Renaissance des Ehrenamts

Das Ehrenamt in Deutschland ist ein Motor der gesellschaftlichen Entwicklung in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens. Treibstoff dieses Motors sind Menschen, die sich in ihrer Freizeit für das Wohl der Allgemeinheit einsetzen. Unter dem Begriff Ehrenamt versteht man jede freiwillig erbrachte, nicht auf Entgelt ausgerichtete außerberufliche Tätigkeit, die am Gemeinwohl orientiert ist, auch wenn sie für einen einzelnen erbracht wird. Im frühen 19. Jahrhundert entstand durch staatliche Reformen das politische Ehrenamt und in der Folge das soziale Ehrenamt. Bedingt durch diese Entwicklung schlossen sich anfänglich hauptsächlich Männer, nicht viel später auch Frauen zusammen, um vordergründig gemeinsame politische, religiöse, soziale und kulturelle Ziele zu verwirklichen. Die Geburtsstunde des Vereinswesens trat bereits in den Anfängen in verschiedenen Formen auf. Die Struktur des frühen ehrenamtlichen Engagements reichte von Turn- und Gesangsvereinen über Schützenvereine, bis hin zu politischen Vereinen. Vereine waren ein Mittel der Emanzipation vor dem Staat, der Obrigkeit, aber auch alten gesellschaftlichen Normen. So trug die Gründung von Frauenvereinen, die vor allem das Ziel der Vermittlung von Wissen und Arbeit hatten, zweifellos dazu bei, dass Frauen losgelöst von der damaligen Rollen- und Arbeitsverteilung in der Familie neue beziehungsweise bisher verschlossene oder nicht entdeckte Berufswege beschreiten konnten.

Das heutige Ehrenamt kann als eine Art Renaissance des zur Gründung der ersten Vereine führenden Gedankens verstanden werden. Moderne Vereine weisen einen deutlichen Projekt- und Initiativcharakter auf und gründen sich oftmals aufgrund sehr klar definierter Beweggründe. Ein Beispiel hierfür sind Bürger- und Umweltinitiativen. Weiter wird die Mitgliedschaft und Arbeit in Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchengemeinden, Parteien, Verbänden und Organisationen heute  gleichermaßen als Ausdruck der persönlichen Selbstverwirklichung, wie auch als Streben nach Mitgestaltung  gesellschaftlicher Entwicklungen unter Einbringung der eigenen Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft verstanden.

Das Ehrenamt des 21. Jahrhunderts prägt jeden einzelnen Bereich unserer Gesellschaft. Die europäische Kommission hat das Jahr 2011 zum europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit ausgerufen. Laut Kommission leisten Menschen aller Altersschichten einen positiven Beitrag für die Gemeinschaft, indem sie einen Teil ihrer Freizeit in Organisationen der Zivilgesellschaft, in Jugendclubs, in Krankenhäusern, Schulen, Sportvereinen investieren. Freiwilliges Engagement bietet auch die Chance, etwas hinzuzulernen, denn im Rahmen der ausgeübten Tätigkeiten können neue Fähigkeiten und Kompetenzen erworben und damit sogar die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt verbessert werden.

Der Deutsche Städtetag spricht dem bürgerschaftlichen Engagement einen außerordentlich hohen Stellenwert zu und nennt es ein wahres Zukunftsmodell. Heute, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen wie dem demografischen Wandel und kommunaler Entwicklungstendenzen, spielt das Ehrenamt mehr denn je eine zentrale Rolle. Verantwortung für sich selbst und das eigene Umfeld zu übernehmen, ist ein wesentlicher Bestandteil der Modernisierung in den Kommunen. Der Bürger wird als sozialer Akteur, als Gestalter einer auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit aufzubauenden Zukunft einer Stadt oder ihrer Gemeinde verstanden. Die Anerkennung und Würdigung der geleisteten Arbeit eines jeden, der sich in welcher Form auch immer engagiert, muss in Zukunft noch mehr Ziel der Verantwortungsträger aber auch jedes einzelnen Menschen sein. Ehrenamtliches Engagement war und ist nicht aus dem alltäglichen Leben wegzudenken.

Weitere Informationen:

Zukunft gestalten – sozialen Zusammenhalt sichern, Nachhaltige Entwicklung durch Bürgerschaftliches Engagement, Broschüre der Bundesregierung, Herausgeber Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Stand April 2009

Bürgerschaftliches Engagement und Kommunen – ein Zukunftsmodell, Themendossier, Herausgeber: u.a. Deutscher Städtetag

http://www.miz.org/artikel/Ehrenamt.htm , Aufgerufen am 16.06.2011

http://www.wir-fuer-uns.de/landesnetzwerk/i10.htm , Aufgerufen am 16.06.2011