Schule ohne Lehrer

Der Unterrichtsausfall infolge von Lehrermangel an Schulen in der Vorderpfalz, insbesondere an Gymnasien und Berufsbildenden Schulen, ist hoch.

Sport, Deutsch, Kunstgeschichte, Mathematik und Ethik – diese Fächer haben trotz ihrer Unterschiedlichkeit etwas gemeinsam – sie fallen an den Schulen in Rheinland-Pfalz sehr häufig aus. 800.000 Unterrichtsstunden würden nicht gehalten, in den Berufsbildenden Schulen falle jede zehnte Stunde aus. In Rheinland-Pfalz sei der Unterrichtsausfall „gravierend“. Zu diesem Fazit kam die rheinland-pfälzische CDU, nachdem sie ein Internetportal zum Thema Unterrichtsausfall eingerichtet hatte und im Februar eine Zwischenbilanz der Kampagne zog. Elternvertreter aus dem ganzen Land hätten einen enormen Unterrichtsausfall bestätigt. Hier bildet die Vorderpfalz keine Ausnahme. Speziell die Gymnasien sind traurige Spitzenreiter, was Lehrkräftemangel und Unterrichtsausfall angeht. „Es herrscht ein absoluter Notstand“, klagt Irmtraud Heym. Die ehemalige Elternvertreterin am Leininger Gymnasium in Grünstadt koordiniert den Arbeitskreis Unterrichtsversorgung, in der sich die Schul-elternbeiräte der Gymnasien aus der Pfalz zusammengeschlossen haben. Sie berichtet von Protestbriefen und Eingaben von Eltern ans Ministerium, von enttäuschenden Diskussionen mit Vertretern des Bildungsministeriums. „Es gab eine Zustandsbeschreibung, doch das ist nicht das, was die Eltern hören wollen“, kritisiert sie. „Im Ministerium sitzen Bildungsadministratoren, die keine Ahnung vom Schulalltag haben“, klagt Heym. Der Alltag sieht beispielsweise so aus: Am Karolinen-Gymnasium in Frankenthal fällt seit Schuljahresbeginn in der 7. Klasse Deutsch aus. Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Der Unterrichtsausfall sei an der Schule ein Problem, bestätigt Schulelternsprecherin Cordelia Serfas. Das werde auch von der Schulleitung so gesehen, betont sie. Es müsse dringend etwas dagegen unternommen werden, dass Lehrer aufgrund attraktiverer Angebote in angrenzenden Bundesländern Stellen beispielsweise am Karolinen-Gymnasium ausschlagen. „Das ist mehrfach passiert“, so Serfas. Am Frankenthaler Albert-Einstein-Gymnasium hat sich laut Elternbrief der Unterrichtsausfall dank neuer Lehrerzuweisungen verringert. Doch auch hier gibt es Ausfälle und Kürzungen: Am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Bad Dürkheim sei es schwierig, für bestimmte Fächer wie Sport, Physik, Musik, Kunst, Mathematik und Spanisch Lehrer zu bekommen, sagt Schulelternsprecherin Heike Ditrich. Hier engagiere sich die Schulleitung sehr stark, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Lehrer zu bekommen, daher sei die Situation noch „relativ gut“ im Vergleich zu Gymnasien in der Südpfalz. Das Dürkheimer Gymnasium könne im Rahmen des Projekts Erweiterte Selbstständigkeit (PES) aus einem Etat schöpfen, um Vertretungslehrer zu bekommen – und dieses Budget werde voll und ganz genutzt, so Ditrich. Am Leininger Gymnasium in Grünstadt ist die Lage in Sachen Unterrichtsfall derzeit schlimm, wie Schulelternsprecher Andreas Lehmann sagt. Er sehe leider auch eher eine Verschlimmerung als eine Verbesserung der Situation. Allerdings sei bei der Schulleitung das Problembewusstsein vorhanden und es gebe engagierte Bemühungen gegenüber der ADD.

Während das Bildungsministerium weiter an seiner Darstellung festhält, dass die Unterrichtsversorgung gut sei, üben die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Philologenverband Rheinland-Pfalz Kritik: Es falle täglich Unterricht weit über die eingeräumten statistischen Werte aus, so der GEW. Der Grund: eklatanter Lehrermangel. 800 neue Stellen werden daher gefordert.

Mechthild Möbus

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