Verwirrte Falter

Wenn die Sonne scheint, die Temperaturen steigen und der Sommer direkt vor der Tür steht, werden nicht nur die Menschen kontaktfreudiger. Auch in der Tierwelt beginnt die Zeit der Paarung. Der Hochzeitsflug der Schmetterlinge ist dabei ein Phänomen, das viele schon in der freien Natur beobachten konnten. Das Schmetterlingsweibchen gibt Sexualduftstoffe ab, so genannte Pheromone, die von dem Faltermännchen aufgespürt werden. Das Männchen kann so das Weibchen gezielt anfliegen, es kommt zur Begattung und schließlich zur Vermehrung. 

Doch bei einigen Schmetterlingsarten hat die Vermehrung schwerwiegende Folgen. So bei dem bekreuzten und einbindigen Traubenwickler. Beide Falter gehören zu den Kleinschmetterlingen und zählen hier in der Pfalz zu den bedeutendsten Schädlingen der Rebe. Die Wickler durchlaufen jedes Jahr mindestens zwei Entwicklungszyklen. In warmen und trockenen Jahren können sie auch eine dritte Generation bilden. Die Schädlinge überwintern verpuppt am Rebstamm und nach der Begattung legt das Falter-Weibchen durchschnittlich 80 Eier an den Blüten der Rebe.

Die Larven der ersten Generation, die nach sechs bis zwölf Tagen aus den Eiern schlüpfen, werden Heuwürmer genannt und treten im Mai und Juni auf. Sie befallen die Blütenstände und fressen an Fruchtknoten und Blütenblättern. Nach drei Wochen verpuppen sich die Larven wieder und zehn Tage später schlüpfen die Falter der zweiten Generation, die sich wiederum paaren und Eier legen. Die Larven der zweiten Generationen, die Sauerwürmer, schädigen die unreifen Trauben. Kurz nach dem Schlüpfen bohrt sich die Raupe in die Beere ein und frisst sie häufig leer. Die befallenen Beeren werden daraufhin von Grauschimmel oder von anderen Pilzen und Bakterien infiziert, was zu der gefürchteten Sauerfäule der Beeren führt. „Früher wurden die Traubenwickler mit Insektiziden bekämpft, um die verheerenden Schäden an den Reben einzudämmen. Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes setzt man aber seit Mitte der Achtziger ein umweltfreundliches, biotechnisches Verfahren ein, das auch vom Land Rheinland-Pfalz mit 120 Euro pro Hektar finanziell unterstützt wird“, erklärt Friedrich Louis, Abteilungsleiter der Phytomedizin im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz.

Die so genannte Verwirrungs- oder Konfusionsmethode basiert auf dem Prinzip, die Faltermännchen an der Nase herumzuführen. Einmal jährlich vor Flugbeginn der ersten Faltergeneration bringen die Winzer in einer Gemeinschaftsaktion rötlich-braune Ampullen in einer Dichte von 500 Stück pro Hektar an den Reben und in Pufferzonen rund um die Weinberge an. Diese Ampullen enthalten den artspezifischen Sexualduftstoff der Traubenwickler, der von der BASF in Ludwigshafen synthetisch hergestellt und vertrieben wird. Das langsam abdampfende Pheromon breitet sich wie eine Wolke über der behandelten Fläche aus und verwirrt die männlichen Traubenwickler, die nun innerhalb der Pheromonwolke die von begattungsbereiten Weibchen abgegebene Pheromonspur nicht finden können. Es findet keine Begattung und somit auch keine Vermehrung statt. Ein großer Vorteil dieser anwenderfreundlichen und nützlingsschonenden Methode ist, dass früh in den Fortpflanzungszyklus der Schädlinge eingegriffen wird. Die Larven können sich nicht entwickeln, Fraßschäden und Pilzinfektionen bleiben aus. „Auch wenn die Methode ihre Wirkung nur bei großflächiger Ausbringung ab 20 Hektar entfaltet, sorgt sie zuverlässig dafür, dass bei langfristiger Anwendung der Traubenwicklerbefall dauerhaft auf niedrigem Niveau bleibt“, so Friedrich Louis.

Nadine Baumann

Info:

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Rheinpfalz
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67435 Neustadt/ Mußbach
06321/671-0
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