Routine: Die Macht der Gewohnheit

Oft sprechen wir von Routine oder routiniertem Umgang, einer Routineüberprüfung oder einer reinen Routineangelegenheit. Sogar den Begriff des Routiniers gibt es. Doch was bedeutet eigentlich Routine?

Um Routine geht es, wenn uns Handlungen in das berühmte Fleisch und Blut übergegangen sind. Wenn Vorgänge so weit automatisiert ablaufen können, dass wir sie nicht mehr bewusst steuern und uns über ihren exakten Ablauf Gedanken machen müssen. Sie gehen uns nämlich mittlerweile leicht von der Hand, da sie durch häufige Wiederholung stereotypisiert worden sind. Wir sprechen von Routine, wenn wir durch lange Erfahrung und Übung die Fähigkeit entwickelt haben, etwas gut oder sogar sehr gut zu machen. Sei es die tägliche Hausarbeit, die regelmäßigen Akquiseanrufe zur Kundengewinnung oder das sichere Zurechtfinden in fremden Städten – wer permanent wiederkehrende Aktivitäten beherrscht (quasi aus dem Effeff), der hat Routine in dem, was er tut. Er gilt als Routinier. Ist dies jedoch nicht der Fall, fehlt ihm sicher die nötige Routine. Gerade wegen der eingefahrenen Handlungsmuster sprechen wir auch häufig von Alltag, Prozedere oder Tagesgeschäft, wenn wir Routine meinen.

Kann man Routine mit Gewohnheit gleichsetzen?

Routineabläufe zeichnen sich durch sichere, kalkulierbare Handlungen aus. Jemand ist es gewohnt, etwas mit hoher Wiederholungszahl zu tun. Vielleicht sogar ganz mechanisch und ohne zeitraubende Abweichung und Reflexion. Routine hat daher viel mit Gewohnheit gemeinsam. Redewendungen wie Der Mensch ist ein Gewohnheitstier oder die Macht der Gewohnheit beziehen sich auf die Tatsache, dass ein Tun aufgrund ausgeprägter Gewohnheiten schneller zustande kommt als ein bewusstes Handeln, dem entsprechende Überlegungen und Entscheidungen vorausgehen.

Doch wie steht es mit dem Begriff Gewöhnung?

Gewohnheit und Gewöhnung sind verschiedene Dinge. Letzteres besagt, dass ein Individuum auf einen sich wiederholenden Reiz mit der Zeit immer weniger oder auch gar keine Reaktion mehr zeigt. Man spricht in solchen Fällen auch von Desensibilisierung. Häufig wird ein hohes Maß an Routine auch als Professionalität bezeichnet. Wir sagen voller Anerkennung: „Wie sie jeden Tag aufs Neue Ihren Patienten geduldig zuhört! Sie ist wirklich ein echter Profi.“ In diesem Fall mag die Person viel Erfahrung und damit Routine im Umgang mit anderen Menschen haben, aber Profi kommt von Professionalität und hat daher mit Routine streng genommen nichts zu tun. Denn Professionalität hängt mit Profession, also Beruf zusammen und ist häufig an eine Erwerbstätigkeit gebunden. Routine hingegen ist ein einzelner Ablauf, aber keine komplette Berufstätigkeit. Dieses Prinzip machte sich bereits die Industrialisierung im 19. Jahrhundert zunutze: Sie begann, größere Arbeitsgänge in mehrere kleinschrittige Abläufe zu zerlegen und diese dann zu optimieren. Jeder Abschnitt wurde von anderen Arbeitern beherrscht, die auf ihren jeweiligen Part spezialisiert waren. Die Fließbandfertigung mit hochgradig standardisierten Einzeltätigkeiten war geboren.

Wo wird der Begriff Routine noch verwendet?

In der Computersprache wurde der Begriff Routine unmittelbar aus dem Englischen übernommen und steht synonym für Programmierung. Also service routine für Dienstprogramm, check routine für Prüfprogramm oder loading routine für Ladeprogramm.   Auch im Zauberlexikon kommt der Begriff der Routine vor. Führen Zauberer, Kartenkünstler und Magier Zaubertricks vor, so werden diese magische Routinen genannt.

Jaleh Nayyeri 

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