Speed Dating

7 Männer, 7 Frauen, 7 Minuten

Zeit ist ein rares Gut. Heutzutage muss alles einfach und vor allem schnell gehen. Deshalb gilt auch bei der Partnersuche das Motto einfacher und schneller. Die Angebetete oder den Traummann zu umgarnen, langsame Annäherungsversuche zu wagen und im richtigen Augenblick mit flirrendem Herzen die Liebe zu gestehen, ist nicht mehr im Sinn des Zeitgeistes. Denn einfach und schnell ist das nicht. Dann doch lieber der neusten Strategie für Singles folgen: Speed-Dating.

Diese Partnersuche im Schnellverfahren basiert auf dem doch zweifelhaften Prinzip, dass das eventuelle Potenzial zum Traumpartner beim Speeddatingpartner in wenigen Minuten erkennbar sei. Die Veranstaltung ist in Runden von jeweils sieben bis zehn Minuten aufgeteilt, in der die Singles sich kennen lernen. Sieben Frauen sitzen an verschiedenen Tischen und warten darauf, dass bei jedem Gongschlag nach sieben Minuten ein Anderer der männlichen Singles den Platz gegenüber einnimmt. Gefragt wird nach Hobbys, Beruf, Kinderwunsch, Musikgeschmack und nach allem anderen, was interessiert. Nach jeder abgelaufenen Runde notieren die Singles auf vorher ausgehändigten Zetteln, ob sie den jeweiligen Datepartner wiedersehen wollen. Der Veranstalter wertet die Ergebnisse aller Teilnehmer aus und benachrichtigt diese am nächsten Tag per Email, welche der Kandidaten auch sie gern näher kennen lernen würden. Ursprünglich stammt dieses Konzept - wie die meisten Trends - natürlich aus Amerika und wurde von einem Rabbi ins Leben gerufen. Der Geistliche aus Los Angeles wollte eine Kontaktplattform für verstreut lebende Juden schaffen, um so die Zahl der Eheschließungen in seiner Glaubensgemeinschaft zu erhöhen. Wie effektiv ist diese Form des Kennenlernens nun wirklich? Und wird bei dem Date mit Überraschungsfaktor jeder Herzenswunsch erfüllt? Tatsächlich ist das Ergebnis eher ernüchternd. Denn die alten Klischees werden deutlich bestätigt. Der männliche Single, Ende 20, finanziell abgesichert, mit angesehenem Beruf, wie Anwalt, Arzt, Banker oder Controller, aber leider mit einigen Defiziten beim äußeren Erscheinungsbild, sucht Frau mit gewisser Mindestattraktivität. Die alleinstehende Frau, hübsch, kommunikativ, sucht Traummann. Dass hierbei nur in seltenen Fällen Wiedersehenswünsche übereinstimmen, liegt auf der Hand. Wie immer und auch in freier Liebeslebenlaufbahn steht das Aussehen im Vordergrund und die inneren Werte sowie der Inhalt der Gespräche zählen nur wenig. Bei sieben Minuten ist auch kaum etwas anderes zu erwarten. Denn die so genannten inneren Werte sind doch meist gut versteckt. Eben innen. Für Männer ist das Speed-Dating zu Beginn das wahre Paradies, denn viele hübsche, selbstbewusste Frauen finden den Weg zu solchen Veranstaltungen. Während die männlichen Singles aufgrund eines Mindestmaßes an Attraktivität fast jede Frau wiedersehen wollen, fällt bei den Frauen das Urteil vernichtend anders aus. Sie sind weitaus anspruchsvoller und wählerischer. Sie sind sich ihrer eigenen optischen Qualitäten besser bewusst und suchen dazu den passenden Partner, den sie beim Speed-Dating fast nie finden.

Speed-Dating kann eventuell eine Lösung für wirklich verzweifelte Dauersingles sein, die sich nicht mehr anders zu helfen wissen. Doch grundsätzlich ist es ein teurer Spaß, dessen Erfolgschancen mehr als fragwürdig sind. Statt für die schnelle Partnersuche zwischen 20 und 30 Euro pro Veranstaltung zu bezahlen, sollten Männer sich einfach ein Herz fassen und sich trauen, die attraktive Unbekannte aus der Straßenbahn oder aus dem Fitnessstudio anzusprechen. Und die weiblichen Singles sollten lernen, ihre traumprinzhaften Ansprüche und Erwartungen mehr der Realität anzupassen.

Nadine Baumann

Info:

www.speeddating.de
Filmtipp: Shoppen, Deutschland,
2007
ein amüsanter Film über Speed-Dating

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