Um den Schlaf gebracht

Wenn tiefer Schlaf nur eine Sehnsucht ist...

"Gute Nacht. Schlaf gut!“ Eine Floskel, an die wir uns nur zu gerne halten würden, wenn wir abends ins Bett gehen. Am nächsten Morgen erholt aufwachen und frisch ausgeschlafen in den neuen Tag starten - für viele Menschen ein Wunschtraum.

Über 30 Prozent der Bevölkerung in den westlichen Industrie-ländern leiden mittlerweile an Schlafstörungen. Von gesundem Schlaf kann hier nicht die Rede sein. Dabei ist dieser für den Menschen außerordentlich wichtig. Guter Schlaf wirkt sich nicht nur auf unser Wohlbefinden aus, im Schlaf verarbeiten wir auch die Erfahrungen und Ereignisse des Tages. Schlaf tut sowohl Geist als auch Körper gut, denn die Verdauung, das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem regenerieren sich, während wir schlafen. Die durchschnittliche Schlafdauer eines Erwachsenen liegt zwischen sechs und neun Stunden. Wenn man nun aber nachts gar nicht erst einschlafen kann oder immer wieder aufwacht, wird die Nacht zum Albtraum mit spürbaren Konsequenzen. Denn ein dauerhafter Mangel an Schlaf kann schwerwiegende Folgen haben.

Krankheitsbilder
24 Prozent der tödlichen Unfälle auf deutschen Autobahnen werden durch Sekundenschlaf am Steuer verursacht.
Schlafmangel beeinträchtigt das gesamte Nervensystem, die Wahrnehmung wird gestört und das Immunsystem geschwächt. Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Magen-Darm-Erkrankungen können die Folge sein. Die häufigsten Auswirkungen von Schlafstörungen sind jedoch Tagesmüdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und psychische Anspannung bis hin zur Depression. Schlafstörungen können in unterschiedlichen Formen auftreten, von Schwierigkeiten beim Einschlafen, Störungen des Durchschlafens und vorzeitiges Erwachen bis hin zu schlafbezogenen Atmungsstörungen, verbunden mit vorübergehenden Atemstillständen und Schnarchen. Eine seltene Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus ist Narkolepsie. Eine Krankheit, die nicht heil-, aber behandelbar ist. Sie ist gekennzeichnet durch extreme Müdigkeit am Tag bis hin zu anfallartigen Schlafepisoden und kurzzeitiges Erschlaffen der Muskulatur. Als neurologische Erkrankung gilt das Restless-Legs-Syndrom, bei dem Patienten unter Zuckungen und Bewegungsdrang in den Beinen leiden, was einen ruhigen Schlaf fast unmöglich macht. Wenn Betroffene nach dem Schlafen trotzdem über Müdigkeit und Erschöpfung klagen, weist das auf Hypersomnie hin.

Was stört den Schlaf?
Ursachen der Schlafkrankheiten können sowohl nichtorganischer, wie auch organischer Natur sein. ADS, eine Überfunktion der Schilddrüsen, Erkrankungen des Herzens, der Atemorgane, des Magen-Darm-Kanals sowie Durchblutungsstörungen können Schlafstörungen hervorrufen. Meist führen aber psychogene Faktoren, wie Angst, Stress und Schuldgefühle oder eine schlechte Wohnqualität aufgrund schlechter Luft oder Lärm zu einem gestörten Schlaf. Durch eine Veränderung der Lebensgewohnheiten lassen sich bereits viele schlafstörende Faktoren beseitigen. Schon mit ein paar einfachen Tricks kann man gute Vorraussetzungen für einen gesunden Schlaf schaffen. Ratsam ist es, maximal zwei Stunden vor dem zu Bett gehen die letzte Mahlzeit zu sich zu nehmen. Somit verhindert man, dass das Verdauungssystem Schwerstarbeit leisten muss, in einer Zeit, in der es eigentlich schon auf Sparbetrieb schaltet. Auch Sport und viel Bewegung begünstigen erholsamen Schlaf, denn maßvolle körperliche Verausgabung macht müde. Stressauslöser gezielt zu umgehen, lässt uns nachts ebenfalls besser zur Ruhe kommen. Deshalb haben Telefon, Handy und PC nichts im Schlafzimmer verloren. Entgegen der allgemeinen Auffassung ist Alkoholkonsum eher schädlich für den Schlaf, da der Körper mit dem Abbau des Giftes belastet wird, was ebenfalls schlafstörend sein kann.

Was kann ich tun, um besser einzuschlafen?
Bessere Einschlafhilfen sind warme Duschen und Vollbäder, Saunabesuche oder Aromatherapien. Sollte all dies nicht helfen, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Schlafmittel sollten nur kurzfristig eingenommen werden, da sie die eigentlichen Ursachen nicht beseitigen. Im Gegenteil, Schlafmittel können ab einem bestimmten Zeitpunkt körperlich abhängig machen und verschlimmern dadurch den Zustand ungewollt. Wer nach kurzfristiger Einnahme von Schlafmitteln nach wie vor an Schlafstörungen leidet, sollte sich nicht scheuen, einen Psychiater zurate zu ziehen, da die Schlafprobleme möglicherweise auf eine Depression zurückzuführen sind. Zeigt auch diese fachärztliche Therapie keinen Erfolg, kann eine Untersuchung im Schlaflabor Klarheit schaffen. Inzwischen gibt es in Deutschland mehr als 200 ärztlich geleitete Schlaflabore. Dort werden Tests durchgeführt, die es ermöglichen, die Schlafphasen einer gesamten Nacht zu dokumentieren. Bei der so genannten Polysomnografie werden mehrere verschiedene Körperfunktionen, wie Herzschlag, Gehirnaktivität und Atmung während des Schlafes gemessen und deren Zusammenspiel beurteilt. Diese diagnostische Abklärung ist Voraussetzung für eine gezielte Behandlung der jeweiligen Schlafproblematik.

Nadine Baumann

Infos:

„Wenn der Schlaf gestört ist“, Ingrid Füller, Stiftung Warentest 2002

Schlaflabors und schlafmedizinische Einrichtungen:
Klinikum der Stadt Ludwigshafen am Rhein
Bremserstraße 79, 67063 Ludwigshafen , 0621/503-0

Stadtkrankenhaus Worms, Kinderklinik Schlaflabor,
Gabriel-von-Seidl-Straße 81, 67550 Worms, 0 62 41/5 01-6 20

Schlafmedizinisches Zentrum
Westpfalzklinikum Kaiserslautern, Klinik für Hals- Nasen- Ohren Heilkunde
Parkstraße 44, 67655 Kaiserslautern, 0631/203-1558