit erinnerte, zeigen seine Bilder. Viele von seinen Zeichnungen werden heute noch in der Werbung, als Weihnachtskarten und in Kinderbüchern verwendet. Berühmt wurde der Pfälzer aber als größter amerikanischer politischer Karikaturist seiner Zeit. 
Thomas Nast wurde am 27. September 1840 in Landau in der Pfalz geboren.  Er wuchs in beschaulichen Verhältnissen auf. Seine Familie wohnte mit anderen Soldatenfamilien in der Roten Kaserne der damaligen Soldatenstadt Landau. Bereits als Kind zeigte Nast künstlerisches Geschick. Aus Wachs formte er Figuren, er modellierte Menschen, Soldaten und seine Familie. Im Alter von sechs Jahren verließ Nast mit seiner Mutter aus finanzieller Not seine Heimatstadt. Nach einer fünfwöchigen Überfahrt erreichten beide New York. Der Vater kam einige Monate später nach, fand bald Anstellung bei einem renommierten New Yorker Orchester und verdiente so gut, dass die Familie ein eigenes Haus erwerben konnte. Der junge Thomas Nast hatte es zu Beginn nicht leicht in Amerika. Er sprach kein Englisch und konnte sich nicht verständigen. In der Schule zeichnet er oft aus Langweile, da er dem Unterricht nicht folgen konnte. Nach seinem Schulabschluss besuchte er ein Jahr lang eine Kunstakademie und fand dann mit nur 15 Jahren eine Anstellung als Zeichner bei einer kleinen New Yorker Lokalzeitung. Er zeichnete zu besonderen Anlässen wie Sport- und Volksfesten oder dem Brand eines Hauses. In den folgenden Jahren wurde die bekannte New Yorker Wochenzeitung Harper‘s Weekly auf Nast aufmerksam und bot ihm 1862 eine Festanstellung an. Hiermit begann Thomas Nasts Erfolgsgeschichte. Nast wurde zum Begründer der politischen Karikatur in den USA. Seine Karikaturen entwickelten sich zum Sprachrohr der Analphabeten, die nun anhand seiner Illustrationen und seiner leichtverständlichen Aufarbeitung schwierige Themen erfassen konnten. In ihnen lag eine Mobilisierungskraft der Massen. Nasts geniale Zeichnungen hatten Einfluss auf die Zeit. Sie trugen zum Sieg im Bürgerkrieg bei und waren eine unerlässliche Hilfe, die Wahlen von sechs Präsidenten zu sichern. Auch Nasts Kampf gegen einen der größten, korrupten Parteibosse New Yorks, William Marcy Tweed zeigte Wirkung. Tweed wurde unter anderem aufgrund Nasts Karikaturen gestürzt und zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Der aus  Landau stammende Deutsche wurde zum leidenschaftlichen Kämpfer für die Bürgerrechte der Schwarzen, er setzte sich für die grundlegenden Rechten der amerikanischen Indianer ein und kämpfte für ein uneingeschränktes Einwanderungsrecht für Chinesen.
Nast schuf während seiner 20-jährigen Tätigkeit für Harper‘s Weekly über 2.000 Karikaturen. Am Ende seiner künstlerischen Tätigkeit wurde Nast durch Fehlkalkulationen um ein Großteil seines Vermögens gebracht. Der amerikanische Präsident Theodor Roosevelt entsandte ihn darauf als Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika nach Ecuador. Dort starb Nast am 7. Dezember 1902 im Alter von 62 Jahren an Gelbfieber. Sein Leichnam wurde in die USA überführt und in New York auf dem Friedhof im Stadtteil Bronx beigesetzt. In diesem Jahr gedenkt die Stadt Landau seinem 110. Todestag. 
Nadine Baumann
 

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