Spitz und Stumpf werden volljährig

Im Grunde sind die Probleme im menschlichen Miteinander – also dann, wenn es gerade so richtig  menschelt – immer gleich. Worüber man streitet, debattiert oder konkurriert mag unterschiedlich sein, aber das Warum ändert sich nie. Darauf bauen Bernd Weller und Götz Valter nun schon seit 18 Jahren. In ihren Bühnenfiguren Spitz & Stumpf halten sie den Zuschauern den unbarmherzig humoristischen Spiegel vor, der die Eigenheiten und die kleinen Schwächen sichtbar werden lassen. Es ist unpolitisches Kabarett auf Pfälzisch, was die beiden immer wieder neu in Szene setzen. In ihren Anfängen waren sie tatsächlich die ersten, die das Pfälzisch in einem intelligenten Kabarettprogramm wagten. Und wurden dafür argwöhnisch beäugt. Im Laufe der Zeit sprangen Kollegen auf den Mundartzug auf und bilden geradezu ein Genre. 
Jedes Programm von Spitz & Stumpf hat eine Laufzeit von 18 Monaten und doch wird keines je alt, denn die Grundzüge des Miteinanders, des Handelns und der Kommunikation verändern sich nie. So ist die Figur Eugen Stumpf (gespielt von Götz Valter) ein bodenständiger Winzer, der mit sich und seinem Leben im Mikrokosmos zufrieden ist, und dies auch gerne sein dürfte. Wäre da nicht sein Freund Friedel Spitz, der Aniliner, der mit seiner besserwisserischen Nörgelei – die er gerne seiner Umwelt als globales Denken verkaufen würde – Unruhe in die Betulichkeit bringt. Spitz & Stumpf diskutieren und beschäftigen sich mit den Themen des Alltags, kommen vom Kleinen zum Großen und wieder zurück. 
Weller und Valter schreiben ihre Stücke selbst. Mit einem besonders sensiblen Gespür lauschen sie den zwischenmenschlichen Tönen, sehen die Komik in den kleinen Katastrophen des Lebens und fühlen die vermeintlichen persönlichen Nöte des Individuums im Alltagskonflikt. Um die Themen für die Bühne aufzuarbeiten,  schlüpft jeder in sein Alter Ego, das mittlerweile eine eigene Geschichte, Familien und einen jeweiligen sozialen Hintergrund besitzt. Die Figuren Spitz und Stumpf haben einen eigenen Charakter, eine Dynamik und entwickeln für die Zuschauer eine greifbare Identität, die von Weller und Valter authentisch dargestellt werden. „Sobald ich mich umgezogen habe und auf der Bühne stehe, bin ich Friedel Stumpf. Ich handle, bewege und spreche wie er“, sagt Weller. Am Anfang seiner Karriere habe er immer zwei Personen im Kopf gehabt – eigentlich drei, da er für Stumpf ja mitdenke -, was ein wenig schizophrene Züge aufwies. Heute könne er sich in seiner Freizeit auch wieder geistig von Friedel trennen. Das freut auch seine Frau. „In den Anfängen saß Friedel quasi immer mit am Tisch“, erzählt sie. Auch für die Zuschauer ist eine Trennung der Bühnenfiguren von der Realität offensichtlich nicht immer einfach. „Es gab Gerüchte, dass wir unser neues Theater in Speyer durch eine Abfindung, die ich nach meinem Ausscheiden aus der Anilin erhalten habe, finanziert haben. Tatsache ist allerdings, dass ich nie bei der BASF beschäftigt war“, erzählt Weller und muss darüber schmunzeln, mit welcher Überzeugung ihm Fans von seinen angeblichen ehemaligen Kollegen aus dem Ludwigshafener Konzern berichten. 
Voriges Jahr erfüllten sie sich einen Traum: Sie zogen in ihr eigenes Theater. Im Labsaal in der Speyerer Herdstraße finden die meisten ihrer Aufführungen statt. Aufgrund der hohen Nachfragen nach Karten haben sie die Zahl der Auftritte erhöht, so dass jeder eine Chance auf eine Karte bekommt. Dies hat sich bewährt, denn nun reservieren wieder Fans, die schon ihre Bemühungen wegen ständig ausverkauften Veranstaltungen aufgegeben hatten. Der Labsaal bereitet eine schöne, entspannte Atmosphäre, die zum einen auf seine Architektur und zum anderen durch die Sitzordnung hervorgerufen wird. Die Gäste sitzen an kleinen Tischen, ihren Wein vor sich und genießen kleine Tapas Pfälzischer Art. Und beobachten, wie es ganz typisch, pfälzisch menschelt.

Info: weiter Infos unter www.spitzundstumpf.de oder direkt im Vorverkauf dienstags von 16 bis 19 Uhr im Labsaal in Speyer, Herdstraße 5 (Freitags VVK unter 06321-4840176 in Neustadt)
 

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