Schnell wie der Wind

Jede Woche treffen sich engagierte Hundebesitzer in Rheinhausen-Oberhausen. Ihre Passion: Windhunde. In Oberhausen liegt eine der schönsten Hunderennbahnen Deutschlands. Nicht jede Woche ist ein Rennen, aber am Wochenende wird regelmäßig trainiert. Schon den Hunden zuliebe, die ihren Laufwillen hier ausleben dürfen.

Die schlanken, muskulösen Tiere brauchen die Bewegung zum Ausgleich. Windhunde haben ein sehr friedliches und liebenswertes Wesen – wenn sie ihren Jagdtrieb befriedigen können. „In der Stadt, im Park oder im Wald können wir die Hunde nicht von der Leine lassen. Windhunde reagieren sofort, wenn sie nur schon eine wehende Plastiktüte sehen, die sie für Beute halten“, sagt Renate Hildebrand. Sie selbst besitzt einen Whippet. Das ist eine kleine Windhundrasse, die sich in Deutschland außerordentlicher Beliebtheit erfreut. Renate Hildebrand ist Ehrenvorsitzende des Windhund-Rennvereins Kurpfalz e.V. Lange Zeit führte sie den Verein an und ist heute noch im Deutschen Windhundzucht- und Rennverband als Funktionärin tätig, nachdem sie viele Jahre als Vorsitzende der Sportkommission nach eigenen Worten „das ganze Renngeschehen in Deutschland in der Hand“ hatte. Seit 30 Jahren engagiert sie sich für die Hunde. Der Rennverein in Rheinhausen-Oberhausen wurde 1963/64 von Dr. Fröde gegründet und zählte zu Beginn kaum zehn Gründungsmitglieder. Mittlerweile sind es 150 Hundebegeisterte, die aus einem weiten Umkreis nach Oberhausen in der Kurpfalz kommen. „Selbst aus dem Saarland, von der schwäbischen Alb und Heilbronn reisen die Besitzer mit ihren Hunden an“, berichtet Renate Hildebrand. Der Verein sei der größte Windhundrennverein innerhalb des Verbandes, was auf die hervorragenden Trainingsmöglichkeiten, die schöne, durch eigenes Engagement gepflegte Anlage und auch auf den guten Zusammenhalt der Mitglieder zurückzuführen sei. „Wir haben sogar Mitglieder, die gar keinen Hund haben“, erzählt die Ehrenvorsitzende. Heute wird der Verein von Inge Reis aus Deidesheim als Vorsitzende geführt und durch die Rennleiterin Hannelore Vogel organisiert.

Immer wieder stehen Hundebesitzer, die ihre Tiere an Wettkämpfen teilnehmen lassen, unter Verdacht, diese auszubeuten. Echte und vermeintliche Tierschützer hören genau hin, wenn es um den Tierrennsport geht. „In Deutschland kann nicht auf Windhunderennen gewettet werden, da Profis auf Bahnen, die dem Verband angeschlossen sind, nicht zugelassen werden“, bekräftigt Renate Hildebrand. Dem Tierschutz werde ohnehin auf der Bahn in Oberhausen ein besonders hoher Stellenwert beigemessen. Ein Tierarzt untersuche und kontrolliere alle Hunde vor dem Rennen. Neben der allgemeinen Konstitution eines Hundes gebe es Altersbeschränkung für Hunde, um bei einem offiziellen Rennen starten zu können. Kleine Rassen dürften ab dem fünfzehnten Lebensmonat und große Rassen erst ab dem achtzehnten Monat teilnehmen. Bis zum Ende des achten Lebensjahres können die Windhunde am offiziellen Renngeschehen teilnehmen. Doch auch das Verhalten der Tiere während eines Rennens werde begutachtet. Ausschlaggebend sei, dass der Hund Konkurrenten nicht behindere oder angreife. Geprüft werde dies, so die Fachfrau, von Schiedsrichtern oder Bahnbeobachtern wie Funktionären. „Erst müssen die Tiere mehrere Läufe bestreiten, bevor sie eine Lizenz erwerben könnten.“

Im Frühjahr und im Herbst richtet der Kurpfälzische Windhundrennverein offizielle Rennen aus. Im April wird das Rennen mit einer Windhundschau verbunden. Das bekannte Hubertus Trophy Rennen im Oktober wurde in diesem Jahr von einer Hubertus Messe eröffnet, in der alle Hunde – nicht nur die vereinseigenen Tiere – gesegnet wurden. An dem Rennen sind 13 verschiedene Rassen bei rund 100 bis 150 Teilnehmern vertreten. Zuschauer sind herzlich willkommen. Internationale Kontakte werden gepflegt. Auch und besonders zu den Engländern. „In England liegt die Profession. In Deutschland jedoch die Tradition“, so die erfahrene Funktionärin.